Dirk Stüdemann, Jahrgang 1966, ist seit 1. Juni 2018 Vorstandsmitglied der EWR AG. In dieser Funktion verantwortet er die Bereiche Finanzen & Controlling sowie die Tochterunternehmen EWR Netz GmbH und die für erneuerbare Energien zuständige PIONEXT GmbH. Vor seinem Start bei der EWR AG leitete Stüdemann den Bereich „Controlling/Regulierung Grid & Infrastructure“ und verantwortete das Netzservice-Geschäft der innogy SE. Davor war er als Vice President und Executive Partner in unterschiedlichen Bereichen bei RWE aktiv.

Dirk Stüdemann, Jahrgang 1966, ist seit 1. Juni 2018 Vorstandsmitglied der EWR AG. In dieser Funktion verantwortet er die Bereiche Finanzen & Controlling sowie die Tochterunternehmen EWR Netz GmbH und die für erneuerbare Energien zuständige PIONEXT GmbH. Vor seinem Start bei der EWR AG leitete Stüdemann den Bereich „Controlling/Regulierung Grid & Infrastructure“ und verantwortete das Netzservice-Geschäft der innogy SE. Davor war er als Vice President und Executive Partner in unterschiedlichen Bereichen bei RWE aktiv.

Bild: © EWR AG

Herr Stüdemann, EWR beginnt früh mit dem Rollout intelligenter Messsysteme. Was ist hier der Grund und welche Erfahrungen haben Sie mit den Geräten bisher gesammelt?
Der Anteil von erneuerbaren Energien an der Stromerzeugung steigt stetig – das stellt uns vor neue Herausforderungen. Es wird immer wichtiger, die Erzeugung und den Verbrauch von Strom optimal miteinander zu verknüpfen. Der Einsatz von intelligenten Messsystemen erfüllt hier eine wichtige Steuerungsfunktion. Zudem wollen wir die gesetzliche Anforderung einer Mindesteinbauquote von zehn Prozent bis Februar 2023 schnellstmöglich erfüllen. Das entspricht rund 3600 intelligenten Messsystemen. Bis spätestens 2028 folgen weitere 36.000 und bis 2032 werden über 196.000 intelligente Messeinrichtungen in unserem Netzgebiet installiert sein.

Wir wollen hier ein Vorreiter sein und unseren Kunden heute die Technologie von morgen liefern. Deshalb analysieren und optimieren wir aktuell alle Prozesse, schulen unsere Mitarbeiter und schaffen so die Voraussetzung, unsere Kunden bei der Einführung und Anwendung dieser neuen Technologie bestmöglich begleiten zu können.

Wie ist Ihre Strategie beim Rollout der intelligenten Messsysteme?
Unser mittelfristiges Ziel ist es, in 128 Städten und Gemeinden in unserem Versorgungsgebiet über 36.000 Gateways zu installieren. Dazu haben wir unser Netzgebiet entsprechend geclustert, um den Rollout möglichst effektiv voranzutreiben. Unsere Prozesse optimieren wir zurzeit speziell für den Ausbau der Gateways der Power Plus Communikations AG (PPC). Wir schließen aber die Installation von Geräten anderer Hersteller nicht aus und tauschen uns auch mit anderen Unternehmen über ihre Erfahrungen mit intelligenten Messsystemen aus.

Wie bewerten Sie die Sichere Lieferkette (SiLKe)?
Die Anforderungen an die Lieferkette von Gateways sind enorm, denn sie muss hochsicher und logistisch handhabbar sein. Jegliche Manipulation an den Geräten muss ausgeschlossen werden können. Deshalb installieren wir aktuell nur Gateways von PPC, die eine sichere Lieferkette mit dem Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik abgestimmt haben. Aber natürlich stehen wir im ständigen Austausch mit unseren Partnern und Anteilseignern sowie anderen Herstellern, um den Anforderungen einer sicheren Lieferkette zu entsprechen.

Sie entwickeln mit Partnern im Bezug auf die intelligenten Messsyteme eigene Services. Könnten Sie uns genauer schildern, was das für Services sind?
Das Gateway selbst liefert im Wesentlichen eine hochgesicherte Kommunikationsschnittstelle. Wenn hier von Services die Rede ist, dann eher in Bezug die IT-Systeme im Backend und die bereitgestellten Informationen. Dabei denken wir insbesondere an Dienstleistungen für Kommunen, Wohnungswirtschaft und den Endverbraucher. So kann der Netzanschlussnehmer einer Fotovoltaikanlage zum Beispiel während seines Urlaubes Strom an seinen Nachbarn verkaufen, damit dieser sein Elektroauto laden kann. Wir stellen uns auch vor, dass der Kunde zukünftig via Push-Nachricht eine Mitteilung bekommt, wenn er zu besonders günstigen Konditionen Strom beziehen kann. Er wird sozusagen zu einem selbstständigen Energiemanager.

Durch die Echtzeitübertragung der Daten kann nicht nur der eigene Energieverbrauch rund um die Uhr überwacht werden, auch die Vergleichbarkeit verschiedener Verbrauchsperioden wird dadurch ermöglicht. Die intelligente Technik zeigt, wie viel verbraucht wird – aber auch welche Geräte die größten Stromfresser im Haushalt sind. So werden Einsparpotentiale ganz einfach sichtbar.

Ein weiterer geplanter Service ist das vereinfachte Störungsmanagement: Dank der digitalen Überwachung können Probleme in der Versorgung frühzeitig erkannt und Entstörungsprozesse schneller angestoßen werden. Im Störfall können wir als Partner also schneller zur Seite stehen. Solche Services sind aber aktuell in einem frühen Entwicklungsstadium und müssen noch reifen. Unser Ziel ist es dabei, diese gemeinsam mit unseren Partnern im Sinne unserer Kunden zu gestalten.

Die Fragen stellte Stephanie Gust

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