Der deutsche Markt für die Klärschlammentsorgung befindet sich im Umbruch. Denn große und mittlere Kläranlagen dürfen ihren Abfall spätestens ab 2032 nicht mehr als Dünger verkaufen, sondern sind verpflichtet, den wertvollen Rohstoff Phosphor zurückzugewinnen.
Zudem setzt die Abschaltung deutscher Kohlekraftwerke bis spätestens 2038 die Betreiber von Kläranlagen unter Druck. Damit werden die Mitverbrennungskapazitäten immer knapper und die Entsorgungspreise steigen weiter. Davon profitieren dürften vor allem Betreiber von Anlagen, die ausschließlich Klärschlamm verbrennen.
Planungs- und Bauboom
In einer neuen Studie warnt das Trend- und Marktforschungsinstitut Waste Research: Der massive Zubau von Monoverbrennungsanlagen führe langfristig zu Überkapazitäten.
Demnach beobachteten die Autoren in den vergangenen Jahren deutschlandweit einen Planungs- und Bauboom für Monoverbrennungsanlagen. Derzeit seien 43 Projekte für Klärschlamm-Monoverbrennungsanlagen mit einer geplanten Gesamtkapazität von 1,34 Millionen Tonnen Trockenrückstand bekannt, schreibt das Institut in einer Pressemitteilung. Vor allem in großen Ballungszentren und Städten wie Berlin, München, der Rheinland-Region und der Rhein-Main-Region seien neue Anlagen geplant.
Derzeit nur wenige Anlagen in Betrieb
Im Vergleich zu den bestehenden Kapazitäten sei dies ein "sehr massiver Zubau", teilt das Institut mit. Aktuell seien in Deutschland lediglich 25 Anlagen mit einer Gesamtkapazität von 620.000 Tonnen Trockenrückstand in Betrieb.
Noch sei die Entsorgungssituation in Teilen Deutschlands angespannt, analysieren die Autoren. Künftig allerdings entstehe zunehmend die Gefahr von Überkapazitäten im Markt. Insbesondere in einzelnen Regionen mit vielen Neubauprojekten komme es dadurch zu einem "Wettlauf" um Verträge.
1,84 Millionen Tonnen TR
Die Studienautoren entwickeln unter anderem ein Szenario, in dem die landwirtschaftliche Nutzung von Klärschlamm vollkommen eingestellt wird. Sie nehmen an, dass die Corona-Pandemie nur geringen Einfluss auf Planung und Bau der Verbrennungsanlagen haben wird. Alle neuen Projekte werden nach Zeitplan fertiggestellt.
In diesem Szenario erreichen die Anlagen eine Gesamtkapazität von 1,84 Millionen Tonnen Trockensubstanz. Die dabei entstehenden Überkapazitäten verringern die Inputvolumen der Mitverbrennungsanlagen deutlich. Zusätzlich zu den erwartbaren Kapazitäten sind hier noch Restkapazitäten in Planung, bei denen bislang kein Datum für die Inbetriebnahme feststeht. In diesem Fall würde die Grenze von zwei Millionen Tonnen Trockensubstanz überschritten. (ab)



