Wasserstoff gilt als wichtiger Baustein für den klimaneutralen Umbau der Wirtschaft.

Wasserstoff gilt als wichtiger Baustein für den klimaneutralen Umbau der Wirtschaft.

Bild: © Adobe Stock/malp

Der Hochlauf der Wasserstoffwirtschaft in Deutschland kommt nicht schnell genug voran. Das geht aus der nunmehr dritten H2-Bilanz hervor, die Eon am Mittwoch in einer Online-Pressekonferenz vorgestellt hat. Die Analyse basiert auf Daten des Energiewirtschaftlichen Instituts an der Universität zu Köln (EWI).

EWI-Manager Tobias Sprenger sprach von einer grundsätzlich positiven Entwicklung beim Wasserstoff. So sei die bis 2030 geplante Wasserstoff-Erzeugungsleistung von 8,1 Gigawatt im Februar 2023 auf 8,7 Gigawatt im August 2023 gestiegen. Allerdings sei der Anstieg bei weitem nicht so stark wie in den Monaten von Juli 2022 bis Februar 2023. Das Ziel der Bundesregierung in der nationalen Wasserstoffstrategie ist es, bis 2030 mindestens 10 Gigawatt Elektrolyseleistung in Deutschland installiert zu haben. Von diesem Ziel sei man noch sehr weit entfernt. Es gebe zwar eine Vielzahl geplanter Wasserstoffprojekte – bis 2030 sind nach EWI-Angaben 111 neue Vorhaben mit einer Gesamtleistung von 8712 Megawatt geplant -, aber auf der realen Ebene passiert laut Tobias Sprenger noch viel zu wenig. „Bei vielen dieser Projekte gibt es noch keine finale Investitionsentscheidung“, betonte er.

Ambitionierte Pläne beim Ausbau der Infrastruktur

Bewegung gibt es bei den Forschern immerhin bei der Wasserstoffinfrastruktur. Aktuell in Betrieb seien Wasserstoffleitungen mit einer Länge von 420 Kilometern. Positiv bewertet Sprenger die jüngst vorgestellten Pläne für ein Wasserstoffnetz, dessen geplante Länge sich fast verdoppelt habe: Bis 2035 ist der Bau von 5708 Kilometern Wasserstoffleitungen angekündigt, im Februar dieses Jahres waren es lediglich 2813 Kilometer.

Christoph Gatzen, Director im Kölner Büro von Frontier Economics, betonte, dass die Energiewende ohne Wasserstoff nicht gelingen werde. Er werde unter anderem für Hochtemperaturanwendungen gebraucht, aber auch als Back-up für die Stromerzeugung sowie als Speicher- und Transportmedium. „Deutschland hat ambitionierte Ziele, aber das Problem ist, dass Anspruch und Realität weit auseinanderklaffen.“ Als Problem benannte Gatzen vor allem den „Kostengap“. Grüner Wasserstoff sei nach wie vor deutlich teurer als Erdgas. Da das vorerst auch so bleiben werde, brauche es ein gutes, passgenaues Fördersystem. Dieses sei allerdings nicht erkennbar. „Die aktuell vorhandenen Instrumente sind oft zu komplex, aber auch zu beschränkt“, kritisierte Gatzen. Ein Hemmschuh sei auch, dass man – etwa bei H2Global – Lieferrisiken auf die Verbraucher abwälze. Insgesamt gebe es zwar viele sektorale Förderansätze, aber kein überzeugendes ganzheitliches Konzept. Gatzens Fazit: „Wir können uns nicht auf Preissignale aus Emissionshandelssystemen verlassen, sondern brauchen eine gezielte, direkte Förderung.“

Förderinstrumente unter die Lupe genommen

Frontier Economics hat im Auftrag von Eon untersucht, welche Optionen es gibt, um den Wasserstoffhochlauf in Deutschland zu beschleunigen. Im Fokus der Studie stehen fünf Instrumente auf Produktions- oder Nachfrageseite. Eine Grüngasquote, Carbon Contracts for Difference (beispielsweise Klimaschutzverträge), feste Prämien, variable Prämien für die Grüngaserzeugung und Steuervergünstigungen. Wie Gatzen erläuterte, haben alle Instrumente Vor-, aber auch Nachteile. Für eine Grüngasquote spreche beispielsweise, dass sie ohne den Einsatz von direkten öffentlichen Mitteln umgesetzt werden könne und einen verlässlich planbaren Hochlauf von grünen Gasen ermögliche. Eine Grüngasquote wäre zudem ein konkretes politisches Signal für die Zukunft grüner Gase als sinnvolle Ergänzung zur Elektrifizierung, so die Studie.

Allerdings schaffe die Grüngasquote lediglich eine relative Mengensicherheit für grüne Gase, orientiert am gesamten Gasabsatz. Dies gelte insbesondere für grünen Wasserstoff. Außerdem würde eine Quote für die Verpflichteten das Risiko mit sich bringen, nicht ausreichend Wasserstoff beschaffen zu können. Generell wäre die Einführung einer Grüngasquote – wie andere Instrumente auch – mit Mehrkosten verbunden. Das Instrument sollte daher aus Sicht von Eon zunächst behutsam eingesetzt werden, um die finanziellen Belastungen und Risiken zu minimieren und die Akzeptanz zu fördern. Es müsse bei der Förderung des Wasserstoffhochlaufs allgemein darum gehen, die Kosten zu senken, Koordinierungslücken zu schließen und Risiken für Erzeuger und Verbraucher von Wasserstoff zu minimieren, fasste Gatzen zusammen.

Urteil aus Karlsruhe bereitet Kopfzerbrechen

Besorgt zeigte sich Gabriël Clemens, Managing Director von Eon Hydrogen, über das Karlsruher Urteil zum zweiten Nachtragshaushalt 2021. Er hoffe, dass die Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts keine Auswirkungen auf den Ausbau des Wasserstoffkernnetzes und die Förderung der diversen Projekte haben werde. „Sonst bremsen wir den Wasserstoffhochlauf aus, ehe er richtig begonnen hat.“  (amo)

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