Zwei Prozent der Fläche je Bundesland sollen, laut Koalitionsvertrag, künftig für den Ausbau der Windkraft reserviert werden. Aus Sicht von Branchenexperten wird es ohne diese zusätzlichen Flächen eng mit den Klimazielen bis 2030 und 2050. Doch es gäbe auch kurzfristig die Möglichkeit vier bis fünf GW an Windkraftleistung ans Netz zu bringen – ganz ohne neue Flächenausweisungen.
Eine Umfrage des BWE unter seinen Mitgliedern hat ergeben, dass derzeit Projekte mit einem Gesamtumfang von etwa 7000 MW blockiert werden, weil sie im Prüfbereich von Wetterradaren, Drehfunkfeuern oder militärischen Einrichtungen liegen. Allein 4800 MW sind von militärische Hemmnissen betroffen. Dabei befinden sich 64 Prozent dieser Projekte auf planerisch für die Windkraft ausgewiesenen Flächen. Bei den durch Drehfunkfeuer blockierten Vorhaben sind es sogar 68 Prozent.
Neue Berechnungsmethoden nur für Doppler-Drehfunkfeuer
Zwar gab es 2021 dank einer neuen, genaueren Berechnungsmethode einen Durchbruch im Konflikt zwischen Flugsicherung und Windkraftausbau, sodass letztlich 200 Projekte genehmigt werden konnte, allerdings können nur Doppler-Drehfunkfeuer in die Berechnungsmethode einbezogen werden, für ältere Funksysteme gilt sie nicht. Zudem gehört Deutschland nach wie vor mit zehn bis 15 Kilometern zu den Ländern mit den strengsten Abstandsradien.
Zum Vergleich: In Spanien gilt ein Radius von nur drei Kilometern zu Drehfunkfeuern. Besonders in den planerisch klar ausgewiesenen Gebieten müsse es eine schnelle Klärung geben, fordert der BWE und schätzt: „Kurzfristig lassen sich hier zwischen vier und fünf GW Leistung zusätzlich ermöglichen. Dafür ist die direkte Abstimmung zwischen den beteiligten Ministerien Verkehr, Verteidigung und Wirtschaft vonnöten. Dabei handelt es sich um „low-hanging fruit“, mit denen die Energiewende schnell auf Kurs bringen kann. Wenn es gelingt, auch innerhalb der Prüfbereiche pragmatische Lösungen zur Umsetzung von Windenergieprojekten zu finden, lässt sich diese Zahl weiter erhöhen“, so Hermann Albers, Präsident des BWE weiter. An der Umfrage haben insgesamt 141 Personen aus zwölf Bundesländern teilgenommen. (lm)


