Das Fraunhofer ISE hat auf der Solarmesse "EU PVSEC" mehrere Lösungen für die Integration von Photovoltaik in die bebaute Umwelt vorgestellt. Diese seien notwendig, um die deutschen Klimaschutzziele zu erreichen, ohne dass der notwendige Ausbau der Photovoltaik zu Nutzungskonflikten und Akzeptanzproblemen wie beim Wind führt, schreibt das Institut.
Für die Integration von PV-Modulen hat das Fraunhofer ISE Lösungen entwickelt, die frei wählbare Modulformate und -farben ermöglichen und auch besondere Anforderungen wie reduziertes Flächengewicht, hohe Ästhetik oder extreme mechanische Belastbarkeit erfüllen. Dazu gehören die bauwerkintegrierte PV, die Agro-PV, die fahrzeugintegrierte PV, die verkehrswegintegrierte PV sowie die schwimmende PV.
Die Formen hätten unterschiedlich große technische Potenziale in Deutschland und würden eine Chance für die deutsche und europäische PV-Industrie und das Handwerk darstellen, so das Institut weiter.
100 GW durch bauwerkintegrierte und Agro-Photovoltaik
Bei der "Building-Integrated PV (BIPV)" könnten die bauwerkintegrierten Module neben der Stromgewinnung auch weitere Funktionen wie Wärmedämmung, Wind-, Lärm- und Wetterschutz übernehmen. BIPV könne so einen signifikanten Beitrag zur CO2-Reduktion von Gebäuden leisten. Mittlerweile sind die Module in allen Spektralfarben verfügbar, bei einem nur um sieben Prozent relativ verringerten Wirkungsgrad.
Bei der Agrophotovoltaik werden Solarmodule über Ackerflächen installiert. Bei einem Projekt am Bodensee hat das Institut eine Steigerung der Landnutzungseffizienz zwischen 60 und 84 Prozent, sowie eine Steigerung der Resilienz in der Landwirtschaft bei Trockenperioden nachweisen können. Allein diese beiden Technologien hätten ein technisches Potenzial von 100 GW Leistung in Deutschland, schreibt das Institut.
PV in Fahrzeugen, Straßen und auf Gewässern
Um Photovoltaik in Fahrzeuge zu integrieren, hat das Fraunhofer ISE ein Solardach entwickelt, das eine Leistung von 210 W/m2 liefern könne. Auch die "Road Integrated PV" biete ein enormes technisches Potenzial, da Verkehrswege in Deutschland rund fünf Prozent der Landesfläche bedecken. Die Integration von Modulen sei in Straßen, Fußwegen und Plätzen, aber auch Schienen oder Lärmschutzwänden und Seitenstreifen möglich.
Für schwimmende PV-Kraftwerke, deren Module auf Schwimmkörpern auf einem stehenden Gewässer oder auf dem Meer angebracht werden, verzeichnet das Institut ein weltweites Wachstum (über 1,1 GW an installierter Leistung Mitte 2018). Geflutete Tagebauflächen, Kiesgruben und Stauseen würden auch in Deutschland großes Potenzial für "Floating PV" bieten. Die Vorteile lägen dabei in der kostengünstigen Umsetzung in großem Maßstab sowie dem Anstieg der PV-Effizienz durch Kühleffekte des Wassers. (pm)



