Jahrzehntelang war das Jahresabo für den Nahverkehr eine Win-Win-Win-Situation: für Arbeitnehmer, Verkehrsunternehmen und die Umwelt. Wer regelmäßig fünf oder sechs Tage pro Woche mit Bus oder Bahn zur Arbeit fuhr, kam mit dem Monats- oder Jahresabo günstig weg. Und auch die Verkehrsunternehmen profitierten von regelmäßigen Einnahmen.
Doch spätestens seit Corona bröckelt das Modell: Für Menschen, die einen Teil ihrer Arbeit im Homeoffice erledigen können, taugen die Monats- oder Jahresabosl nicht richtig. Wer den Nahverkehr zwar öfter, nicht aber jeden Tag nutzt, für den stehen kaum geeignete Tarife zur Verfügung.
Durch Corona verlorene Fahrgäste zurückgewinnen
Baden-Württemberg reagiert jetzt auf die Situation: Das Land will Nahverkehrs-Abos flexibler und benutzerfreundlicher machen. Verkehrsminister Winfried Hermann hat seinen Stuttgarter Ministerkollegen erste Schritte zur Einführung eines Flex-Abotickets vorgestellt. Es sei wichtig, durch flexible Abos Fahrgäste zurückzugewinnen, die in Folge von Homeoffice ihre Abos gekündigt haben.
Gesucht sind innovative Tarifmodelle, bei denen Bürgern, die Homeoffice machen können oder in Teilzeit beschäftigt sind, passende Angebote gemacht werden. 20 Millionen Euro stellt das Land für die Entwicklung neuer Tarife zu Verfügung.
Den geänderten Bedürfnissen entsprechen
Minister Hermann sagte: „Wir möchten im öffentlichen Nahverkehr die Entwicklung zu neuen und flexiblen Tarifen weiter vorantreiben. Die flexiblen Abos sollen den geänderten Mobilitätsbedürfnissen besser entsprechen. Zudem soll in Baden-Württemberg eine harmonisierte und nachhaltige Tariflandschaft mit vergleichbaren Tarifsystemen und einheitlichen Rabattstrukturen entstehen. Damit fördern wir mehr Digitalisierung im ÖPNV, denn die neuen Modelle werden auch digital zur Verfügung stehen. Unser Ziel ist, durch neue günstige Tarifangebote nun auch neue Kunden zu gewinnen.“
Die Tendenz zum Homeoffice betrifft aber nicht nur die Arbeitnehmer: Die Entwicklung dürfte sich auch auf Studierende und gegebenenfalls perspektivisch auf Schüler ausdehnen. Um diese Gruppen auch in einer veränderten Arbeits- und Lernwelt im ÖPNV zu halten und neue Gruppen für den Nahverkehr zu gewinnen, brauche es innovative, flexible und digital verfügbare Tarifmodelle.
Digital ist Pflicht
Das Verkehrsministerium wird dazu ein Interessenbekundungsverfahren starten. Darin können Verkehrsverbünde und -unternehmen Vorschläge für innovative und flexible Tarifmodelle einbringen. Diese Tarife sollen auch digital verfügbar sein – nach dem Motto: „Mit dem Handy automatisch zum besten Tarif“. Die nun zur Verfügung gestellten Mittel von 20 Millionen Euro sollen einen Anstoß geben, den Weg in diese neue Welt der innovativen Tarifangebote zu gehen. (wa)



