Die Stadtwerke Tübingen (SWT) wurden für ihr Abwärmeprojekt mit der "Ort voller Energie"-Plakette ausgezeichnet, wie die Stadtwerke mitteilten. Hierbei hatten sie unter anderem eine Fernwärmeleitung vom Betriebsgelände der Gehard Rösch Gruppe verlegt. Damit nutzen die Tübinger die Abwärme, die bei der energieintensiven Abluftreinigung der Textilproduktion entsteht, weiter im Fernwärmenetz.
Für Ortwin Wiebecke, Geschäftsführer der Stadtwerke, ist dies ein Ansatz für den Klimaschutz: "Mit innovativen Ansätzen wie diesem erreichen wir wichtige Effekte für den Umwelt- und Klimaschutz. Denn wenn Abwärme als Fernwärme in unserem Netz weiter genutzt wird, anstatt einfach durch den Schornstein zu entweichen, können klimaschädliche Emissionen vermieden werden, die sonst etwa durch den Einsatz fossiler Brennstoffe entstanden wären".
Eckdaten: So funktioniert es
Am Produktionsstandort entsteht bei der Textilproduktion eine große Menge Abwärme. Ein Absaugmechanismus führt die heiße Abluft zur Nachbehandlung einer regenerativen thermischen Oxidations-Anlage (RTO) zu. Für die Nachbehandlung muss Erdgas zugeführt werden. Bei der Auskühlung des heißen Abgasstroms in der RTO nimmt Heizwasser aus dem Rücklauf der Stadtwerke Wärme auf und wird erhitzt in das Wärmenetz rückgeführt. Damit wird es möglich, die im Energietausch gewonnene Wärme an einen anderen Wärmeverbraucher weiterzugeben.
Die verfügbare überschüssige Warmluftmenge entspricht rund 20 Prozent des Jahreswärmeverbrauchs in den Fernwärmenetzen Südstadt und Uhlandschiene. Bis zu 5900 Megawattstunden können bei guter Produktionsauslastung pro Jahr im Fernwärmenetz genutzt werden. Um diese Wärmemenge in einer konventionellen Kesselanlage zu erzeugen, müssten circa 700.000 Liter Heizöl verbrannt werden. Die SWT haben für die Baumaßnahmen rund drei Millionen Euro investiert. Bei der Realisierung des Projekts helfen auch Fördermittel von über 700.000 Euro, welche die Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) bereitstellt.
Gestiegene Betriebskosten
Arnd-Gerrit Rösch, geschäftsführender Gesellschafter der Gerhard Rösch Gruppe merkt jedoch an: "Was man aber nicht außer Acht lassen darf, ist, dass wir die RTO ausschließlich bauen mussten, um die neuesten Umweltauflagen zu erfüllen. Nun müssen wir in unserem Prozess deutlich mehr Erdgas zuführen und wesentlich mehr CO2 ausstoßen, als wir es ursprünglich getan haben. Wenn nun noch die CO2-Steuer erhoben würde, ist die RTO zwar mit diesem Projekt eine bahnbrechende Innovation für das Wärmenetz, für uns als Familienbetrieb wäre die CO2-Steuer betriebswirtschaftlich allerdings noch schlechter zu tragen." (gun)
