Die zunehmende Trockenheit in Brandenburg, vor allem im Sommer, wirkt sich auf die Grundwasserneubildung aus. Die Wasserversorger stehen daher auch mit Blick auf Industrieansiedlungen vor schweren Aufgaben. Generell rücke ein intelligentes Wassermanagement immer mehr in den Vordergrund, sagte Turgut Pencereci, Geschäftsführer des Landeswasserverbandstages Brandenburg, der Deutschen Presse-Agentur. «Man muss sich Gedanken machen: Wo bringt man überhaupt wasserintensive Betriebe unter und wo nicht.»
Ansiedlungen zu verhindern könne nicht Ziel der Sache sein, so Pencereci weiter – gerade wenn es darum gehe, zukunftsträchtige Technologien zu entwickeln. «Die Wasserwirtschaft ist nicht der Gegner der Industrie.» Allerdings müssten Akteure vor Ort das Thema Wasser rechtzeitig auf der Agenda haben. «Da muss ganz, ganz frühzeitig Kommunikation einsetzen», sagte Pencereci. Sonst ergäben sich schwer lösbare Konflikte.
Einigung der Beteiligten vor Ort
Beispiel Tesla: Brandenburgs Wirtschaftsminister Jörg Steinbach (SPD) sieht die Wasserversorgung wie der zuständige Wasserverband Strausberg-Erkner (WSE) nur für die erste Ausbaustufe des Werks gesichert. Keine Garantie gibt er bei einem weiteren Ausbau, sagte Steinbach dem Rundfunk Berlin-Brandenburg (RBB): Für die erste Ausbaustufe mit bis zu 10.000 Mitarbeitern funktioniere es inklusive der Batteriefabrik. «Wir haben aber nie gesagt, dass die in Grünheide direkt vorhandenen Ressourcen in den weiteren Ausbaustufen für 40.000 Mitarbeiter reichen.»
Bei zunehmendem Wassermangel und Bedarf in den kommenden Jahrzehnten stelle sich die Frage, wer als erstes das Wasser bekomme, beschreibt Pencereci die Situation. Es gebe viele Nutzer, die das für sich beanspruchten: Wasserversorger, Mineralwasserhersteller, Industrie und Landwirtschaft, der Wald sowie der Naturschutz. Der Fachmann schlägt vor, dass sich jeweils die Beteiligten vor Ort einigen. Konflikte bei der Nutzung ist auch das Thema einer Mitgliederversammlung des Landeswasserverbandstages an diesem Mittwoch. Die Mitglieder des Verbands unterhalten Gewässer und gewährleisten zwei Drittel der Versorgung im Land.
Neue Ansätze zur Wiederverwendung
Nach Worten des Geschäftsführers geht es immer mehr darum, sich Gedanken über den Wassergebrauch zu machen. Beispielsweise müsse überlegt werden, wie Wasser nach regionalem Starkregen gespeichert oder wie es wiederverwertet werden könne. Als Beispiel nannte er ablaufendes klares Wasser aus einem Klärwerk, dass nicht in einen Bach geschüttet, sondern für die Landwirtschaft genutzt werden könne. Zudem müsse man sich fragen, ob es sinnvoll sei, Wasser über lange Strecken zu transportieren.
Ein weiteres Problem: In der Bevölkerung fehle es noch deutlich an Bewusstsein, was das Thema Wasserverbrauch angehe, so Pencereci. Schon in der Schule müsse verstärkt eine Umweltbildung stattfinden. Auch das Land müsse mehr informieren. Das Thema sei kein Politikum. «Wasser hat keine Farbe, es geht alle an, alle leben davon», betonte er.
Noch keine großen Engpässe
Noch seien die allermeisten Versorger in Brandenburg nicht am Limit, die Wasserqualität sei «okay». Darauf könne man sich aber nicht ausruhen. «Wir müssen aufpassen, dass das gut bleibt und das ist eine erhebliche Anstrengung», sagt er auch mit Blick auf die Zunahme der intensiven Landwirtschaft. Diese bedeute einen verstärkten Nährstoffeintrag in den Boden – und somit ins Grundwasser. (dpa/hp)


