EWE, der fünftgrößte deutsche Stromversorger, bietet Pilotkunden aus seinen 1, 4 Mio. Stromkonsumenten zwischen Ems, Weser und Elbe ab Ende des Jahres datenbasierte Mehrwertdienste durch
- den Einbau einer modernen Messeinrichtung (mME, fälschlicherweise "Smart Meter" genannt) und
- zumindest eine Smartphone-App, mit der sie ihren Verbrauch live und gerätescharf beobachten können. Ob es auch eine Web-App für stationäre Computer geben wird, "hängt von der Nachfrage ab, die wir im Zuge des Pilottests eruieren", so ein Sprecher auf ZfK-Nachfrage.
Eigentlich ist EWE bekannt für eine hohe Wertschöpfungsquote im eigenen Konzern und einen eigenen Innovationsbereich. Diese Lösung hat der Oldenburger Konzern aber nicht selbst entwickelt. Vielmehr greift er auf das entsprechende White Label des Greentech-Unternehmens Fresh Energy aus Berlin zurück. Andreas Mayer, der im EWE-Konzern die Abteilung Produktmanagement Telekommunikation und Energie leitet, begründet die Auswahl so: „Fresh Energy hat uns mit dem Fokus auf Kundenmehrwerte überzeugt. Damit setzt das Unternehmen (gemeint ist jetzt EWE) seinen Digitalisierungsprozess konsequent fort und gibt dem Verbraucher den notwendigen Durchblick über seinen Stromverbrauch, den er benötigt, um aktiv Strom zu sparen." Ein Sprecher ergänzte auf ZfK-Anfrage: "Wir haben uns in diesem Fall für eine bereits am Markt vorhandene Lösung entschieden, um dem Kunden schnellstmöglich eine Lösung bieten zu können."
Was die Pilotkunden erwartet
Pilotkunden bekommen als erstes eine mME eingebaut und können sich die auf EWE gebrandete Mobil-App herunterladen. Der Messstellenbetrieb wechselt dadurch nicht zu Fresh Energy, sonst ein wettbewerblicher Betreiber, sondern bleibt EWE Netz. Die mME fragt die Verbrauchsdaten, schreibt der Sprecher der ZfK, über einen „optischen Kopf“ an der Infoschnittstelle ab. In der App können die Verbraucher dann den Verbrauch jedes einzelnen Gerätes nachverfolgen, Stromfresser identifizieren und über die Neuanschaffung effizienterer Geräte entscheiden oder aber die sprichwörtliche vergessene zweite Tiefkühltruhe im Keller abschalten. Selbstlernende Algorithmen von Fresh machen es möglich.
Das Pilotprodukt ist mit der Lieferung des EWE-üblichen Ökostroms verbunden. Es ist also TÜV-Nord-zertifiziert mit mindestens einem Prozent aus regionalen Windkraftanlagen. Einen EWE-Produktnamen gebe es noch nicht, hieß es. Der Pilot soll drei Monate lang dauern.
Ende der Jahresabrechnung?
Fresh Energy wirbt auch damit, das man als eigener Energieversorger stets monatlich den tatsächlichen Verbrauch abrechnet. Die Jahresnachzahlungen oder -rückzahlungen entfallen so und natürlich auch jede Ablesung. Ob das bei dem White-Label für EWE allerdings auch so ist, ist offenbar noch unklar. Der Pressesprecher: "Den Abrechnungsmodus werden wir vom Ergebnis des Pilottests abhängig machen."
Für Fresh Energy dürfte EWE der White-Label-Kunde mit dem größten Endkundenpotenzial sein; seit einiger Zeit nutzt etwa die Mark-E aus Hagen bereits die IT des Start-ups. Christian Bogatu, Gründer und Chef von Fresh Energy, kündigt weitere Produktfeatures im Rahmen der Kooperation mit EWE an, ohne in die Details zu gehen: "Gemeinsam mit der EWE werden wir den Kunden auch weitere Mehrwerte anbieten können." (geo)



