In einem finalen Schritt kurz vor dem erfolgreichen Projektabschluss diesen Februar erproben die Stadtwerke Saarlouis aktuell als Mitglied eines hochkarätig besetzten Forschungskonsortiums in Feldtests Praxistauglichkeit und Marktreife der erzielten wissenschaftlichen Ergebnisse an zwei realen Haushalten in ihrem Netzgebiet.
Es handelt sich dabei um ein vom Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz (BMWK) geförderte F&E-Projekt, das laut den Projektteilnehmern großes Potenzial besitzt, Stromnetze in der Niederspannung mit Intelligenz schneller fit für die Energiewende zu machen.
Hintergrund
FlexChain zielt darauf ab, eine netz- und marktdienlich orientierte Handelsplattform zu etablieren, über die Verteilnetzbetreiber potenzielle Flexibilitäten von Haushalten „einkaufen“ können, um künftig drohende Netzengpässe intelligent zu entschärfen. Hier ist es dem Konsortium, zu dem neben den Stadtwerken Saarlouis auch das August-Wilhelm Scheer Institut und die Hager Group sowie die Vivavis AG und Oli System GmbH gehören, gelungen, ein einfach handhabbares und dezentral organisiertes IKT-Handelssystem zu schaffen.
Das Prinzip FlexChain
Das Prinzip FlexChain funktioniert in Anlehnung an den Charakter der Novelle des § 14a EnWG wie folgt: Prognostiziert ein Netzbetreiber in einem bestimmten Abschnitt einen Engpass, fragt das System vollautomatisch einen dort angeschlossen Haushalt, der sich an FlexChain beteiligt, nach dessen Flexibilitätspotenzial in dem fraglichen Zeitraum an.
Pro Haushalt bestimmt ein eigenes Energiemanagementsystem (EMS), über das Netzbetreiber gleichzeitig die infrage kommenden elektrischen Verbraucher ansteuern können, die Gesamtflexibilität. Dabei werden zunächst steuerbare Verbrauchseinrichtungen wie Wallboxen und Wärmepumpen, Stromspeicher und Kälteanlagen berücksichtigt. Die Reaktion des angefragten Haushalts, etwa eine potenzielle Einwilligung, erfolgt ebenso vollautomatisch auf der Grundlage im Vorfeld vereinbarter Vertragsdetails.
Blockchain-Technologie
Mit Hilfe des eingesetzten Energiemanagement- und Handelssystems funktioniert FlexChain, sowohl was den technischen Eingriff via Fernsteuerung an sich als auch die anschließende Abrechnung der vereinbarten Vergütung des jeweiligen Haushalts angeht, vollautomatisch.
Das steigert bei Kunden insofern die Akzeptanz an einer Beteiligung, als damit Komforteinbußen für Haushalte fast zur Gänze vermieden werden. Bei Transaktionen dieser Art, an der eine Vielzahl an Teilnehmern involviert ist, bei dezentralem Handel, hat sich die Blockchain-Technologie wie auch in diesem Fall als Mittel der Wahl etabliert.
Sie gilt als einfach und effizient und hat das Potenzial, die Transaktionskosten erheblich zu senken. Dank intelligenter Handelsalgorithmen können sowohl für die Verteilnetze als auch die Haushalte in technischer wie in ökonomischer Hinsicht optimale Ergebnisse erzielt werden.
Feldtests und Ausblick
Die Stadtwerke Saarlouis bringen über ihre langjährige Fachexpertise im Bereich von wissenschaftlichen Initiativen als Netzbetreiber und Energievertrieb (Stadtwerke Saarlouis GmbH) wichtiges Know-how in das Forschungsprojekt mit ein. Als ein möglicher FlexChain-Kunde von morgen erprobt Saarlouis gemeinsam mit den beiden realen Haushalten derzeit innerhalb der laufenden Feldtests die gesamten Kommunikationsflüsse in der Praxis und evaluiert darüber hinaus unterschiedliche Handelsstrategien.
Demnach gilt es für FlexChain auf seinem Weg zur Marktreife zeitnah noch Antworten auf zentrale Fragen zu finden. Neben der Kundenakquise sind dies gemeinsame Standards für das EMS und die Kommunikation zwischen Netzen und den Haushalten sowie alle Aspekte rund um Netz-Monitoring und das Thema Prognosen. Allesamt identische Aufgaben, die es – bis auf Kundenakquise – analog auch im Zusammenhang mit der Anfang Januar dieses Jahres in Kraft getretenen Novelle des § 14a EnWG noch zu lösen gilt. (sg)



