Es geht voran auf der Baustelle im Herzen Neuruppins (Brandenburg), wo unter Beteiligung der örtlichen Stadtwerke eines der größten CO2-neutralen Wohnprojekte Brandenburgs entsteht.
Drei von fünf geplanten Gebäuden sind schon fertiggestellt und 48 Wohnungen bezogen. Bei Abschluss der Arbeiten Ende 2024 sollen es bis zu 90 Wohnungen sein — plus Arztpraxis, Kindergarten und Restaurant.
Vorzeigeprojekt "Womena"
Vor fünf Jahren taten sich die Stadtwerke mit der örtlichen Wohnungsbaugenossenschaft WBG zusammen, um ein Wohngebiet zu entwickeln, das sozial und ökologisch neue Standards setzen, Wohnen, Mensch und Natur in Einklang bringen sollte. Entsprechend nannten die Beteiligten das Projekt "Womena".
Eines der Ziele war es, ein Energiekonzept zu schaffen, das Strom, Wärme und Mobilität verknüpft und auf erneuerbaren Quellen beruht.
Paradestück Wärmeversorgung
Deshalb sind auf den Dächern der neuen Gebäude Solarkollektoren verlegt. Sie sollen die Bewohner im Rahmen eines Mieterstrommodells mit Strom versorgen.
Als Paradestück gilt allerdings die Wärmeversorgung. Die Beteiligten wollen damit zeigen, wie die Wärmewende ganz ohne Gas und Kohle sowie möglichst umweltschonend, wirtschaftlich und sozial verträglich gelingen kann — eine Herausforderung, vor der viele Kommunen in der Bundesrepublik stehen.
Wärmeversorgung mit mehreren Säulen
Die "Womena"-Wärmeversorgung fußt auf mehreren Säulen: auf thermischen Solaranlagen, Abluft- und Wärmepumpen und E-Tanks als Energiespeicher.
Ferner besteht Anschluss zum Fernwärmenetz der Stadtwerke. Dieses kann sommerliche Überschüsse bei Solarerträgen aufnehmen und an kalten Wintertagen als Notreserve Wärme liefern. Eine intelligente Heizzentrale dient als Bindeglied zwischen den einzelnen Komponenten.
Erster Härtetest bestanden
2019 gehörten die Projektbeteiligten zu den Preisträgern des Brandenburger Energieeffizienzpreises, den das Land und die VKU-Landesgruppe Berlin-Brandenburg dieses Jahr zum fünften Mal ausloben. Nun scheint das Konzept auch den ersten Härtetest bestanden zu haben.
"Obwohl der letzte Winter sehr kalt war und sich das Projekt noch in der abschließenden Bauphase befindet, kamen wir bereits auf eine Eigenversorgungsquote im Wärmebereich von etwa 80 Prozent", sagt Thoralf Uebach, Geschäftsführer der Stadtwerke Neuruppin.
Kleines Elektroauto zum Einkaufen
Inzwischen können die Bewohner auch ein kleines Elektroauto zum Einkaufen oder für Ausflüge nutzen. Das Carsharing-Projekt der Stadtwerke startete im November. "Mittlerweile haben wir mehr als 30 Nutzer", sagt Uebach. "Die Resonanz ist sehr gut."
Was die Wirtschaftlichkeit des Projektes betreffe, befänden sich die Stadtwerke noch in einer "Lernkurve", gibt der Geschäftsführer zu. "Ohne entsprechende Anschubfinanzierung sind die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen sehr, sehr schwierig."
Zuspruch von brandenburgischem Wirtschaftsminister
Gleichfalls sei es wichtig, Pioniergeist zu zeigen und zu testen, inwiefern sich das Projekt auch in anderen Bereichen der Stadt adaptieren lasse.
Zuspruch bekommen die Stadtwerke vom brandenburgischen Wirtschaftsminister Jörg Steinbach (SPD). Vorhaben wie "Womena" kämen auf dem Weg zu einem klimaneutralen Deutschland "ganz besondere Bedeutung" zu, sagt er.
Bedeutung von Womena
"Wir klagen ja oft, dass die Energiewende-Diskussion zu sehr auf den Strom reduziert, Wärme dagegen stiefmütterlich behandelt werde. Umso wichtiger ist es, auch im Wärmebereich Vorzeigeprojekte zu haben. Das gibt dem Thema eine ganz andere Prominenz." (ab)
Siehe auch: Der Tesla-Effekt: Chance für Deutschlands Energiewirtschaft?



