Über eine stillgelegte Rolltreppe der U-Bahn-Station Dom/Römer geht es Stufe für Stufe hinab in den Frankfurter Untergrund. Schwere Stiefelschritte und das Brummen eines Baufahrzeugs hallen durch das Tunnelgewölbe. Eine kleine Steintreppe führt bis ins Gleisbett. Seit Beginn der hessischen Osterferien stehen die U-Bahn-Linien 4 und 5 in Frankfurt still.
Bis zu 200 Menschen arbeiten seitdem täglich in dem etwa 2,6 Kilometer langen Tunnelsystem der sogenannten B-Strecke. Im Mittelpunkt des dreiwöchigen Bauprojekts steht die Installation des «Digital Train Control Systems» (DTC), ein digitales Zugsicherungssystem.
U-Bahnen sollen teilweise automatisch fahren
Es soll den Frankfurter Nahverkehr in die Zukunft bringen, wie Mobilitätsdezernent und VGF-Aufsichtsratsvorsitzender Wolfgang Siefert (Grüne) sagt. Das DTC-System basiere auf der Kommunikation zwischen Zügen und Strecke und ermöglicht laut VGF das Fahren „im wandernden Raumabstand“. „Das System weiß sozusagen zu jedem Zeitpunkt, welche Bahn an welcher Stelle ist“, erklärt Siefert. „Dadurch können wir mehr Bahnen fahren lassen, ohne ein Gleis mehr zu bauen.“ Auf der B-Strecke bedeute das in der Hauptverkehrszeit ein Plus von sechs Zügen pro Stunde.
Zudem sei die Installation des digitalen Systems ein Schritt in Richtung Automatisierung: „Das System kann zwischen den Stationen eigenständig fahren“, sagt Siefert. Zugführer müssten lediglich die Bahnsteigabfertigung übernehmen, also sicherstellen, dass bei der Abfahrt „keiner mehr eine Hand in der Tür hat oder versucht, noch reinzukommen“.
Energieeffizienter unterwegs
Doch das sei nicht der einzige Vorteil des digitalen Sicherungssystems. Durch vorausschauendes Bremsen und Beschleunigen fahren die Züge laut VGF nicht nur sanfter und damit komfortabler für die Passagiere, sondern sollen auch energieeffizienter unterwegs sein. Das Unternehmen kann durch die Umrüstung auf DTC nach eigenen Angaben bis zu 15 Prozent Strom sparen. Zudem reduziere sich der Verschleiß von Fahrzeugen und Schienen.
Bis die ersten Züge halbautomatisch durch den Frankfurter Untergrund rollen, wird es aber noch etwas dauern, wie Projektleiterin Merwe Maas sagt. „Wir werden das System voraussichtlich 2027 gemeinsam mit der U5-Verlängerung ins Europaviertel in Betrieb nehmen können.“
Digitalisierung kostet rund 250 Millionen Euro
Bis 2031 plant die VGF, alle neun Linien des Frankfurter U-Bahn-Systems mit der neuen Zugsicherungstechnik auszustatten. Das Projekt kostet insgesamt rund 250 Millionen Euro. Von Bund und Land Hessen erhält das Unternehmen nach eigenen Angaben rund 100 Millionen Euro.
Die Installation des DTC-Systems gilt als eines der wichtigsten Zukunftsprojekte der Frankfurter Verkehrsgesellschaft. Eng damit verknüpft ist das Großprojekt „Frankfurt Mind“, in dem VGF und das Straßenverkehrsamt Frankfurt den ÖPNV zusätzlich durch die Modernisierung der oberirdischen Straßenverkehrstechnik stärken wollen. Öffentlicher Nahverkehr, Individualverkehr und Ampelanlagen sollen miteinander verknüpft werden, um den Verkehr effizienter und reibungsloser zu gestalten. Die VGF spricht von einem in Europa sowie Nord- und Südamerika einmaligen hybriden Konzept. Eine Kosten-Nutzen-Analyse habe ergeben, dass dessen Realisierung 12.500 Mehrfahrten des ÖPNV pro Tag ermögliche. (dpa)

