Frankreich setzt im Vergleich zu Deutschland -–auf dem Bild das AKW Philippsburg – weiterhin stark auf Atomkraft. Gerade deshalb ist die Verzögerung des Neubaus Flamanville ein Rückschlag.

Frankreich setzt im Vergleich zu Deutschland -–auf dem Bild das AKW Philippsburg – weiterhin stark auf Atomkraft. Gerade deshalb ist die Verzögerung des Neubaus Flamanville ein Rückschlag.

Bild: © Daniel Meier-Gerber/EnBW

Nun steht es also fest: Die beiden Kühltürme des Atomkraftwerks Philippsburg bei Karlsruhe werden zwischen dem 14. und 15. Mai gesprengt. Zuschauer aber sind nicht erlaubt. Wegen der Corona-Pandemie nannte der Energieversorger EnBW am Montag weder den genauen Tag noch die exakte Uhrzeit der Sprengung.

Würde man dies öffentlich machen, seien große Menschenansammlungen ähnlich wie bei Großveranstaltungen zu befürchten. Das sei wegen der Ansteckungsgefahr in Zeiten von Corona aber weder erlaubt noch statthaft, erläuterte Jörg Michels, Geschäftsführer der EnBW Kernkraft GmbH. «Das tut uns sehr leid, dass die Öffentlichkeit nicht dabei sein kann.» Der Gesundheitsschutz gehe aber vor.

Sprenung gefahrlos möglich

Innerhalb des 48-stündigen Zeitfensters könne der Abbruch zu jeder Tages- und Nachtzeit stattfinden, hieß es weiter. Lediglich ein unvorhergesehenes Ereignis wie etwa ein Sturm könnte die Sprengung dann noch um kurze Zeit verzögern.

Nach Worten des für den Abbruch zuständigen Projektleiters Thomas Müller ist die Sprengung trotz der Nähe der Kühltürme zu den beiden abgeschalteten Kraftwerksblöcken KKP 1 und KKP 2 gefahrlos möglich. Es entstehe so gut wie keine Druckwelle. Die Kühltürme seien ausgehöhlt und ihre Außenschale aus Beton werde in sich zusammenfallen: nicht wie ein Klotz auf den Boden, sondern innerhalb von Sekunden nach und nach. Die dabei im Umkreis von schätzungsweise 1000 Metern entstehende Wolke aus Betonstaub werde sofort mit Wassersprühnebel gebunden und sich nach wenigen Minuten legen.

Bauschutt soll wiederverwertet werden

Am Tag vor dem Zeitfenster soll bereits die gesamte Rheinschanzinsel, auf der sich die Meiler und die Kühltürme befinden, gesperrt werden. Die darum liegenden Gemeinden würden gegebenenfalls weitere Sperrungen einrichten und Polizei werde vor Ort sein. Evakuiert werden müsse niemand.

Der Abbruch der jeweils 150 Meter hohen Gebäude wird Müllers Worten zufolge von mehreren Sprengexperten mit jahrelanger Erfahrung sowie Sachverständigen im Auftrag des Umweltministeriums begleitet. Der Bauschutt, rund 32.500 Tonnen pro Turm, soll möglichst wiederverwertet und zur Aufschüttung des Geländes verwendet werden.

Das bringt die Zukunft

Auf der Fläche der beiden Kühltürme wird ein Gleichstrom-Umspannwerk des Netzbetreibers TransnetBW entstehen. Dieser sogenannte Konverter wird benötigt, um über Hochspannungsleitungen große Mengen Ökostrom aus Norddeutschland in den stark industrialisierten Süden Deutschlands zu transportieren. (dpa/ls)

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