„Wer sich mit ChatGPT beschäftigt kann sehen, wie sich die gesamte Arbeitsweise verändert. Man wird effizienter, weil die generative KI unglaublich viel Arbeit abnimmt.“

„Wer sich mit ChatGPT beschäftigt kann sehen, wie sich die gesamte Arbeitsweise verändert. Man wird effizienter, weil die generative KI unglaublich viel Arbeit abnimmt.“

Bild: © putilov denis/AdobeStock

In ihrer Serie „KI bei Energieversorgern“ hat die ZfK bei verschiedenen Versorgern nachgefragt, wie sie Künstliche Intelligenz bei sich einsetzen. Welche Fortschritte sie erzielen konnten und wo es noch Hürden gibt. Heute: die Stadtwerke Karlsruhe.

„Wir beschäftigen uns im Innovationsmanagement intensiv mit generativer KI und fangen auch an, uns mit diskriminativer KI, also klassischer KI zum Beispiel für Verbrauchsprognosen, zu beschäftigen", heißt es auf Anfrage. In diesem Innovationsmanagement kommen laut den Stadtwerken Karlsruhe einige Tools zum Einsatz, die in anderen Unternehmensbereichen noch nicht verbreitet sind. In diese Extra-Tools integriere man nach und nach Funktionen, die KI nutzen.

Teilweise hoher Aufwand

Zum Beispiel gebe es Buttons, die es erlauben, markierten Text zusammenfassen zu lassen oder bei der Bildbearbeitung den Hintergrund eines Bildes einfach zu entfernen. Das erleichtert es Mitarbeitern ohne spezielle Kenntnisse in Photoshop, selbstständig Bilder zu bearbeiten.

Was die internen Entwicklungen im Bereich KI angeht, so gebe es durchaus Projekte, die aufgrund der stellenweise aufzuarbeitenden Datenqualität einen hohen Aufwand erfordern. „Diese sind langfristig angelegt und selbst wenn sie kurzfristig noch keine sichtbaren Ergebnisse liefern, ist die Investition zukunftsträchtig“, so die Karlsruher.

„Sobald sie etabliert sind, werden sie automatisch neue Informationen aufnehmen und dadurch beispielsweise die Prognosefähigkeit oder die Segmentierung von Kundengruppen vereinfachen und beschleunigen bzw. automatisieren.“

Aktueller Einfluss von KI

Direkt spürbar sei der Einsatz von KI bei den Stadtwerken momentan noch nicht. „Das liegt daran, dass wir als Versorger mit kritischer Infrastruktur spezielle Herausforderungen in Sachen Informationssicherheit haben.“ Neue, bahnbrechende Entwicklungen wie generative KI könne man nicht einfach so übernehmen und implementieren. Und weiter: „Das wird ein langer Weg, bis wir einen Anbieter finden, der unseren hohen Ansprüchen gerecht wird.“

KI findet ihren Weg

Die Einführung der KI wird nach Einschätzung der Stadtwerke Karlsruhe zwar langsamer vorangehen, „aber wir sind überzeugt, dass sie ihren Weg in die Versorgungsunternehmen finden wird.“

Im Innovationsmanagement gebe es etwas mehr Freiheiten und dort wird tatsächlich täglich ChatGPT genutzt „Wer sich damit beschäftigt, kann sehen, wie sich die gesamte Arbeitsweise verändert. Man wird effizienter, weil die generative KI unglaublich viel Arbeit abnimmt.“
 
Natürlich sei es das Ziel im Innovationsmanagement, diese Fortschritte auch in das gesamte Unternehmen zu tragen und allen Mitarbeitern die Vorteile von generativer KI zu ermöglichen. Viele Mitarbeiter nutzen bereits privat ChatGPT und bringen diese Erfahrungen wahrscheinlich auch ins Unternehmen ein.

Zum Beispiel, wenn es darum geht, eine komplexe E-Mail zu schreiben, ist es viel einfacher, sich erstmal einen Entwurf von ChatGPT erstellen zu lassen und diesen dann für die spezifische Situation anzupassen.

Hindernisse

Durchaus gebe es auch bei den Mitarbeitern auch Vorbehalte gegenüber KI. "Wir stoßen immer wieder auf Skepsis gegenüber Veränderungen. Zugleich höre man in Gesprächen oft, dass die Kolleginnen und Kollegen sich eine bessere Integration von KI in ihre alltägliche Arbeit wünschen.

"Nehmen wir das Beispiel mit den E-Mails: Für einige ist es einfacher, solche E-Mails selbst zu schreiben und sie sehen keinen großen Vorteil darin, wenn eine KI dies für sie erledigt. Außerdem sind manche von den aktuellen Möglichkeiten der KI enttäuscht, weil sie sich mehr Tiefe oder spezifischere Funktionen wünschen", schreiben die Stadtwerke Karlsruhe weiter. Zum Beispiel die automatische Erstellung von Powerpoint-Präsentationen, was prinzipiell mit KI möglich ist. Aber momentan werden da nur Inhalte oder Strukturen vorgeschlagen, nicht die komplette Präsentation erstellt.

Bessere Implementierung gewünscht

Ein weiteres Problem sei, dass viele Mitarbeiter eine schnellere und nahtlosere Implementierung in ihre täglichen Arbeitsabläufe wünschen. Es ist ein Vorbehalt, wenn man ihnen nur eine Übergangslösung anbieten kann, die vielleicht nur 10-15 Minuten Zeit spart. Sie möchten etwas, das sofort und effektiver in ihren Workflow integriert werden kann.

Grundsätzliche Bedenken gibt es auch im Hinblick auf Datenschutz und Informationssicherheit sowie die Verlässlichkeit der Informationen, die eine Anwendung wie ChatGPT zur Verfügung stellt (Gefahr der „Halluzination“ der KI). Hier bedarf es zukünftig verstärkt Schulungs- und Informationsangebote.

KI als Gamechanger?

KI sehe man definitiv als einen Gamechanger. Eines der Hauptprobleme momentan sei, dass, obwohl KI einen hohen Impact hat, sie noch nicht vollständig in die Anwendungsbereiche diffundiert ist. Sie ist noch nicht vollständig auf diese Bereiche zugeschnitten, was zu Herausforderungen im operativen Geschäft führe, erklären die Stadtwerke Karlsruhe.

Aber im Vergleich zur Blockchain, habe generative KI viel weniger Probleme bei der Anwendungsfindung. Einer der Gründe ist die einfachere Benutzerführung. Ein Chat-Fenster beispielsweise ist viel zugänglicher als die komplexeren und schwerer zu integrierenden Blockchain-Technologien die unter anderem noch zusätzliche Hardware benötigen.

Einsatzmöglichkeiten

"Generative KI wird in zahlreichen Bereichen Anwendung finden, sei es im Kundenservice zur Bearbeitung standardmäßiger Anfragen oder im Marketing, um Bilder zu generieren oder Texte für spezifische Zielgruppen anzupassen. Dies wird auf lange Sicht das Unternehmen definitiv unterstützen und zu viel Veränderung führen. Allerdings wird es auch eine Weile dauern, bis sich diese Veränderungen vollständig implementiert haben", so die Prognose der Karlsruher.
 
Der Grund dafür liege in der Komplexität des Systems hinter der KI. Oft ist das System sogar für die Entwickler schwer zu durchschauen. Deshalb dauert es eine Weile, bis KI wirklich in den gewünschten Anwendungsbereichen Fuß fasst.

Ein gutes Beispiel ist die E-Mail-Automation. "Stellen wir uns vor, Sie beginnen eine E-Mail zu schreiben und bekommen sofort passende Vorschläge, basierend auf früheren E-Mails. Das wäre viel intuitiver und näher an den täglichen Arbeitsabläufen als das aktuelle ChatGPT-Modell in einem externen Chatfenster."

Ausblick

In den nächsten fünf Jahren sehen die Stadtwerke Karlsruhe enorme Zukunftschancen für KI. "Künstliche Intelligenz wird besonders in Prozessen, die traditionell ausgeführt werden und wo sie bisher kaum eine Rolle spielte, immer wichtiger. Besonders generative KI, die sich von der klassischen KI durch ihre Fähigkeit zur Textverarbeitung und -generierung unterscheidet, wird eine große Rolle spielen, da viele Unternehmensprozesse auf textbasierter Informationsverarbeitung aufbauen."
 
Generative KI biete neue Möglichkeiten etwa in der Kategorisierung, im Clustering und in der Zusammenfassung von Inhalten. "Das ist besonders wichtig, um Menschen in Zeiten des Fachkräftemangels zu entlasten. Das menschliche Gehirn hat eine Grenze in der Informationsaufnahme, und generative KI kann uns helfen, Informationen effizienter zu verarbeiten."

Kundenservice und Marketing

Im technischen Tagesgeschäft, wie etwa dem Aushub von Erde, werde KI in naher Zukunft hingegen wahrscheinlich keine große Rolle spielen. Die größten Veränderungen sehen wir auf administrativer Ebene, in der Planung, Koordination und Kommunikation, sowie in Bereichen wie Marketing und Kundenservice.

Gerade im Kontext erneuerbarer Energien und neuer gesetzlicher Vorgaben im Energiebereich werde der Kundenservice durch KI enorm profitieren, um die steigende Nachfrage zu bewältigen. Telefon-KI könnte hier beispielsweise Kundenanfragen effizienter bearbeiten.

Auch im Marketing werde KI hilfreich sein, um Inhalte für Social Media und Webseiten zu generieren. "Darüber hinaus sehen wir große Chancen für die interne Kommunikation im Unternehmen, beispielsweise durch Tools wie Microsofts Copilot in Verbindung mit der MS 365-Welt. Das könnte die Produktivität innerhalb des Unternehmens deutlich steigern." (sg)

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