Ohne Wasserstoff keine Energiewende – und auch keine Klimaneutralität. Allerdings steht die Finanzierung der meisten Produktionsanlagen hierzulande auf wackligen Füßen, wie Daten der bundeseigenen Deutschen Energieagentur (Dena) zeigen. Mit hoher Wahrscheinlichkeit gesichert bis 2036 ist sie demnach für nur 2400 MW Elektrolysekapazität.
Dass die Wasserstoffwirtschaft in Deutschland erst im Aufbau ist, hat seinen Preis: Nicht nur warnte der Bundesrechnungshof kürzlich vor "Milliardenrisiken" für die Steuerzahlerinnen und -zahler – angesichts eines stockenden Hochlaufs trotz staatlicher Förderung.
Zudem ist offen, wann und ob die heimischen Erzeugungskosten auf ein weltweit konkurrenzfähiges Niveau sinken. Je nach Datenquelle liegen sie für grünen Wasserstoff aktuell bei durchschnittlich mindestens 7,50 Euro pro Kilogramm (kg). Aus China, das die Technologie massiv fördert, kommen dagegen heute schon Meldungen von Preisen um 3 Euro/kg.
Dringende Kurskorrektur gefordert
Stakeholder werden darum nicht müde, die Bundesregierung mit Nachdruck zu einer Kurskorrektur bei der Förderung aufzufordern. Anstatt die Investition zu stützen, sollte vor allem der Betrieb der Elektrolyseanlagen gefördert werden, ist aus der Branche zu hören.
Weil der Hochlauf stockt, warnt der DVGW bei einem "Weiter so" gar vor einer "fossilen Lücke" von bis zu 1000 Terawattstunden im Jahr 2045. Auch die Energieminister der Bundesländer rückten auf ihrer Konferenz im Dezember das Thema in den Fokus. Eine ihrer Forderungen an den Bund ist eine längere Netzentgeltbefreiung für Elektrolyseure.
Nur 185 Megawatt bislang installiert
Derzeit summiert sich die installierte Elektrolysekapazität auf 185 Megawatt (MW). Das Regierungsziel lautet bekanntlich 10.000 MW im Jahr 2030. Das heißt: In weniger als fünf Jahren müssten dafür noch 9815 MW Elektrolysekapazität in Betrieb genommen werden. Jedoch findet sich dieses Ziel in offiziellen Äußerungen des Bundeswirtschaftsministeriums immer seltener wieder.
Der Bund selbst steckt Millionen Euro in den Aufbau einer Wasserstoffwirtschaft. Für die sogenannten Reallabore der Energiewende zum Beispiel sind pro Jahr rund 100 Millionen Euro im Haushalt eingeplant. Zwölf Prozent der Elektrolyseanlagen erhalten laut der Dena Geld aus diesem Topf.
Keine Förderung, kein Wasserstoff
Ohne Fördermittel kommt derzeit fast keine Anlage aus. Lediglich 17 Prozent erhielten zuletzt (2025) gar keine Förderung oder machten auf Anfrage keine Angaben dazu. Der weitaus größere Teil bekommt Gelder. 29 Prozent beziehen etwa staatliche Mittel als Vorhaben von gemeinsamem europäischem Interesse (Important Projects of Common European Interest; IPCEI).
Die Dena rechnet allerdings damit, dass der Anteil geförderter Elektrolyseure in den nächsten Jahren stark abnehmen wird. Bis 2030 könnte der Großteil (71 Prozent) bereits ohne auskommen, so die Prognose. Umgekehrt werde der Förderanteil sinken: beispielsweise auf nur 0,7 Prozent (Reallabore) beziehungsweise 18 Prozent (IPCEI).
Aber wie geht es weiter? Wirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) hatte unlängst angedeutet, auch blauem Wasserstoff eine stärkere Rolle in der Transformation zukommen zu lassen. Dass es außerdem regulatorisch einfacher werden soll, betonte noch im November Bernhard Kluttig, unter anderem zuständiger Abteilungsleiter Wasserstoff im Wirtschaftsministerium.
Dennoch kippt die Stimmung in der Branche, wie eine Umfrage von acht großen Energie- und Wirtschaftsverbänden zeigt. Die Akteure blicken demnach pessimistischer auf den Wasserstoff-Hochlauf als noch vor einem Jahr.
Preis könnte sogar noch steigen
Zugleich könnte das einst als "Champagner der Energiewende" deklarierte Gas sogar erst einmal noch teurer werden. Das Energiewirtschaftliche Institut (EWI) an der Universität zu Köln rechnet mit einem Preisanstieg von annähernd 20 Prozent. Als Grund nennt es Pläne der Europäischen Union, die sogenannten RFNBO (Renewable Fuels of Non-Biological Origin) auszuweiten.
Dennoch prognostiziert die Dena einen Anstieg der Elektrolysekapazitäten auf 12.900 MW bis 2036. In dem – in Hinblick auf das offizielle Ziel – entscheidende Jahr 2030 sollen es 8800 MW sein: also 1200 MW zu wenig.
Aber das ist nicht der größte Haken der Vorhersage. Denn offenbar ist die Finanzierung der meisten angekündigten Projekte nicht gesichert. Wie die Deutsche Energieagentur schätzt, "dürften lediglich zwischen 2400 bis 6600 MW Elektrolysekapazität bis zum Jahr 2030 mit hoher bis mittlerer Wahrscheinlichkeit umgesetzt werden". Auch darüber hinaus sind die Gelder nicht fix, so dass es im schlimmsten Fall bei der genannten Spanne bleiben könnte.
Worst case: 2400 MW bis 2036
Mehr noch: Werden nur diejenigen Projekte gezählt, die entweder mit hoher Wahrscheinlichkeit gebaut werden oder bereits in Bau oder in Betrieb sind, dann würde Deutschland Stand jetzt im Jahr 2036 über lediglich 2400 MW Elektrolysekapazität verfügen.
Der "entscheidender Faktor" sei eine gesicherte Finanzierung, "zumindest für einen erheblichen Teil der Kosten", betont die Dena selbst. Von zentraler Bedeutung sei zudem eine verlässliche Wasserstoffnachfrage über langfristige Abnahmeverträge. Ideal wären Laufzeiten zwischen zehn und 15 Jahren, schreibt die Agentur.
Die Zahlen stammen aus der Projektdatenbank der Dena (Stand: Oktober 2025). Die nach eigenen Angaben umfassende Datenbank werde kontinuierlich aktualisiert. Sie decken sich weitgehend mit einer Erhebung des EWI vom 20. Januar 2026. Auch das Institut kommt darin zu dem Schluss, dass das Ziel von 10.000 MW Elektrolysekapazität bis zum Jahr 2030 "vermutlich verfehlt" werde.


