Vier Hauptpfeiler für einen klimaneutralen Gebäudebestand 2050 sieht Graichen: energetische Sanierung, Wärmepumpen, Fernwärme und zu einem gewissen Teil grüne Gase. Wobei es in allen vier Bereichen neuer Ansätze und verstärkter Anstrengungen bedürfe, unterstrich Graichen bei einem Panel der Fachtagung „Gas 2020“ des Handelsblatts am Mittwoch.
Bei der überfälligen Steigerung der jährlichen energetischen Sanierungsrate auf 1,5 bis 2 Prozent des Gebäudebestands müsse es vor allem um deren Industrialisierung nach dem Vorbild der Niederlande gehen, so der Agora-Chef. „Wahrscheinlich müssen wir hier nochmals mit Milliarden Euro rein“, um dies in Gang zu bringen, sagte er.
"Wärmenetz neu denken"
Auch die Herstellung von Wärmepumpen müsse weg von der Manufaktur, hin zu industrieller Massenfertigung, schon um den künftig enormen Bedarf abdecken zu können.
Auch bei der Dekarbonisierung der Fernwärme seien es nötig das „Wärmenetz neu zu denken“. Nicht mehr angehängt an eine Kraft-Wärme-Kopplungsanlage, wie bisher, zu einem integrierten Wärmenetz mit einer Vielzahl von Einspeisern nach dem Vorbild der Stromnetze. Neben großen Wärmepumpen werde hier sicherlich Wasserstoff eine Rolle spielen, aber auch Solarthermie, Müllheizkraftwerke, Abwärme oder Biomasse.
"Fünfeck" für einen künftigen Koalitionsvertrag
Beim Gas sieht er den Knackpunkt, wieviel grüne Gase für den Wärmebereich zur Verfügung stehen werden, angesichts des vordringlichen Dekarbonsierungsbedarfs der Industrie, des Schiffs- und des Flugverkehrs.
Um dies künftig politisch in einem Koalitionsvertrag auf den Weg zu bringen, sieht Graichen ein „Fünfeck“: nämlich einen Mix aus reformiertem Ordnungsrecht, einer Neuordnung der Förderung, eine Lösung für das Mieter-Vermieter-Dilemma bei der Sanierung durch verstärkte Anreize für Investitionen, eine ansteigende CO2-Bepreisung sowie einen sozialen Ausgleich für Mieter. (hcn)



