Herr Jäger, worin sehen Sie die kommenden Hemmnisse beim Glasfaserausbau in Deutschland?
Wolfgang Jäger: Das Kernproblem ist, der Netzausbau stockt bei den Bestandsgebäuden. Das Glasfaserkabel bis vor die Haustür nützt nichts. Es muss auch drinnen verlegt werden. Ein- oder Zweifamilienhäuser stellen kein großes Problem dar. Aber bei den Wohnungsgesellschaften befinden wir uns in anderen Dimensionen.
Diese sind unserer Erfahrung nach nicht sonderlich darauf erpicht, denn sie besitzen Internetanschlüsse, wenn auch über Kupfer. Gerade in Ballungszentren ist die Nachfrage nach bezahlbarem Wohnraum hoch. Da spielt für Mieter und Vermieter ein "echter" Glasfaseranschluss eine eher untergeordnete Rolle.
Aus Ihrer Erfahrung heraus, wie könnte der" Glasfaser-Eintritt" auch in die Wohnungsgesellschaften gelingen?
Jäger: Es ist und bleibt das lineare Fernsehen. Dieses funktioniert auch bei langsamem Internet. Sobald es Strom, Wärme, Wasser oder Fernsehen nicht verfügbar sind, rufen Mieter bei ihren Vermietern sehr zügig an und lassen nicht locker. Gutes Fernsehen ist ein Standortvorteil.
Denn es ist weiterhin eines der bedeutendsten Kommunikations- und Bildungsmedien. Dementsprechend kann die Kommunalwirtschaft hierbei mit einem sehr guten TV-Produkt punkten und bringt damit den Glasfaserausbau in die Wohnungswirtschaft.
Inwiefern spielen hier die Glasfasernetze eine Rolle?
Jäger: Über eine per Glasfaser angeschlossene SAT-Anlage können ganze Quartiere bis hin zu ganzen Bundesländern versorgt werden. Die Antenne mitsamt dazugehöriger Empfangsanlage wird bei dem Anbieter zentral platziert. Denn das digitale Rückgrat erzielt höhere Reichweiten bei der Übertragung. Dann werden die Sender über die Glasfaserleitungen an alle die Wohnungen und Häuser verteilt. Mittels dieser Technologie können alle verfügbaren Sender empfangen werden. Diese werden dann als Basis-TV-Versorgung bandbreitenunabhängig an die Wohnungswirtschaft verkauft und über die Nebenkostenabrechnung umgelegt.
Da man ebenso schnelles Glasfaser-Internet in den Gebäuden benötigt, lassen sich sehr gute Kombinationsgeschäfte und Kooperationen aus TV-Produkt inklusive Glasfaserausbau und schnellem Internet bis in das Haus oder gar in die Wohnungen entwickeln. Weiterer Vorteil der SAT-Versorgung ist, dass die TV Versorgung nicht unnötig Bandbreite für echte Internetdienste wie Streaming raubt. Zudem spart es rund 45 Prozent Energie im laufenden Betrieb ein.
Welche Rolle ist Ihre hierbei?
Jäger: Wir selbst bieten den Stadtwerken hierbei eine Lösung aus einer Hand an. Konkret umfasst dies: Den Glasfaserausbau bis in die Wohnungen (NE4 Ausbau), ein dazugehöriges White-Label-TV-Produkt (SAT-Direkt-TV) und jahrelanges Wohnungswirtschafts-Know-How bzgl. der Anforderungen und vertraglichen Ausgestaltungen. Wir selbst besitzen und vermarkten kein eigenes Internet-Produkt und sind davon abhängig, dass lokale Versorger das Glasfasernetz bereits in der Straße bereits ausgebaut haben.
Als Kooperationspartner stellen wir nur eigene NE4-Glasfaser-Netze zur Verfügung und lassen die Anbieter dann auf das von uns ausgebaute passive Netz im Haus. Wenn die Versorger hingegen selber ausbauen wollen, dann stellen wir ihnen die notwendigen Komponenten und unser Know-How zur Verfügung.
Die Fragen stellte Adrian Gun.



