Strom

Unternehmen warnen vor Stromlücke im Südwesten

Laut einer vom Baden-Württembergischen Industrie- und Handelskammertag (BWIHK) in Auftrag gegebenen Studie des Fraunhofer-Instituts Freiburg fordern Unternehmen im Südwesten mehr Tempo beim Ausbau Erneuerbarer.
22.01.2024

Werner Götz gehört seit Anfang 2015 der Geschäftsführung des EnBW-Übertragungsnetzbetreibers Transnet BW an, seit 2017 als deren Vorsitzender.

Demnach wird das Land angesichts des stark steigenden Strombedarfs auch 2040 auf Stromimporte angewiesen sein. Das Land wolle fünf Jahre früher als der Bund klimaneutral werden, hänge aber beim Ausbau der erneuerbaren Energien hinterher, kritisierte BWIHK-Vizepräsident Jan Stefan Roell am Montag in Stuttgart.

«Somit klaffen Wunsch und Wirklichkeit weit auseinander, uns droht eine Stromlücke. Das macht die Sicherung der Energieversorgung zu einem besonders herausfordernden Standortfaktor.» Unternehmensabwanderungen drohten. Er forderte vom Land ein «beherztes Voranschreiten bei Bereitstellung von Flächen und bei Genehmigungen von Anlagen».

Industrie- und Handelskammer fordert Kraftwerke zur Netzstabilisierung

Der hohe Strombedarf gehe auch auf die Industrie zurück, die Öl und Gas mit Elektrifizierung ersetzen müsse. Selbst bei einer Vervierfachung der Stromerzeugung aus Erneuerbaren werde Baden-Württemberg 67 Terawattstunden im Jahr importieren müssen, so die Studie.

Die Politik muss laut BWIHK dringend Kraftwerke zur Netzstabilisierung neu bauen. Außerdem gelte es, den Netzausbau voranzutreiben, genügend Flächen zur Verfügung zu stellen und Hemmnisse wie langwierige Planungs- und Genehmigungsverfahren zu beseitigen.

TransnetBW plädiert für Freileitungen

Werner Götz, CEO TransnetBW, erklärte anlässlich der Veröffentlichung der Studie: „Die Energiewende gelingt nur, wenn alle ihren Beitrag leisten. Deshalb begrüße ich die Stromstudie der Industrie- und Handelskammern in Baden-Württemberg. Sie unterstreicht die Rolle der Energieversorgung als Standortfaktor: Sie muss auch künftig verlässlich und wettbewerbsfähig sein."

In der politischen Entscheidung für Freileitungen statt Erdkabel liegt Götz zufolge ein großer Hebel dafür, dass die Energiewende bezahlbar bleibt. So könnten die Kosten der neu geplanten Stromautobahnen halbiert werden und es entstünde sogar ein Zeitvorteil. "Wir sollten die geplanten Stromautobahnen als Freileitung anstatt mit Erdkabeln realisieren, weil das bis zu 20 Milliarden Euro einspart.“

Und weiter: "Eine weitere Möglichkeit, Kosten bei Infrastrukturprojekten zu sparen, bietet die Kraftwerksstrategie: Eine Planung, die regionale Komponenten einbezieht, reduziert das kostspielige Engpassmanagement. Die Zeit drängt sowohl bei der Kraftwerksstrategie als auch bei der Abschaffung des Erdkabelvorrangs.“ (dpa/sg)