Wasser

Wirtschaft profitiert erheblich vom Emscher-Umbau

Aus dem reinen Abwasserprojekt wurde im Laufe der Umsetzung in 30 Jahren eine Regionalentwicklungsstrategie. Die positiven Effekte belegt eine Studie der TU Dortmund.
25.08.2022

Idyllisch plätschert die Emscher durch Dortmund nahe der ehemaligen Kokerei Hansa – als wäre sie nie schmutzig gewesen.

Der Emscher-Umbau ist das größte europäische Infrastrukturprojekt der vergangenen Jahrzehnte. Mehr als 5,5 Milliarden Euro hat die Emschergenossenschaft für die Abwasserfreiheit der Emscher sowie für Renaturierungsmaßnahmen ausgegeben. Laut einer Studie der TU Dortmund zu den wirtschaftlichen Effekten sind dadurch knapp 44.000 Arbeitsplätze entstanden, rund 2 Milliarden Euro Auftragssumme gingen an Firmen im Ruhrgebiet. Der wirtschaftliche Gesamtimpuls liegt bei 13,2 Milliarden.

Zu Beginn des Emscher-Umbaus im Jahr 1992 lag der Fokus auf der wasserwirtschaftlichen Optimierung des Emscher-Flusssystems aus technischer Sicht. In der 30-jährigen Umsetzung des Generationenprojekts erfolgte dann eine Weiterentwicklung zu einer proaktiven Regionalentwicklungsstrategie. Neue Zielbereiche wurden integriert, wie z.B. die Erhöhung der Erholungs- und Freizeitqualität, die Profilierung des Landschafts- und Stadtbildes, die nachhaltige Quartiersentwicklung, die Förderung von Kunst und Kultur sowie ganz besonders die Anpassung an den Klimawandel.

Baufirmen nutzen Know-how weiter

Weitere Effekte waren die Synergiebildung von Firmen sowie die Entwicklung von Innovationen in den Bereichen Spezialbeton, Photooxidationsanlagen und Robotik. Die beauftragten Unternehmen konnten sich teilweise spezialisieren sowie Fachpersonal und Kompetenzen aufbauen, wodurch sie von der Emschergenossenschaft unabhängig Aufträge akquirieren können.

Rund 1,9 Milliarden Euro der Emscher-Investitionsssumme gingen im Zuge von Bauaufträgen an Firmen im Ruhrgebiet. Der Abschwung der frühen 2000er-Jahre konnte damit abgefedert werden. Verzeichnet wurde ein überproportionaler Zuwachs von Arbeitsplätzen im Bereich des Tiefbaus von bis zu 45 Prozent. Die Beschäftigtenzahl in der Gelsenkirchener Bauwirtschaft zum Beispiel wuchs während des Emscher-Umbaus um 14,6 Prozent.

Positive Auswirkungen auf den Immobilienmarkt

Auch die Immobilienmarktanalyse zeigt, dass der Umbau der Emscher insbesondere an den renaturierten Bereichen in Holzwickede und Dortmund sowie an den vielen Nebenläufen zu einer Aufwertung beigetragen hat. Messbare Wertsteigerungen lassen sich aber laut der Studie nur an wenigen Orten nachzeichnen, an denen eine Aufwertung der Immobilien hauptsächlich durch Renaturierung, optische Verschönerung des Gewässerbildes sowie einer Verbesserung der Natur und Freizeitqualität eintrat.

Der indirekte Effekt des Emscher-Umbaus wird durch die Stabilisierung und teilweise deutliche Aufwertung der Immobilienpreise deutlich. Immobilien-Hot-Spots wurden in Castrop-Rauxel, Dortmund, Essen und Herne identifiziert.

Weitere Pläne

Auch nach Ende des eigentlichen Emscher-Umbaus geht die Entwicklung der Region weiter. Die abwasserfreien Gewässer werden in den kommenden Jahren renaturiert, zudem stehen Maßnahmen zur Klimaanpassung ebenso im Fokus wie Re-Investitionsmaßnahmen und Ertüchtigungen der Betriebsanlagen. (hp)