Die deutsche Offshore-Windbranche hat im letzten Jahr 160 neue Anlagen mit einer Leistung von 1.111 Megawatt (MW) ans Netz gebracht. Insgesamt speisen damit jetzt 1.469 Offshore-Windenergieanlagen mit einer Leistung von 7.516 MW Strom ins Netz ein. Diese Zahlen präsentierten der Bundesverband Windenergie (BWE), der Bundesverband der Windparkbetreiber Offshore (BWO) und der Verband Deutscher Maschinen- und Anlagenbau Power Systems (VDMA Power Systems) am Donnerstag in Berlin.
"Zu Beginn der Offshore-Entwicklung in Deutschland im Jahr 2010 lieferten mit dem Testfeld ‚alpha ventus‘ lediglich zwölf Anlagen mit einer Leistung von 60 MW sauberen Strom. Zehn Jahre später sind es rund 1.500 Anlagen mit einer Leistung von über 7,5 GW. Strom aus Offshore-Windenergie ist kosteneffizient, stetig zuverlässig und wettbewerbsfähig. Die Offshore-Windenergie hat sich aus Deutschland heraus zu einer internationalen Erfolgsgeschichte entwickelt", kommentierten die Branchenvertreter die Zahlen.
"Mindestens 20 GW bis 2030"
"Umso wichtiger ist die durch die Bundesregierung beschlossene Erhöhung der Ausbauziele für die Offshore-Windenergie. Die Branche fordert schon seit langem einen Ausbau auf mindestens 20 GW bis 2030 und einen Ausbaupfad, der darüber hinausgeht. Dafür muss die Bundesregierung schnell die gesetzlichen Grundlagen schaffen und im ersten Schritt freie Kapazitäten von bis zu zwei GW vergeben, um die Folgen der Ausbaulücke für die heimische Industrie abzufedern. Nur so bleibt die heimische Lieferkette erhalten und frühere Erfolge, wie der - zwei GW-Ausbau im Jahr 2015 - können erneut erreicht werden."
Jeder weitere Zeitverlust führe zu Arbeitsplatzverlusten und gefährde die internationale Wettbewerbsfähigkeit deutscher Unternehmen, heißt es von den Verbänden weiter. "Das in der letzten Dekade erarbeitete Know-how in der Offshore-Windindustrie ist ein wichtiger Vorsprung im internationalen Wettbewerb, der erhalten werden muss. Wir brauchen weiterhin einen starken Heimatmarkt, um auf dem stetig wachsenden Weltmarkt erfolgreich zu bleiben."
Ørsted: "Wettbewerb für Offshore-Netzausbau öffnen"
Auch der europäische Marktführer im Bereich Offshore-Widnenergie, der dänische Energiekonzern Ørsted, kritisiert den fehlenden Ausbauplan. Volker Malmen, Geschäftsführer von Ørsted in Deutschland sagt: "Die Offshore-Windindustrie braucht klare Ausbauziele für die Zeit nach 2030. Je eher desto besser. Denn Projektentwickler und Behörden müssen den Ausbau der Offshore-Windkraft im Einklang mit dem Netzausbau und der Sektorenkopplung vorantreiben. Schließlich geht es hier um wichtige Energieinfrastruktur zum Gelingen der deutschen Energiewende. Eine Planung bis in das Jahr 2050 ist deshalb bereits heute notwendig. Insbesondere auch mit Blick auf den Kohleausstieg."
Darüber hinaus fordert Malmen auch eine Anpassung des regulatorischen Rahmens: "Wenn wir das Optimum erreichen wollen, müssen wir auch den Offshore-Netzausbau für den Wettbewerb öffnen, das Offshore-Wind-Auktionsmodell anpassen und die Weichen für die Sektorenkopplung stellen." (pm)
