Die meisten Verwaltungsleistungen werden in Deutschland nur analog angeboten. (Symbolbild)

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Bild: © John Schnobrich/Unsplash

Wenn Unternehmen und Beschäftigte Spielregeln wie die Trennung von Beruf und Privatleben einhalten, haben flexibles Arbeiten und der digitale Wandel keine negativen Folgen. Vielmehr machen sie die Mitarbeitenden leistungsfähiger. Das geht aus einer Studie social der Barmer und der Universität St. Gallen hervor, teilt die Krankenkasse mit.

Demnach steige der Stress bei Einführung digitaler Arbeitsmethoden in der Regel zu Beginn um 6 Prozent. Danach fällt er aber um über 14 Prozent ab.

Digitaler Wandel schreitet voran

Bereits jetzt arbeiteten knapp 60 Prozent der Beschäftigten mobil, darunter 80 Prozent im Homeoffice. Der digitale Wandel werde nach Corona voranschreiten, so die Studienautor*innen. Deshalb sollten Betriebe die Voraussetzungen für gesunde und zufriedene Mitarbeitende schaffen.

Demnach fühlten sich seit Beginn der Pandemie bis Juli 2021 gleichbleibend rund 32 Prozent der Frauen und knapp 26 Prozent der Männer erschöpft. Auch die arbeitsbezogene Unsicherheit blieb praktisch konstant. Zuletzt klagten rund 18 Prozent der Frauen und 15 Prozent der Männer darüber.

Bewusste Abgrenzung im Homeoffice

Dass die Werte nicht negativer ausfallen, schreibt die Studie unter anderem einem klaren Grenzmanagement zu. Dazu gehört die bewusste räumliche Trennung von Arbeits- und Privatbereich, auch im Homeoffice. Hier scheinen Männer klar im Vorteil zu sein. Während 64 Prozent einen abgetrennten Raum zum Arbeiten nutzen können, treffe das lediglich auf 54 Prozent der Frauen zu.

"Frauen müssen immer noch häufiger den Spagat zwischen Familie und Karriere leisten. Das kann das ungestörte Arbeiten im Homeoffice enorm erschweren", sagt Christoph Straubt, Vorstandsvorsitzender, Barmer.

An der Chancengleichheit ansetzen

Leistungsfördernd ist der Studie zufolge außerdem eine gute Inklusion der Mitarbeitenden in ihren Teams. Eine als fair empfundene Behandlung könne deren Gesundheit verbessern. Allerdings sehen nur gut 42 Prozent der Befragten gleiche Chancen etwa bei der Karriere und der Bezahlung.

Hier gibt es Unterschiede zwischen den Geschlechtern. Während gut 45 Prozent der Männer eine Chancengleichheit wahrnehmen, sind es bei den Frauen weniger als 40 Prozent. "An dieser Stelle sollten Unternehmen noch stärker als bisher ansetzen", rät der Autor der Studie, Stephan Böhm, Professor für Diversity Management und Leadership, Universität St. Gallen.

Digitaler Reifegrad ist wichtig

Wie aus der Studie weiter hervorgeht, ist auch der digitale Reifegrad einer Firma für die Leistungsfähigkeit der Beschäftigten wichtig. Zwar steigt der Stress bei Einführung digitaler Arbeitsmethoden zunächst an. Am Ende liegt er aber niedriger als vor der Einführung.

"Digitalisierung und flexiblere Arbeit können die Beschäftigten mittelfristig gesünder und leistungsfähiger machen. Das sollte die Unternehmen zusätzlich für den digitalen Wandel motivieren", sagt Böhm.

Langzeitstudie über dreieinhalb Jahre

An der Studie nehmen etwa 8000 Erwerbstätige in insgesamt acht Wellen über dreieinhalb Jahre teil. Es ist die erste Langzeiterhebung ihrer Art, heißt es. Sie betrachtet die Auswirkungen von Flexibilisierung und Digitalisierung auf die Arbeitswelt und analysiert dabei das soziale Wohlbefinden der Beschäftigten. (jk)

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