Vier der fünf Sinteg-Schaufenster haben eine Online-Plattform zum Handel von Flexibilitäten für die Entlastung des Verteilnetzes entwickelt. Nun haben sich die Konsortien von Csells, dem Schaufenster in Süddeutschland, und die Partner von Enera, der Modellregion im Norden, zusammen getan, um ihre zwei Plattformen miteinander zu verbinden – mit Erfolg.
Bei dem Testabruf wurde nach Koordination mit den beteiligten Netzbetreibern Avacon-Netz, Bayernwerk-Netz und EWE-Netz auf Anforderung von Tennet der Stromverbrauch eines Speichers im windreichen Niedersachsen erhöht, um Strom aus erneuerbaren Energien aufzunehmen. Gleichzeitig haben im Gebiet des Bayernwerks im laststarken Süden auf Abruf des regionalen Energienetzbetreibers Biogas- und KWK-Anlagen mehr Strom eingespeist, um die Stromnachfrage vor Ort zu decken. So wurde die im Stromnetz zu transportierende Strommenge reduziert und so dazu beigetragen, Transportengpässe zu beheben.
Lastmanagement für Speicher und Industrieprozesse
„Unser Hybridspeicher in Varel eignet sich aufgrund seiner Kombination von Lithium-Ionen- und Natrium-Schwefel-Speichertechnologien sehr gut, schnell das Stromnetz mit mehr als 24 MWh Kapazität zu entlasten und damit die Abschaltungen von Windenergieanlagen zu vermeiden“, sagte Hendrik Brockmeyer, Managing Director der be.storaged GmbH, Betreiberin des Speichers.
Im Nordwesten Niedersachsens erhöhten zudem in vorangegangen Abrufen neben der großen Batterie auch Industrieanlagen, wie eine Papier- und Kartonfabrik und ein elektrischer Gastransportverdichter, ihre Last. „In weiteren Flexibilitätsabrufen in der Enera-Region, konnten Verbraucher ihr Potenzial zur Netzentlastung durch Verbrauch von elektrischem Strom anstatt Verbrennung von fossilem Gas beweisen“, ergänzte Tammo Filusch, zuständig für das Virtuelle Kraftwerk bei EWE Vertrieb.
Netzbetreiber müssen enger zusammenarbeiten
Dass die Energiewende durch E-Mobilität und tausende dezentraler Prosumer im Verteilnetz künftig immer stärker in den Verteilnetzen stattfinden wird, ist längst bekannt, doch es geht auch um die Lösung für Engpässe auf höheren Spannungsebenen, wie Tennet-Geschäftsführer Tim Meyerjürgens erklärt: „Wir werden in Zukunft Millionen dezentraler Anlagen brauchen, um das Übertragungsnetz zu stabilisieren. Dafür müssen die Netzbetreiber auf allen Ebenen zusammenarbeiten und neue Werkzeuge entwickeln, um das Potenzial von KWK-Anlagen, Wärmepumpen, Biogas-Anlagen, Batteriespeichern, Elektroautos, Power-to-Gas-Anlagen und anderen dezentralen Anlagen für mehr Sicherheit im Stromnetz nutzen zu können. Unser Test hat gezeigt, wie das erfolgreich funktioniert.“ (ls)
