Die ersten Unternehmen und Energieversorger wagen sich an PPA – nicht nur als Zukunftsmodell für Ü-20-Anlagen, sondern vor allem als Möglichkeit, neue Projekte zu finanzieren. Auf dem 8. Strommarktsymposium von Energy Brainpool wurden nun Chancen und Herausforderungen der Langzeitverträge diskutiert. Das Fazit: Das Interesse bei Unternehmen und Energieversorgern ist groß, und PPA unverzichtbar für den Zubau an Erneuerbaren-Anlagen, aber die Vertrags- und Preisgestaltung ist komplex.
"Der Hype wird kommen, vor allem für große PV-Anlagen", so Markus Quack, Senior Manager Renewables bei EnBW. Erst Anfang dieses Jahres hat das Unternehmen aus Baden-Württemberg einen PPA-Vertrag über einen 85 MW PV-Park abgeschlossen. Energiekontor als Betreiber liefert die nächsten 15 Jahre Sonnenstrom zum Fixpreis. Und genau in dieser langfristigen Planbarkeit liegt ein Vorteil für beide Seiten. Während der Erzeuger die Sicherheit einer teilweisen Refinanzierung hat, machen sich Offtaker unabhängig von den volatilen Preisen an der Strombörse. Dass sich das nicht als Nachteil verkehrt, hängt wiederum von der Preisgestaltung ab.
Base-Preis und Grundlastparität
Fabian Huneke von Energy Brainpool gibt anhand einer Beispielrechnung wertvolle Tipps, welche Faktoren zu beachten sind: Je länger die Preisbindung des Vertrages angesetzt ist, umso schwieriger wird die Absicherung anhand bestehender Preisinformationen über den Terminmarkt. Geht es um die Preisgestaltung für die nächsten drei Jahre sei eine Orientierung am Base-Preis im Terminmarkt sinnvoll, darüberhinaus lasse sich der Preis über einen rollierenden Hedge absichern, danach wird es allerdings schwierig, Informationen des Termingeschäftes zu nutzen, dann müssten verschiedene Preisentwicklungsszenarien berücksichtigt werden.
Einflussfaktoren hierfür sind unter andrem: die Entwicklung der Preise für CO2, Kohle und Gas, aber auch die Stromnachfrage insgesamt und der Anteil der Erneuerbaren am Markt. Neben der Kalkulation des Base-Preises spielt noch der Grundlastparitätsfaktor für den Fair Value eine entscheidende Rolle. Hierbei handelt es sich um den relativen Verkaufswert des Erzeugungsprofils gemessen am Base-Preis. Beeinflusst wird dieser von der anlagenspezifischen Performance genau wie von Kannibalisierungseffekten.
Europäischer Standard fehlt
Letztlich lässt sich ein PPA-Wert durch die Multiplikation des Base-Preises mit der Grundlastparität errechnen, wobei anschließend noch Wetterprognosen, Herkunftsnachweise sowie Vermarktungskosten und Liquiditäts- sowie Mengenrisiken in den Fixpreis eingerechnet werden müssen. Als wäre das nicht schon kompliziert genug, stünden Unternehmen und Energieversorger zudem vor regulatorischen Herausforderungen, wie die Allianz-Gruppe und auch Vodafon berichten. Die Vertragslandschaft der PPA sei extrem komplex, nicht zuletzt weil es keine internationalen Standards gebe und so seien auch Auswirkungen auf den Geschäftsplan nur schwer zu kalkulieren. Außerdem könnten gesetzgeberische Veränderungen das rechtliche Umfeld von PPA verschlechtern, was insbesondere wegen der langen Laufzeit schwierig werden könnte.
Dennoch sind sich Unternehmen und Energieversorger einig: PPA bieten die Chance, die selbst gesteckten Klimaziele zu erreichen und die Energiewende damit voran zu bringen. (ls)



