Die lokale Grünstrom-Vermarktungsplattform "Talmarkt" stellt die Wuppertaler Stadtwerke (WSW) offenbar so zufrieden, dass sie im kommenden Januar mit einer Version 2.0 in den Markt gehen und im Laufe des ersten Quartals 2019 das Konzept bundesweit ausrollen wollen. Dies kündigte Elmar Thyen, Leiter Konzernkommunikation und strategisches Marketing bei den WSW, am Mittwoch auf dem Deutschen Energiekongress in München an. Bisher hatten die Wuppertaler eine Expansion nach außen nur in Erwägung gezogen.
Beim "Talmarkt" können sich Endkunden ihren Strommix aus den darauf angebotenen Erneuerbare-Energien-Anlagen aus Wuppertal – perspektivisch aus dem ganzen Bergischen Land – selbst zusammenstellen. Nur die nicht davon abgedeckte Reststrommenge (Residuallast) liefern die WSW, natürlich ebenfalls Grünstrom.
Warum diese Blockchain nicht so viel Strom verbraucht
Thyen begründete die Entscheidung mit "extrem vielen Anfragen von außerhalb" des Bergischen Landes. Das Marktpotenzial in Wuppertal liege bei 10 Prozent des Ökostrommarktes, bundesweit bei 10 bis 20 Prozent. Auf Nachfrage der ZfK nannte der Kommunikationschef eine "dreistellige" Kundenanzahl. Davon sei ein Teil von anderen (Grün-)Stromversorgern zum "Talmarkt" gewechselt.
Die Plattform beruht auf dem White Label eines Start-ups innerhalb des Schweizer Axpo-Konzerns. Ihre Verifizierungs- und Dokumentationsprozesse zur anlagenscharfen Grünstromqualität werden in eine Blockchain geschrieben. In eine private Blockchain mit nur vier, fünf Peers, betonte Elmar Thyen. Bei einer öffentlichen Peer-to-peer-Blockchain wäre der Stromverbrauch hierfür schon zu hoch, und, so darf man ergänzen, jeder Endkunde müsste teure Mining-Kapazitäten einkaufen, die in keinem Verhältnis zu den geringen Umsätzen stünden.
Die "Dinosaurier" von der IT
Thyen ist es "wichtig", die dezentrale Transaktionsregister-Technologie Blockchain zu "entmystifizieren". An den vorhandenen EDV-Abteilungen von Stadtwerken und Energieversorgern übte er Kritik: "Unsere ITs sind Stadtwerke-Dinosaurier!", sagte der Kommunikationschef. Sie fixierten sich auf "Prozesssicherheit, Prozesssicherheit, Prozesssicherheit", und aus diesem Grunde dauere die Time to market, die Zeit, bis eine Produktidee marktreif wird, Jahre statt Wochen. Energieversorger "hinken" IT-mäßig im Schnitt fünf Jahre hinter anderen Branchen "hinterher, auch in ihren Online-Shops". Deswegen "brauchen wir Kooperationen", so Thyen. Im Falle der WSW eben mit dem Start-up von Axpo.
Einen bundesweiten anlagenscharfen Grünstromanbieter gibt es seit Ende 2017 in Enyway. Dies ist eine Gründung des ehemaligen Lichtblick-Vorstandes Heiko von Tschischwitz (siehe gedruckte ZfK Dezember 2017, Seiten 9 und 10. (geo)



