Die Stadtwerke Halle kommen mit ihrem strategischen Konzept, die Fernwärmeversorgung der Saalestadt deutlich auszubauen, mit großen Schritten voran. Bei der offiziellen Einweihungsfeier des „Energie- und Zukunftsspeichers“ mit 50 000 Kubikmetern Volumen, wurde zugleich die vor zwei Jahren gegründete Energie-Initiative Halle um weitere fünf Mitglieder erweitert.
Der 45 Meter hohe Heißwasserspeicher mit 40 Metern Durchmesser, der direkt am Heizkraftwerk Dieselstraße für zehn Mio. Euro errichtet wurde, ist inzwischen eine neue Landmarke geworden. Er erweitert die bisherigen Speichermöglichkeiten im Fernwärmesystem deutlich – und sorgt zugleich für eine weitere zeitliche Entkoppelung von der Strom- und Wärmeerzeugung. Während bislang lediglich Preis- und Bedarfsschwankungen von wenigen Stunden ausgeglichen werden konnten, reicht die Kapazität nunmehr zumindest im Sommer für bis zu drei Tage aus, an denen die volle benötigte Wärmemenge nur aus dem Speicher entnommen werden kann, betonte Olaf Schneider, Geschäftsführer der Tochtergesellschaft Energieversorgung Halle (EVH).
Erneuerbar in der Wärmeversorgung stärken
Mit der Energie-Initiative Halle haben die mittlerweile 26 beteiligten Unternehmen, Genossenschaften und Institutionen eine freiwillige Vereinbarung zur Lieferung und Abnahme von Fernwärme geschlossen. Während die Großkunden sich damit langfristig verpflichten, ihre heutigen Abnahmemengen mindestens stabil zu halten und bei Neubauten auf Fernwärme zu setzen, verspricht die EVH im Gegenzug Sicherheit bei den Bezugskosten und der Bereitstellung sowie einen zum städtischen Strategie-Konzept passenden ökologischen Umbau.
Bereits im letzten Jahr wurde die Fernwärme komplett aus Kraft-Wärme-Kopplungs(KWK)-Anlagen realisiert, die vorhanden Spitzenlastkessel mussten nicht mehr eingesetzt werden, versichert Schneider. Mittelfristig sollen auch verstärkt erneuerbare Energiequellen in das Wärmekonzept einbezogen werden.
Offensive bei Neuanschlüssen
Mit der Gründung der Initiative ist der Fernwärmeabsatz nicht nur – wie eigentlich gedacht – konstant geblieben, sondern deutlich angewachsen. „Seit 2015 stieg die Anschlussleistung um 32 MW, das sind rund acht Prozent“, berichtet Technik-Chef Hans-Ulrich Thiel. Für das laufende Jahr rechnet das Unternehmen mit etwa 80 Neuanschlüssen, was etwa zehn MW entsprechen wird.
Um den Trend fortsetzen zu können, wird im Süden der Stadt das Netz weiter verdichtet. Hier werden neben Neubauten einer Wohnungsgesellschaft auch die Gebäude des Berufsförderungswerkes und der Paul-Riebeck-Stiftung angeschlossen.
Steuern und Umlagen bremsen das Geschäft
Bereits in den kommenden Monaten wollen die EVH zudem mit der Erneuerung der Gasturbinen beginnen. Im Oktober geht der Block C im GuD-Kraftwerk Dieselstraße vom Netz. Neue Turbinen für die beiden anderen Anlagen folgen 2019 und 2020. Anschließend kommt noch das GuD-Kraftwerk Trotha an die Reihe, so dass dann mindestens 120 Mio. Euro investiert sein werden. Vorbereitet ist zudem bereits der Aufbau einer großen Power-to-Heat-Anlage im Kraftwerk Dieselstraße, die bei hohem Stromangebot ebenfalls in den Fernwärmespeicher einspeisen könnte.
„Leider hat sich dort politisch bislang noch nichts getan, wir müssten so hohe Umlagen und Steuern auf den Strom bezahlen, dass wir erst bei negativen Börsenpreisen von 20 Euro je MWh im Geld sind“, rechnet Stadtwerke-Chef Matthias Lux vor. Das sei für sein Unternehmen derzeit nicht tragbar, wenngleich so die hohen Redispatch-Kosten damit volkswirtschaftlich sinnvoll reduziert werden könnten.
Großspeicher hat positiven, baulichen Effekt
In Betrieb ist der neue Großspeicher in Halle, der noch ein Rot-Grün-Beleuchtungskonzept für das Be- und Entladen erhalten soll, übrigens noch nicht. Weil aus Korrosionsschutzgründen nur entmineralisiertes Wasser genutzt werden kann, wird die Befüllung rund 100 Tage dauern. Die enormen Masse mit der das Wassers durch ein fünf Meter dickes Betonfundament aufgefangen wird, könnte noch einen nützlichen Nebeneffekt haben. Die Statiker haben errechnet, dass durch den Druck auf den Boden der um einige Millimeter aus dem Lot geratene 143-Meter-Schornstein wieder gerade stehen könnte. Olaf Schneider nimmt das gelassen, zumal es für die Standsicherheit ohne Belang ist: „Das ist erst mal eine nette Theorie. Im Dezember werden wir nachmessen.“ (masch)
