Wie bei der Vorstellung der Halbjahreszahlen des BWE und VDMA Power Systems deutlich wurde, scheint der Zubau von Onshore-Windkraft langsam wieder in Gang zu kommen. So wurden in den ersten sechs Monaten diesen Jahres 178 591 MW (brutto) zugebaut – immerhin doppelt so viel wie im Vorjahreszeitraum.
Ähnlich positiv sieht es auch im Genehmigungsprozess 2020 aus. 1,4 GW wurden im ersten Halbjahr genehmigt. Das liegt etwa 75 Prozent über der Anzahl an BImschG-Genehmigungen aus dem ersten Halbjahr 2019, so die Zahlen der Deutschen Windguard. Für die Experten ist das allerdings nur ein kleiner Hoffnungsschimmer, denn noch immer ist der Ausbau viel zu niedrig, um das 65-Prozent-Ziel der Bundesregierung zu erreichen.
Post-EEG-Rückbau befürchtet
Es wäre ein Widerspruch, einerseits ambitionierte Klimaziele zu formulieren, andererseits aber nicht den Weg für den dafür notwendigen Ausbau der Erzeugung durch Erneuerbare Energien zu ebnen, so Matthias Zelinger, Geschäftsführer VDMA Power Systems und ergänzt: „Der Gesetzgeber muss daher dringend einen kohärenten Handlungsrahmen schaffen und durchsetzen, um Investitionsanreize und den technologischen Vorsprung der Windindustrie am Standort Deutschland langfristig zu sichern sowie eine Stromlücke bei den Erneuerbaren Energien zu vermeiden.“
Ein wesentlicher Punkt hierbei ist auch eine einheitliche Repowering-Strategie der Bundesregierung, sind sich die Branchenexperten einig. So lag der Repowering-Anteil am Bruttozubau dieses Jahr bisher bei 40 Anlagen und 124 MW. Damit liegt der Repowering-Anteil in vergleichbarer Größenordnung zu den vergangenen Jahren, allerdings drohen bis Mitte der 2020er Jahre 15.000 Windkraftanlagen und damit 16 GW aus der EEG-Vergütung zu fallen. In Anbetracht der derzeitigen politischen Rahmenbedingungen fürchten BWE und VDMA den Rückbau vieler Anlagen.
Marktbedingungen wegen Corona schwierig
„Da an Repowering-Projekte die gleichen Anforderungen gestellt werden wie an Neubauprojekte, müssen Bund, Länder und Behörden dazu vor allem Genehmigungsverfahren beschleunigen“, erklärte Matthias Zelinger. Bereits mehreren Bundesländern drohe sonst in den nächsten Jahren ein höherere Rückbau als überhaupt neue Anlagen zugebaut werden.
Für den Weitbetreib von Anlagen fordern die Verbände eine Übergangslösung im Zuge der Corona-Krise. Während die Marktpreise im März/April diesen Jahres nur bei knapp einem Cent pro kWh lagen, sin sie im Juni immerhin auf gut zwei Cent pro kWh gestiegen. Ein wirtschaftliche Direktvermarktung ist unter diesen Bedingungen allerdings schwierig. Gegen eine dauerhafte Auffanglösung sprechen sich die Experten jedoch klar aus, da dies nur zu weiteren Marktverzerrungen führen würde.
Ankündigung des BMWi
Das BMWi hatte vor wenigen Tagen bereits angekündigt sich den Rahmenbedingungen für das Repowering nach der Sommerpause in einem Entwurf für die Novelle des EEGs anzunehmen. (ls)



