Balkon-Solaranlagen haben 2023 einen Boom erlebt. Das Solarpaket I soll zudem viele Vereinfachungen für die kleinen Kraftwerke bringen. So soll etwa die Einspeisegrenze der Wechselrichter von 600 auf 800 Watt ansteigen. Doch die Qualität vieler Modelle lässt zu wünschen übrig. Das zeigt eine Untersuchung der Stiftung Warentest in der neuen Mai-Ausgabe der Zeitschrift "test".
Acht Balkonkraftwerke, jeweils bestehend aus zwei Photovoltaik-Modulen und einem Wechselrichter, haben die Warentester dabei im noch auf 600 Watt gedrosselten Betrieb geprüft. In praller Sonne schöpfen demnach alle getesteten Anlagen reichlich Strom. Liegen sie zur Hälfte im Dunkeln, ist es damit allerdings vorbei. Dann erzeugen alle Anlagen im Test gar keinen Strom mehr. Zu einem Viertel abgedeckt, erbrachte selbst die an der Spitze liegende Anlage gerade mal noch etwas mehr als die Hälfte ihrer Leistung.
Fehlende Stabilität
Ein weiterer Kritikpunkt: An der Balkonbrüstung zwingt die Halterung von einer der geprüften Anlagen die dazugehörigen Panels in die Senkrechte. Das verschenkt Potenzial und mindert den Stromertrag, so die Tester. Schließlich fangen die Panels das meiste Licht mit einer 30- bis 40-Grad-Neigung zur Waagerechten ein. Die Neigungswinkel, die die übrigen Anlage-Halterungen im Test am Balkon zulassen, liegen zwischen maximal 15 Grad und 35 Grad.
Auch in puncto Stabilität hatten die Tester bei einigen Modellen ihre Bedneken. Zwar erwiesen sich alle geprüften Anlagen als wasserdicht und hagelsicher. Liegt Schnee auf ihnen und stürmt es dazu, können manche Panels aber brechen. Bei zwei Testkandidaten war das bei einer Druckbelastung von 5400 Pascal (rund 540 Kilogramm pro Quadratmeter) der Fall; das PV-Panel eines Anbieters brach schon bei 2400 Pascal (rund 240 Kilogramm pro Quadratmeter).
Wechselrichter vom Markt genommen
Ein anderer Knackpunkt war die elektromagnetische Verträglichkeit der Wechselrichter, die mit den Anlagen verkauft werden. Wechselrichter verwandeln den erzeugten Gleichstrom in Wechselstrom, mit dem die Elektrogeräte im Haushalt arbeiten. Sie können demnach Elektrogeräte und Funkverbindungen elektromagnetisch stören – und so das heimische Internet zum Ruckeln bringen oder sogar Funknetze von Polizei und Rettungskräften beeinträchtigen.
Besonders störend: ein Wechselrichter, der mit drei der Anlagen im Test verkauft wurde – und dem "test"-Bericht zufolge von der Bundesnetzagentur (BNetzA) vorläufig zur Überprüfung vom Markt genommen wurde. Dabei handelt es sich um das Modell Hoymiles HM-800. Es ist nicht der erste Fall: Bereits im vergangenen Jahr war die BNetzA bei einem Modell wegen eines fehlerhaften Wechselrichters eingeschritten.
Amortisation nach einigen Jahren
Ingesamt verteilten die Tester für die betroffenen Anlagen dreimal die Note "mangelhaft" in der Gesamtwertung. Nur eine Balkon-Solaranlage schnitt mit "gut" ab. Und zwar die günstigste im Test: EPP Solar Balkonkraftwerk 830W. Sie ist den Angaben zufolge allerdings ein Auslaufmodell. Drei Balkonkraftwerke bekommen ein "befriedigend", eines ist "ausreichend".
Auch zur Amortisationsdauer der Geräte äußerten sich die Verbraucherschützer: Laut Stiftung Warentest sind die Anschaffungskosten für eine Anlage ‒ je nachdem, wie viel Strom erzeugt und verbraucht wird ‒ nach fünf bis acht Jahren wieder drin. (jk/dpa)



