Zum Jahresende gab es grünes Licht vom Bundeskartellamt für das gemeinsame Unternehmen "Glasfaser Nordwest" der Telekom und von EWE. Es hat seinen Firmensitz in Oldenburg (Niedersachsen) und soll bis zu 1,5 Millionen Haushalte und Unternehmensstandorte mit schnellem Internet versorgen. "Glasfaser bis in das Haus ist eine überlegene Infrastruktur, die perspektivisch auch genutzt wird", betonte Dirk Wössner, Telekom Deutschland-Chef, in einer Telefonkonferenz.
Aber es sei nicht einfach, eine solche Infrastruktur zu bauen. Sie bringe Risiken und hohe Kosten mit sich, so Wössner weiter. Aus diesem Verständnis heraus ist die Kooperation hervorgegangen. 35 Beschäftigte werden am Unternehmenssitz in Oldenburg arbeiten. Als Geschäftsführer wurden Christoph Meurer und Oliver Prostak bestellt. Erste Leitungspositionen innerhalb des Unternehmens und Mitarbeiterstellen sind bereits besetzt.
Risiko, aber keine Vorteile?
"Wir gehen beide ein erhebliches Risiko ein, weil bei der Vermarktung der Vorleistung haben beide Unternehmen keinen Vorteil davon, dass uns Glasfaser Nordwest gehört", erläuterte Wössner. Aber wenn sich die Auslastung des Joint Venture gut entwickle, dann hätten die Gesellschafter finanzielle Profite.
Telekom und EWE werden beim Endkundengeschäft die Vorleistungen der Glasfaser Nordwest einkaufen müssen und zahlen dafür den gleichen Preis wie die Wettbewerber.
FTTH ja, aber unterversorgte Gebiete nein
Glasfaser Nordwest wird in Teilen Niedersachsens, Nordrhein-Westfalens und Bremens ausbauen. Technische Grundlage sind Glasfaseranbindungen bis ins Haus (Fibre to the Home/FTTH). Beide Partner gehen von einer Investitionshöhe von bis zu zwei Milliarden Euro über einen Zeitraum von zehn Jahren aus. Die Kooperation ist zeitlich nicht beschränkt. Die ersten Ausbaugebiete befinden sich in Belm und Cloppenburg, gefolgt von Achim, Bremen, Bremerhaven, Delmenhorst, Emsdetten, Georgsmarienhütte, Oldenburg, Stade, Tostedt, Weyhe und Vechta.
Mit dem gemeinsamen Ausbau von Glasfasernetzen will das Joint Venture auch bislang unterversorgte Gebiete erschließen. Komplett unwirtschaftliche Ausbaugebiete werden aber weiterhin auf Fördermaßnahmen angewiesen sein. An diesen wird sich das neugegründete Unternehmen aus kartellrechtlichen Gründen nicht beteiligen.
Open Access-Ansatz vorgelebt
Glasfaser Nordwest wird allen interessierten Telekommunikationsunternehmen Glasfaser zu üblichen und diskriminierungsfreien kommerziellen Bedingungen zur Verfügung stellen. 2020 sollen die ersten Kunden im Ausbaugebiet die neuen Glasfaseranschlüsse nutzen können. Das Gemeinschaftsunternehmen wird dabei keine Telekommunikationsdienste direkt an Endkunden vermarkten. Ihr Auftrag ist es, EWE, Telekom und anderen Telekommunikationsunternehmen wettbewerbsoffen Glasfaserzugänge anzubieten.
In den ersten beiden Jahren werden die auszubauenden Gebiete vorab festgelegt. Die beiden Mutterunternehmen Telekom und EWE bauen aus. Im Anschluss vergibt Glasfaser Nordwest die Ausbaugebiete in einem wettbewerbsoffenen Auswahlverfahren – auch an Dritte. Wettbewerbsoffen bedeutet, dass Glasfaser Nordwest sich für das beste Angebot zum Infrastrukturausbau entscheidet. (gun)



