Das Projekt "Pebbles" in Wildpoldsried läuft bis November 2021.

Das Projekt "Pebbles" in Wildpoldsried läuft bis November 2021.

Bild: © Siemens

Im Dorf Wildpoldsried im bayerischen Allgäu leben sie jetzt schon in der Energiewelt der Zukunft. Wasser, Wind und Sonne liefern Strom, Holz Wärme und Biogas ein bisschen von beidem. Dazu gesellen sich Batteriespeicher, Wärmepumpen und Ladestationen für Elektroautos.

Seit Oktober 2020 gibt es in Wildpoldsried für Strom auch eine lokale Handelsplattform. Private Stromproduzenten können mittels einer App ihren Strom direkt an lokale Verbraucher vermarkten — ohne den Umweg über einen Direktvermarkter oder klassischen Stromversorger. Das Experiment ist Kern des Forschungsprojekts "Pebbles", das unter anderem Siemens und das Allgäuer Überlandwerk (AÜW) entwickelt haben. (Die ZfK berichtete.)

Lokale Energiemärkte technisch möglich

Auf den Energietagen zogen die Projektbeteiligten nun ein Zwischenfazit. Das da lautete: Technisch seien lokale Energiemärkte bereits möglich. Jetzt müsse nur noch die Politik die Rahmenbedingungen schaffen. Und zwar schnell.

Günther Mögele nimmt selbst als Prosumer an dem Projekt teil. Die Solaranlage auf dem Dach seines Hauses erzeugt Strom. Gleichzeitig benötigt er Elektrizität für den täglichen Bedarf sowie für seine zwei Elektroautos. In der Regel produziert er nach eigenen Angaben viermal so viel Strom, wie er verbraucht.

Anreiz für Post-EEG-Anlagen

Im Rahmen des Projekts handelt er nun Strom mit seinem Nachbarn. Beide können auf der von Fraunhofer FIT entwickelten App Grenzkosten und Zahlungsbereitschaften eingeben. Des Weiteren zeigen detaillierte Grafiken Preisentwicklungen, lassen sich Transaktionen auf einzelne Teilnehmer herunterbrechen.

"Es wäre schön, wenn wir das auch künftig machen könnten", sagte Mögele. Er glaubt, dass für viele Wildpoldsrieder der Anreiz groß wäre, eigens erzeugten Strom lokal zu verkaufen. Gerade für Post-EEG-Anlagen, deren Anzahl sich in Wildpoldsried in den kommenden Jahren vervielfacht. Dann ließen sich auch mehr als drei Cent pro Kilowattstunde (kWh) erzielen, die der Markt gegenwärtig hergebe, sagte er.

Politik in Pflicht

AÜW-Geschäftsführer Michael Lucke fürchtet nicht, dass sein Unternehmen dadurch überflüssig wird. Vielmehr glaubt er, dass sich die Rolle des Netzbetreibers wandelt: weg vom klassischen Versorger hin zum Integrator, der dank seiner Erfahrung Netze optimieren, digitale Handelsplattformen bereitstellen und nicht zuletzt Erneuerbaren-Anlagen selbst einbringen könne. "Das sehen wir als eines unserer zukünftigen Geschäftsmodelle."

Allerdings sei da auch die Politik in der Pflicht. Wenn Deutschland Netzkosten herunterbringen und Anreize für Kunden schaffen wolle, sei ein neues Marktdesign erforderlich, führte er aus. "Wir kommen nicht darum herum, räumlich und zeitlich differenzierte Netzentgelte zu schaffen", sagte er.

"Attraktive und günstigere kWh"

"Denn dann hat der Verteilnetzbetreiber eine gewisse Marktrolle und kann sein Netz optimal ausrichten. Dann kann er auch Kunden und Produzenten Anreize geben. Damit erhöhen wir den volkswirtschaftlichen Nutzen deutlich, wird die Kilowattstunde attraktiv und günstiger." (ab)

Lesen Sie weiter mit Ihrem ZFK-Abonnement

Erhalten Sie uneingeschränkten Zugang zu allen Inhalten der ZFK!

✓ Vollzugriff auf alle ZFK-Artikel und das digitale ePaper
✓ Exklusive Analysen, Hintergründe und Interviews aus der Branche
✓ Tägliche Branchen-Briefings mit den wichtigsten Entwicklungen

Ihr Abonnement auswählen

Haben Sie Fehler entdeckt? Wollen Sie uns Ihre Meinung mitteilen? Dann kontaktieren Sie unsere Redaktion gerne unter redaktion@zfk.de.

Home
E-Paper