Unter anderem Bundeskanzlerin Angela Merkel und die norwegische Ministerpräsidentin Erna Solberg waren bei der Einweihung von NordLink dazugeschaltet.

Unter anderem Bundeskanzlerin Angela Merkel und die norwegische Ministerpräsidentin Erna Solberg waren bei der Einweihung von NordLink dazugeschaltet.

Bild: © Tennet

Bundeskanzlerin Angela Merkel und Norwegens Ministerpräsidentin Erna Solberg eröffneten offiziell am Donnerstag die Stromleitung "Nordlink" zwischen Deutschland und dem skandinavischen Land. Die rund 2 Mrd. Euro teure Trasse verbindet erstmals die Strommärkte beider Länder und gilt als Meilenstein der Energiewende. Nach einem mehrmonatigen Probebetrieb war die Leitung vor einigen Wochen in Betrieb gegangen. Merkel mahnte aber dabei mehr Tempo beim Ausbau der Stromnetze an. Die rund 623 kilometerlange Trasse alleine löse Deutschlands Energie- und Netzprobleme nicht, sagte sie bei der Eröffnung.

Norddeutschland müsse besser mit Süddeutschland verbunden werden. Dann erst könne "Nordlink" seine ganze Kraft entfalten. "Daran müssen wir sehr viel schneller arbeiten." Beim Leitungsausbau "wird man in nächster Zeit noch einmal über Beschleunigungen nachdenken müssen." Es sei zu überlegen, ob Gerichtsinstanzen eingespart werden können und die Bevölkerung schneller mit einbezogen werden kann. "Hier haben wir noch große Hindernisse zu überwinden", so Merkel.

Strompreise werden langfristig sinken

Durch den milliardenschweren Ausbau der Stromnetze in Europa werden nach den Worten von Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) langfristig die Strompreise sinken. "Die Energiewende wird insgesamt günstiger und preiswerter für den Verbraucher, wenn sie europäisch ist, weil wir nur in ganz wenigen Ausnahmefällen eine Situation haben, dass nirgendwo der Wind weht und die Sonne scheint und die Wasserkraft nicht verfügbar ist", sagte Altmaier. Denn es würden weniger Reservekapazitäten und weniger fossile Kapazitäten benötigt.

Für Altmaier steht damit auch fest, dass der Ausbau der erneuerbaren Energien noch schneller vorangetrieben werden muss. "Der Norden ist quasi schon fast autark mit erneuerbarem Strom und im Süden wird er dringend gebraucht", sagte Altmaier. Der Bedarfsplan werde entsprechend angepasst werden müssen. "Für mich ist ganz klar, es wird in der nächsten Wahlperiode (nach der Bundestagswahl im Herbst) eine Novelle geben müssen und dann werden wir dem höheren Bedarf Rechnung tragen."

Die vier weiteren Trassen lassen auf sich warten

516 Kilometer von NordLink liegen im Grund der Nordsee. Über die Stromtrasse fließt je nach Produktion und Bedarf Windstrom nach Norwegen oder in Gegenrichtung Strom aus Wasserkraft nach Deutschland. Die riesigen Wasserspeicher Norwegens können so als indirekter Speicher für überschüssige deutsche Windenergie dienen. Im Gegenzug kann Deutschland eventuelle Versorgungslücken beim Windstrom durch Wasserkraft aus Norwegen ausgleichen. Die Kapazität der Leitung wird mit 1400 MW angegeben. Damit können laut Netzbetreiber Tennet mehr als 3,6 Mio. Haushalte mit Strom versorgt werden.

Nordlink ist die erste dieser dicken Stromtrassen, die in Betrieb gegangen ist. Vier weitere große sind noch in der Planung. "Suedlink" führt von Schleswig-Holstein nach Baden-Württemberg, "Suedostlink" von Sachsen-Anhalt nach Bayern, "Ultranet" soll Emden mit Baden-Württemberg verbinden und der "B-Korridor" Schleswig-Holstein mit Nordrhein-Westfalen. (dpa/gun)

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