Das rheinland-pfälzische Umweltministerium startet mit dem neuen Förderprogramm eine weitere Solaroffensive.

Das rheinland-pfälzische Umweltministerium startet mit dem neuen Förderprogramm eine weitere Solaroffensive.

Bild: © Rainer Sturm/pixelio.de

Energy Brainpool hat im Auftrag der Elektrizitätswerke Schönau (EWS) analysiert, welches Potenzial PV-Kleinanlagen bis 100 kW für die Erreichung der Klimaziele 2030 haben.  Mit einem beachtlichen Ergebnis: Bis zu 140 GW Leistung könnte technisch-praktisch über PV-Prosumer-Anlagen installiert werden. Hierzu brauche es laut dem Analyseunternehmen einen deutlich ambitionierteren Zubau als bisher und vor allem neue Regeln für den Smart-Meter-Rollout.

Statt heute vier GW pro Jahr zuzubauen, müssten spätestens ab 2024 zwölf GW und ab 2027 14 GW pro Jahr ans Netz gebracht werden, um über den Ausbau von PV-Kleinanlagen die Ökostromlücke, wie sie Energy Brainpool mit 80 GW angibt, zu vermeiden. Damit dieser Korridor auch tatsächlich erreicht wird, verweisen die Studienautoren von Energy Brainpool auf drei Bereiche mit Handlungsbedarf. Zunächst müsse Rechtssicherheit für Projektierer geschaffen werden, in dem der Ausbaupfad frühzeitig gesetzlich verankert wird und die Wertschöpfungskette unter andrem durch Investitionen in Fachpersonal und schnellere Genehmigungsverfahren abgesichert wird.

Mehr Anwendungsfälle für PV-Kleinanlagen

Darüber hinaus müssen mehr Anwendungsfälle für PV-Kleinanlagen geschaffen werden. Als Chance hierfür sieht das Analyseunternehmen die vielfach geforderte PV-Pflicht für Neubauten und deren Integration in den atmenden Deckel. Zudem müssten Mieterstrommodelle vereinfacht und auch für Gewerbebetriebe zugänglich gemacht werden. Ebenfalls auf die Agenda gehört die Etablierung von „Energy Sharing“, wie es in der Erneuerbaren Richtlinie der EU definiert ist. Künftig sollen Bürger, die erneuerbaren Strom erzeugen, diesen auch mit Verbrauchern vor Ort teilen können. Noch ist das allerdings mit vielen komplexen Auflagen verbunden.

Ein weiterer Dreh- und Angelpunkt für die Umsetzung des PV-Kleinanlagen-Potenzials ist der Einbau von intelligenten Messsystemen. Ein Thema, das in der Branche derzeit für viel Diskussionsstoff und Kritik sorgt. So ist im aktuellen Referentenentwurf zur bevorstehenden EEG-Novelle geplant Smart-Meter bereits bei PV-Anlagen ab einem kW zur Pflicht zu machen. Zu teuer und nicht nutzerfreundlich kritisierten viele Branchenvertreter in den vergangenen Tagen. Energy Brainpool sieht diese Idee weniger kritisch, wenn die Vorzeichen hierfür stimmen.

Machbarkeit von Mieterstrom-Modellen 

So heißt es in der Studie „Chancen einer Verdreifachung des PV-Kleinanlagenanteils am STrommix bis 2030“ : Für eine erfolgreiche Energiewende und zur Realisierung des diskutierten Ausbaupfades ist die flächendeckende Digitalisierung auch im Segment der Kleinstanlagen (…) von hoher Bedeutung.“ Insbesondere die Machbarkeit von Mieterstrom-Modellen und Sharing-Ansätzen würde so verbessert. Um die Wirtschaftlichkeit des Smart-Meter-Rollouts bei Kleinstanlagen sowohl für Anlagenbetreiber, Direktvermarkter als auch Messstellenbetreiber wirtschaftlich zu gestalten, schlagen die Studienautoren vor, den Einbau über Mittel aus dem Energie- und Klimafonds zu fördern.

Eine Ansatz, der laut Energy Brainpool dazu führen könnte, dass kleinere PV-Heimspeicher zur Vermeidung von Netzkosten nutzbar gemacht würde und Netzentgelte geringer ausfielen.

Bessere Erlösmöglichkeien förderfreier Anlagen

Die Befähigung der EEG-Kleinstanlagen zur Direktvermarktung könnte in der langen Frist zudem die Pflichtvermarktung durch die Übertragungsnetzbetreiber ersetzen und eine systemdienlichere, großhandelspreisorientierte Fahrweise ermöglichen. Reduziert sich dadurch die Anzahl negativer Preise, würde sich dies wiederum positiv auf die Erlösmöglichkeien förderfreier Anlagen erneuerbarer Energien auswirken und deren Marktintegration im doppelten Sinne vorantreiben.

Die Bezuschussung des Smart-Meter-Einbaus könnte auch für Post-EEG-Kleinanlagen die Wirtschaftlichkeitshürden überwinden und so den Wechsel in die sonstige Direktvermarktung erleichtern, heißt es in der Studie.

Linearer Anstieg des CO2-Preises

Aber auch bei den Großanlagen muss sich etwas tun, wenn das von Brainpool Energy anvisierte Zubauziel von 29 GW bis 2030 erreicht werden soll. Hier stehen vor allem PPAs im Fokus. Damit Letztere bessere Chancen am Markt haben, müssen sie mehr Erlösaussichten am Strommarkt haben. Hierfür nehmen die Studienautoren einen linearen Anstieg des CO2-Preises auf 79 Euro pro Tonne in 2030 an. Bereits ab 2025 würde sich bei dieser Entwicklung eine förderfreie Vermarktung für einige größere Parks mit unterdurchschnittlichen Gestehungskosten lohnen. (lm)

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