Frau Urbaczka, TransnetBW hat macht derzeit mit der App StromGedacht von sich reden. Wie entstand überhaupt die Idee dazu und was erhoffen Sie sich von der App?
Die Idee zu der App ist bereits im Herbst 2021 im Innovationsprozess von TransnetBW entstanden. Im Herbst war das Produkt fertig. Wir wollen damit für das Thema Strom sensibilisieren und aufzeigen, dass alle einen Beitrag leisten können. Und das nicht erst, wenn es eng werden sollte im Netz, sondern schon vorher: weil wir durch weniger Redispatch entweder CO2 oder Geld sparen können.
Wie viele Menschen nutzen die App und wie viele davon reduzieren dann wirklich den Strom nach Aufforderung?
Derzeit haben wir rund 100.000 Nutzende. Leider können wir nicht sagen, wie viele Menschen sich beteiligt haben. Wenn alle mitgemacht hätten und jeweils ein Kilowatt – durchschnittlich ein Waschmaschinen- oder Spülmaschinen-Durchgang – gespart hätten, hätten wir bis zu 100 MW weniger Redispatch gebraucht.
Was für Reaktionen erhalten Sie aus Kundschaft und Branche? Wie gehen Sie damit um, dass die Kunden einen Blackout befürchten, wenn die Ampel auf rot springt?
Wir lernen noch und nehmen die Anregungen der Öffentlichkeit gerne auf. Wir werden in einer nächsten Version eine zusätzliche Farbe einführen. In unserer Ampel-Logik stehen die Farben für Handlungsempfehlungen – Rot für „Strom sparen“. Sie stehen nicht für den Zustand im Netz. Das werden wir klarer machen.
Hatte das Nutzerverhalten eine positive Auswirkung bei dem Stromengpass in Baden-Württemberg. Wurde der Engpass damit evtl ein wenig abgefedert?
Leider haben wir noch keinen Effekt gesehen. Aber wir hoffen auf mehr Downloads und mehr Mitstreitende. Das kann uns helfen.
Wie viel Redispatchmaßnahmen haben sie in etwa im Jahr und mit was rechnen sie künftig? Könnte die App hier eine Reduktion versprechen?
Redispatch gehört inzwischen fast zum Tagesgeschäft in der Systemführung. Will sagen: Stabilisierende Maßnahmen starten wir an der Mehrheit der Tage im Jahr. Aber das passiert natürlich selten in dieser Größenordnung – doch wenn in Deutschland fast 50 Gigawatt Windeinspeisung gemessen wird, ist das ja auch nicht alltäglich.
Was ist als nächstes geplant?
Wir werden die App weiter anpassen. Als nächstes wünschen wir uns einen Button „Klar, ich mache mit!“. (sg)



