In Deutschland fielen 2016 insgesamt 18,16 Mio. Tonnen Verpackungsabfall an. Das ist ein Anstieg um 0,05 Prozent gegenüber 2015, und es entspricht 220,5 Kilogramm Verpackungsabfall pro Kopf. Deutschland liegt europaweit an der Spitze, denn in der gesamten EU lag der Verbrauch pro Person nur bei 167,3 Kilogramm. Diese Zahlen ergeben sich aus dem aktuellen Bericht des Umweltbundesamtes (UBA) zu Aufkommen und Verwertung von Verpackungen in Deutschland.
Maria Krautzberger, Präsidentin des Umweltbundesamtes: „Wir produzieren viel zu viel Verpackungsmüll – ein trauriger Spitzenplatz in Europa.“ Das Recycling und der Rezyklateinsatz müsse gestärkt werden, um Ressourcen zu schonen: „Und vor allem müssen wir Müll vermeiden, auch schon in der Produktionsphase durch den Verzicht auf unnötige und unnötig materialintensive Verpackungen. Außerdem sollten Mehrwegsysteme gestärkt werden, die klare ökologische Vorteile gegenüber Einwegverpackungen haben.“
Alarmierende Tendenz
Zum hohen Aufkommen beim Verpackungsmüll erklärt Bettina Hoffmann, umweltpolitische Sprecherin der Grünen: „Der hohe Verpackungsanteil in Deutschland ist alarmierend. Die Bundesregierung muss dringend das Thema angehen und den Trend umkehren. Dafür fordern wir ein quantifizierbares, verbindliches und auf ein Datum festgelegtes Vermeidungsziel für Verpackungsabfall.“ Darüberhinaus solle die Industrie reguliert werden, damit vermehrt materialsparende Nachfüllbeutel zum Einsatz kämen. Auf massive Kunststoffflaschen sowie Doppelt- und Dreifachverpackungen solle verzichtet werden.
Hoffmann weiter: „Auch überdimensionierte Schummel-Verpackungen, in denen Verbraucherinnen und Verbraucher viel Luft und wenig Inhalt angedreht wird, gehören abgeschafft.“ Auch der Trend zu immer mehr Lebensmitteln, die unterwegs verzehrt werden könnten, sei kritisch zu sehen. Viele Menschen setzten schon jetzt darauf, auch unterwegs ihren Mehrweg-Kaffeebecher auffüllen zu lassen oder sich an der Frischetheke die Waren direkt in die eigene Dose füllen zu lassen: „Die Bundesregierung muss Kommunen und Handel dabei unterstützen, praktikable und rechtssichere Lösungen zu finden, ohne dass die Hygiene leidet.“
Anforderungen beim Kunststoffrecycling werden steigen
70 Prozent des Verpackungsabfalls hierzulande wurden recycelt, der Rest wurde großteils verbrannt. Die Recyclingquote variiert bei den unterschiedlichen Verpackungen: Vergleichsweise hoch ist sie bei Glas (85,5 Prozent), Papier/Karton (88,7 Prozent), Aluminium (87,9 Prozent) und Stahl (92,1 Prozent). Bei Kunststoffen (49,7 Prozent) und Holz (26 Prozent) gibt es jedoch noch viel Potenzial. Gerade Kunststoffverpackungen sind aufgrund der Materialvielfalt schwierig zu sortieren und recyceln. 2016 konnten immerhin 0,9 Prozent mehr Kunststoffverpackungen recycelt werden als im Vorjahr; das waren erstmals mehr als verbrannt wurden.
Ab 1.Januar 2019 tritt das neue Verpackungsgesetz in Kraft. Dann muss zumindest das Kunststoffrecycling der Verpackungen weiter gesteigert werden, die im dualen System anfallen. Zunächst liegt die Zielquote bei 58,5 Prozent, ab 2022 bei 63 Prozent. Dies betrifft alle Verpackungen, mit denen sich Hersteller bei dualen Systemen beteiligen müssen und die über die Wertstoffsammlungen (Glas-, Papiersammlung, Gelber Sack, Gelbe Tonne, Wertstofftonne und Wertstoffhöfe) entsorgt werden.
Magneten aus Neodyn im Fokus
Der Verbrauch von Kunststoffverpackungen der privaten Endverbraucher nahm minimal ab von 25 kg auf 24,9 kg pro Kopf. Dafür wurden mehr Glas- und Aluminiumverpackungen verwendet, was darauf schließen lässt, dass diese Kunststoffverpackungen ersetzen. Glas und Aluminium sind in der Herstellung jedoch sehr energieintensiv. Maria Krautzberger: „Kunststoff durch andere Verpackungsmaterialien zu ersetzen ist nicht immer ökologisch sinnvoll. Besser ist es, weniger Verpackungsmaterial zu nutzen und die Verpackungen weniger aufwändig zu gestalten.“
Neodymmagneten stellten ein besonderes Problem dar. Sie sind immer häufiger in kurzlebigen Verpackungen zu finden. Die Magnete werden vor allem als Verschluss in Schachteln verwendet und stellen bei der Entsorgung einen Störstoff in der Pappe- und Papierfraktion dar. Neodym gehört zu den seltenen Erden und wird als kritische Ressource eingestuft. Im Jahr 2017 landeten in Deutschland rund 1,5 Tonnen reines Neodym im Müll. Bisher wird keine Rückgewinnung durchgeführt – das seltene Metall geht verloren. (sig)



