Der Energieverbrauch in Deutschland wird in diesem Jahr voraussichtlich um knapp sieben Prozent gegenüber dem Vorjahresniveau fallen. Zu diesem Schluss kommt die Arbeitsgemeinschaft (AG) Energiebilanzen. Sie stützt sich auf aktuelle Berechnungen von Januar bis September 2020.
Für den Rückgang dürfte vor allem die Wirtschaftskrise infolge der Corona-Pandemie verantwortlich sein, schätzt die Arbeitsgemeinschaft. Hinzu seien langfristige Trends gekommen, etwa mehr Energieeffizienz sowie die im Jahresdurchschnitt etwas höheren Temperaturen.
Starker Rückgang bei Kohle
Demnach brach der Energieverbrauch im zweiten Quartal stark ein, erholte sich im dritten Quartal aber wieder etwas. Die leicht verbesserte wirtschaftliche Entwicklung habe sich jedoch zuletzt wieder spürbar abgeschwächt, schreibt die Expertengruppe. Ein seit Anfang November geltender zweiter Lockdown droht den Energieverbrauch weiter zu drücken.
Besonders kräftig fiel nach Berechnungen der Arbeitsgemeinschaft der Rückgang bei der Kohle aus. Die Steinkohle lag nach drei Quartalen 25,7 Prozent unter dem Vorjahreszeitraum. Bei der Braunkohle betrug das Minus 27 Prozent. Die Kernenergie verzeichnete nach der planmäßigen Abschaltung des Kraftwerks Philippsburg Einbußen von zwölf, beim Mineralöl von 8,7 Prozent.
Nationaler Energiemix etwas grüner
Demgegenüber steigerten die erneuerbaren Energien ihren Beitrag zum gesamten Energieverbrauch um insgesamt drei Prozent. Der Zuwachs beruhe überwiegend auf der witterungsbedingt höheren Stromerzeugung aus Wind- und Solaranlagen, schreibt die Arbeitsgemeinschaft.
Der nationale Energiemix in den ersten neun Monaten 2020 fällt somit grüner aus als noch im Vorjahr. Mineralöl behauptet sich mit einem Anteil von 35,6 Prozent an der Spitze. Es folgen Erdgas mit 25,4 und erneuerbare Energien mit 16,8 Prozent. Dahinter kommen Braun- (7,5 Prozent) und Steinkohle (7,3 Prozent).
CO2-Emissionen geringer
Die AG Energiebilanzen geht davon aus, dass Deutschland dieses Jahr einen Energieverbrauch von 406,6 Millionen Tonnen Steinkohleeinheiten erreichen werde. Das wirke sich positiv auf die CO2-Bilanz aus, zumal sich in der gleichen Zeit der Energiemix zugunsten der erneuerbaren Energien und des Erdgases verschoben habe.
Die Arbeitsgemeinschaft rechnet deshalb mit einem Rückgang der energiebedingten CO2-Emissionen in einer Größenordnung von knapp 72 Millionen Tonnen. Das entspreche einem Minus von mehr als zehn Prozent gegenüber dem Vorjahr.
Corona kein struktureller Effekt
Bereits zu Beginn der Pandemie hatte das Umweltbundesamt (UBA) einen Rückgang des Treibhausgas-Ausstoßes erwartet. "Wir werden eine Reduzierung der Emissionen durch Corona erleben", hatte UBA-Präsident Dirk Messner im März gesagt. Doch seien dies keine strukturellen Effekte, die das Problem auf Dauer lösten.
Im vergangenen Jahr waren die CO2-Emissionen nach ersten Berechnungen um 6,3 Prozent gesunken – vor allem, weil weniger Strom aus Kohle und mehr aus Gas, Wind und Sonne gewonnen wurde. (ab/dpa)
Hier finden Sie weitere Statistiken, die die AG Energiebilanzen zur Verfügung stellt.



