Bayern hat in den vergangenen Jahren im Breitbandausbau Fahrt aufgenommen und rund 53.000 Kilometer Glasfaserleitungen verlegt. Als Ziel sollten die Haushalte mindestens 30 Megabits pro Sekunde (Mbit/s) erhalten. Zusätzlich schuf der Freistaat den "Höfebonus", um abgelegene Gast- oder Bauernhöfe an das Glasfasernetz anzuschließen.
Aber die bayerische Regierung stockte noch einmal auf und entwarf ein Glasfaserförderkonzept. Es ist die erste Region in Europa, der es von der Europäischen Union gestattet ist, den Ausbau auch dort zu bezuschussen, wo schon mehr als 30 Mbit/s verfügbar sind. Die Grünen im Landtag kritisieren, dass geförderte 30- bis 50-Mbit-Anschlüsse erneut mit Steuergeldern subventioniert und auf mehr als 100 Mbit aufgerüstet werden.
Neue Probleme mit der neuen Förderung
Bayerns neue Gigabitrichtlinie ist im März in Kraft getreten. Mit einem ambitionierten Zeitplan: Bis zum Jahr 2025 sollen Gigabitanschlüsse im Freistaat flächendeckend zur Verfügung stehen und Glasfasern in jedes Haus bringen. Doch die neue Richtlinie und neue Förderung birgt neue Herausforderungen.
Dies lässt sich exemplarisch an der knapp 4000-Seelen-Gemeinde Sailauf zeigen: Im Ortskern surft man auf Kupferleitungen der Telekom mit 50 Mbit/s und möchte zulegen. Das Gewerbegebiet, in dem auch ein internationaler Automobilzulieferer sitzt, habe die Ortschaft schon längst abgehängt und eigens ausgebaut. Wie mittlerweile alle bayerischen Gemeinden hat auch Sailauf eine "Auffahrt auf die Datenautobahn", wie es die Regierung formuliert. Man könnte also losgehen.
Provider hatte an Ausbau kein Interesse
Doch der Provider habe kein Interesse gehabt, die Glasfaserleitungen in der Gemeinde auszubauen, sagt Bürgermeister Michael Dümig. "In Bayern haben wir Gemeinden, die 30 bis 40 Anschlüsse ausschreiben - das ist natürlich weniger attraktiv", sagt Stefan Graf vom Bayerischen Gemeindetag.
Es gibt bundesweit attraktivere Projekte für Telekommunikationsanbieter, denn diese sind derzeit sehr gefragt und können sich aussuchen, wo sie Angebote machen. Oft werden diese auch noch gefördert.
Weitere Herausforderungen beim Glasfaserausbau
Fehlende Anbieter sind nicht das einzige Problem. Beim Ausbau werden oft Subunternehmen aus dem europäischen Ausland eingesetzt. Viele bayerische Kommunen beklagten Verständigungsprobleme, nicht eingehaltene Fristen oder Probleme bei der Qualitätssicherung, sagt Graf vom Bayerischen Gemeindetag.
Auch die Straßen wurden in der Vergangenheit manchmal "ziemlich grausam" hinterlassen, wenn Unternehmen nach der Verlegung wieder abziehen, erzählt Graf. Nicht selten blieben sie aufgerissen und würden nicht ordnungsgemäß verschlossen. "Viele Gemeinden übernehmen nun freiwillig die Bauüberwachung und tragen die Kosten dafür selbst." (gun/dpa)



