Europaweit boomt die Finanzierung neuer Erneuerbarer-Energien-Anlagen respektive deren Stromvermarktung über mehrjährige Abnahmeverträge, sogenannte PPA. So in Skandinavien, wo es keine staatlich abgesicherten Ausschreibungen für EE-Anlagen gibt, oder in Spanien. Dort sind derzeit solare PPA-Projekte mit einer Leistung von über zwei Gigawatt (GW) in Entwicklung, europaweit über vier GW. Treibende Faktoren für PPA in Spanien sind hohe Börsenstrompreise, eine hohe solare Einstrahlung und reichlich verfügbare Flächen, hieß es nun auf dem Solarpower Summit in Brüssel, der am Donnerstagnachmittag endete.
Baywa r.e. realisierte das größte solare PPA-Projekt in Spanien, den 175 Megawatt (MW) starken Solarpark Don Rodrigo, südlich von Sevilla. Er wurde ohne Förderung realisiert, die Erzeugungskosten des Solarstroms liegen dort laut Angaben von Jochen Hauff, Leiter Unternehmensentwicklung bei Baywa r.e., bei unter drei Cent pro Kilowattstunde (kWh). Ende 2018 verkaufte das Münchener Unternehmen den PV-Park an einen Konzernmandanten der Meag. Der Strom soll über einen 15-jährigen Stromabnahmevertrag an Statkraft vermarktet werden.
Staatlich abgesicherte Ausschreibungen in der Regel kostengünstiger
Für Deutschland beurteilt Hauff, der auch Vizepräsident der europäischen Branchenvereinigung Solarpower Europe ist, PPA allerdings skeptischer. "In der Regel ist die Realisierung Erneuerbarer-Energien-Projekte über staatlich gesicherte Ausschreibungen im Rahmen des Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG) kostengünstiger", sagt er. Denn das Bonitätsrisiko und die Finanzierungkosten seien bei PPA höher. Zudem erschwerten günstige Industriestrompreise, vor allem für energieintensive Großunternehmen, die Wirtschaftlichkeit von PPA.
Attraktiv könnten derartige Abnahmeverträge jedoch auch in Deutschland für bereits abgeschriebene, größere Windkraft- und Photovoltaikanlagen sein, deren Förderung ab dem 1.1.2021 schrittweise ausläuft, sowie für größere Anlagen oberhalb der Fördergrenze des EEG. Für Photovoltaikanlagen liegt diese bei zehn MW. So schlossen jüngst die EnBW und Energiekontor einen 15-jährigen Stromabnahmevertrag für einen geplanten 85 MW Solarpark in Marlow (Mecklenburg-Vorpommern) ab. Bereits zuvor kündigte EnBW an, einen förderfreien 175-MW-Solarpark in Brandenburg bauen zu wollen.
Vielversprechende Möglichkeiten in Kohlerevieren sowie für Mittelständler
Vielversprechende Möglichkeiten für förderfreie große Erneuerbare-Energien-Anlagen im zwei- und dreistelligen MW-Bereich sieht Hauff künftig auch in ehemaligen Kohlerevieren und auf Konversionsflächen. Auch für mittelständische Gewerbekunden, die nicht von diversen Stromvergünstigungen wie die Großindustrie profitierten, könnten langfristige Stromlieferverträge mit Wind- und Solarparks interessant sein, sagt er. (hcn)
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Mehr Hintergrundinformationen und Brancheneinschätzungen zu PPA und weiteren Geschäftsmodellen für Stadtwerke rund um erneuerbare Energien in der Post-EEG-Zeit finden Sie in der aktuellen Märzausgabe der ZfK.



