Der Windpark Grünberg im hessischen Landkreis Gießen.

Der Windpark Grünberg im hessischen Landkreis Gießen.

Bild: © Trianel

Die Klimaziele der Ampel-Koalition erfordern 100 bis 130 GW Windenergie an Land bis 2030. Der Zubau im Jahr 2021 trägt dazu deutlich zu wenig bei, wie die aktuelle Jahresbilanz der Deutschen WindGuard im Auftrag des BWE und von VDMA Power Systems zeigt. Zwar liegt der Bruttozubau mit 1925 MW etwa 35 Prozent über dem Vorjahresniveau, aber nach Abzug von repowerten Anlagen und der Stilllegungen bleiben davon lediglich 1692 MW übrig.

„Der aktuelle Zubau ist unzuzreichend und kann uns hinsichtlich der Zielerreichung nicht zufriedenstellen. Niedrige Ausbauvolumen führen mittelfristig auch zu Problemen bei der Versorgungssicherheit, der Sicherung des Know-hows und des Innovationspotentials entlang der gesamten Wertschöpfungskette. Der von der neuen Regierung formulierte Schwerpunkt auf den beschleunigten Ausbau der Windenergie an Land bis zum Jahr 2030 und darüber hinaus ist daher richtig und notwendig. Ausschreibungsvolumen und Termine müssen dazu angepasst und verstetigt werden, kommentiert Dennis Rendschmidt, Geschäftsführer VDMA Power Systems die Ergebnisse der jährlichen Analyse.

10 GW hängen in Genehmigungsverfahren fest

Der BWE weist einmal mehr darauf hin, dass auch ohne neue Flächen kurzfristig vier bis fünf GW Leistung zugebaut werden könnten, allein durch die Verringerung des Mindestabstands zu Drehfunkfeuern und militärischem Radar. Insgesamt würden derzeit 10 GW in Genehmigungsverfahren feststecken. Hier kommt es neben Konflikten mit der Flugsicherung und militärischen Einrichtungen, auch oft zu Blockaden im Sinne des Naturschutzes. „Es ist positiv, dass die Erneuerbaren Energien in der Schutzgüterabwägung künftig Vorrang haben sollen. Besonders im Umgang mit Arten- und Naturschutz muss sich das Verständnis verfestigen, dass Klimaschutz auch Arten- und Naturschutz ist. Beide Güter dürfen nicht gegeneinander ausgespielt werden“, so die Branchenverbände.

Auch der VKU ist alarmiert in Anbetracht des schwachen Zubau-Jahres und ruft alle Bundesländer in die Pflicht beim Windkraftausbau mitzuwirken: „Gerade in Bayern ist aufgrund restriktiver Flächenbeschränkungen in Form der 10H-Regel in den vergangenen Jahren ein viel zu geringer Windenergieausbau erfolgt. Wie die BWE-Zahlen zeigen, liegt Bayern im Bundesländerranking insgesamt gerade einmal auf Platz 8; beim Zubau 2021 mit gerade einmal acht neuen Windenergieanlagen sogar nur auf Platz 11. Hier besteht noch erheblich Luft nach oben," so VKU-Hauptgeschäftsführer Ingbert Liebing und ergänzt: „Das Ziel, zwei Prozent der Fläche in Deutschland für Windenergie zur Verfügung zu stellen, ist richtig. Damit das gelingt, müssen restriktive Flächenbeschränkungen, wie unter anderem 10H in Bayern, aber auch zu restriktive Abstände zu Drehfunkfeuern, zügig fallen.“

USA und China sind Treiber

Für 2022 erwarten BWE und VDMA Power Systems auf Basis einer Auswertung bereits bezuschlagter Projekte und der bisherigen Realisierungsgeschwindigkeit von Ausschreibungsanlagen einen Ausbau von 2,3 GW bis 2,7 GW. Geregelte Abläufe in den Lieferketten, vereinfachte und planbare Transportgenehmigungen, das Ertüchtigen der Transportinfrastruktur und die flexible Verfügbarkeit von Arbeitskräften seien von hoher Relevanz, um höhere Zubauziele zu erreichen, heißt es aus. Berlin.

International betrachtet treiben vor allem China und die USA den Windkraftausbau voran. Diese beiden Märkte werden laut Global Wind Energy Council (GWEC) zwischen 2021 und 2025 fast 60 Prozent des gesamten Zubaus beisteuern. Nach einer weltweiten Rekordinstallation von rund 87 GW geht der GWEC für 2021 von einem Zubau von 79 GW aus – ein Minus um 9 Prozent. Ähnlich sieht es laut Prognosen für dieses Jahr aus. (lm)

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