Der Industriepark Höchst in Frankfurt am Main beherbergt auf 460 Hektar Chemie- und Pharmaunternehmen (Archivfoto von 2014). Er verbraucht jährlich etwa 2 Mrd. kWh Strom, davon ein Viertel der Betreiber Infraserv selbst. Einen Großteil des Eigenverbrauchs erzeugt Infraserv in eigenen Kraftwerken (drei Mal mit Gasturbinen, ein Mal mit Ersatzbrennstoffen und eine Biogasanlage).

Der Industriepark Höchst in Frankfurt am Main beherbergt auf 460 Hektar Chemie- und Pharmaunternehmen (Archivfoto von 2014). Er verbraucht jährlich etwa 2 Mrd. kWh Strom, davon ein Viertel der Betreiber Infraserv selbst. Einen Großteil des Eigenverbrauchs erzeugt Infraserv in eigenen Kraftwerken (drei Mal mit Gasturbinen, ein Mal mit Ersatzbrennstoffen und eine Biogasanlage).

Bild: © Infraserv GmbH & Co. Höchst KG

Die Infraserv Höchst ist der erste unabhängige Kraftwerksbetreiber, der mit einer Autotrading-Software auch außerhalb der Geschäftszeiten am lukrativen Strom-Intradayhandel teilnehmen kann und gleichzeitig Zugang zum beliebten Handelsbildschirm "Easy Commodity Trader" (ECT) von RWE hat. Das geht aus einem Pressegespräch von Infraserv und der IT-Schmiede Procom auf der Messe E-World vom Mittwoch hervor.

Demnach nutzt Infraserv die Autotrading-Software ITA und die neue Plattform "Thedora" der Aachener Procom und damit einen der ersten Services darauf, die Entscheidungen unterstützen sollen: die Anbindung respektive Schnittstelle zum Trading Screen ECT.

"Wir hätten sonst schichten müssen"

Der Industriepark Höchst in Frankfurt am Main beherbergt auf 460 Hektar Chemie- und Pharmaunternehmen. Er verbraucht jährlich etwa 2 Mrd. kWh Strom, davon ein Viertel der Betreiber Infraserv selbst. Einen Großteil des Eigenverbrauchs erzeugt Infraserv in eigenen Kraftwerken. Die Differenz muss im Stromgroßhandel beschafft oder vermarktet werden. Dies tut Infraserv schon seit 2002 aktiv, als der Stromgroßhandel noch jung war, beginnend mit der Risikoabsicherung (Hedging) über den Terminmarkt, dann auch am Day-ahead-Markt und im Regelleistungsmarkt. Alles zusammen ergebe eine dreistellige Anzahl von Handels-Deals pro Tag, so Frank. Die Erlöse im Regelleistungsmarkt sind aber gesunken, und so handelt Infraserv seit etwa einem Jahr im fortlaufenden Intradaymarkt.

In dem Segment ergeben sich besonders lukrative Erlöschancen außerhalb der Geschäftszeiten, also nachts und wochenends. Außerdem dient es dazu, das Subbilanzkonto glattzustellen, um Ausgleichsenergie-Pönalen zu vermeiden. "Wir bräuchten für diese Tätigkeit mindestens fünf Mitarbeiter – im Schichtdienst", sagte Michael Frank, Leiter Commodities & Optimierung bei Infraserv Höchst. "Wir wollten aber keinen personellen Zusatzaufwand betreiben."

"Effekt von 0,5 bis 1,5 Mio. Euro"

Also habe sich Infraserv für den automatischen Handel entschieden, und zwar perspektivisch rund um die Uhr (24/7). Die Software gibt also nach menschlichen Vorgaben automatisch je nach Marktlage Gebote ab oder nimmt Bids oder Asks an. Frank erhofft sich damit Zusatzerlöse und Kostenminderungen zwischen 500.000 und 1,5 Mio. Euro. Mit einem anderen Software-Werkzeug lassen sich Abrufe von Regelenergie durch den Übertragungsnetzbetreiber automatisch annehmen. Infraserv unterhält ein Subbilanzkonto in einem RWE-Bilanzkreis; der Großkonzern macht für den Parkbetreiber auch das Bilanzkreis- und Fahrplanmanagement. Bei einem eigenen virtuellen Energiemengenkonto wäre das Projekt nicht aufwändiger geworden, sagte Lothar Stein von Procom.

Bis Juni laufen der ITA und die ECT-Anbindung noch zur Probe, berichtete Frank. Vom ECT habe man "von Anfang an den Eindruck gehabt: Das ist ein gutes System." Infraserv habe nur wenige Wettbewerber von Procom angeschaut, es vielmehr Procom einfach zugetraut, das Anbindungsprojekt zu stemmen. Die Zwischenbilanz sehe "hervorragend" aus. Für Procom war die Anbindung von Infraserv und von ITA an den RWE-Handelsbildschirm die "zusätzliche Entwicklungskomponente" in dem Projekt. Die kann die IT-Schmiede nun anderswo skalieren.In jedem Fall, so Frank, entwickle die stetige Teilnahme am Intradaymarkt in diesem Jahr noch nicht ihr ganzes Potenzial: An den Gasturbinen-Kraftwerken finden heuer Umbauten statt. (geo)

Die Meldung wurde am 26. Februar 2020 nach Hinweisen von Infraserv im Detail korrigiert. (geo)

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