Auch das Kraftwerk Moorburg (Hamburg) soll bald stillgelegt werden — nach fünf Jahren Betrieb.

Auch das Kraftwerk Moorburg (Hamburg) soll bald stillgelegt werden — nach fünf Jahren Betrieb.

Bild: © Markus Scholz/dpa

Das Bundeswirtschaftsministerium und das Bundesverkehrsministerium haben 62 Wasserstoff-Großprojekte ausgewählt, die im Rahmen eines gemeinsamen europäischen Wasserstoffprojekts (IPCEI-Projekte) staatlich gefördert werden sollen. Über 8 Mrd. Euro Fördergelder sollen für die Vorhaben insgesamt bereitgestellt werden, sagte Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier bei einer Online-Pressekonferenz. 4,4 Mrd. Euro kommen aus dem Bundeswirtschaftsministerium; bis zu 1,4 Mrd. Euro aus dem Bundesverkehrsministerium. Die übrigen Fördermittel werden von den Bundesländern zur Verfügung gestellt. Insgesamt rechnet Altmaier mit Investitionen in Höhe von 33 Mrd. Euro, davon sollen über 20 Mrd. Euro von privaten Investoren kommen.

Wie Altmaier erläuterte, ist das Interesse am Thema Wasserstoff riesig. Insgesamt seien 230 Förderanträge eingegangen. Bei der Auswahl habe man unter anderem darauf geachtet, dass die Projekte geeignet seien, in erheblichem Umfang CO2 einzusparen. Wichtig sei auch, dass sie die gesamte Wertschöpfungskette abbilden und von herausragender industriepolitischer Bedeutung seien.

Fördergelder für ein Wasserstoffnetz

Im Bereich des BMWi wurden nach Angaben des Ministers 50 Projektskizzen ausgewählt. Im Bereich der Erzeugung von grünem Wasserstoff komme man auf eine Elektrolyseleistung von über 2 Gigawatt. Fördern werde man auch Infrastrukturprojekte, so Altmaier weiter. Man wolle den Bau von Wasserstoffleitungen mit einer Länge von rund 1700 km voranbringen. Zu den Gewinnern gehören vor allem die großen Stahlkonzerne, die laut Altmaier allesamt überzeugende Investitionsvorhaben eingereicht hatten. Aber auch die Chemieindustrie darf auf staatliche Unterstützung hoffen.

Die Energiewirtschaft hat es unter anderem mit dem Wasserstoffprojekt "Hamburg Green Hydrogen Hub" der vier Unternehmen Shell, Mitsubishi Heavy Industries (MHI), Vattenfall sowie der kommunalen Wärme Hamburg auf die Shortlist für die EU-Förderung geschafft. Am Standort Moorburg wollen die Projektpartner künftig gemeinsam Wasserstoff aus Wind- und Solarkraft erzeugen. Neben der Errichtung eines Elektrolyseurs mit einer noch erweiterbaren 100 Megawatt Leistung soll auch untersucht werden, inwieweit die bestehende Infrastruktur künftig zur Energieerzeugung auf Basis erneuerbarer Energien genutzt werden kann. Dabei sollen Logistikketten und Speichermöglichkeiten für Wasserstoff mitgedacht werden. Auch das Projekt HH-WIN von Gasnetz Hamburg, bei dem es um den Wasserstofftransport in der Freien und Hansestadt geht, hat sich bei der Auswahl durchgesetzt. 

RWE ist nach eigenen Angaben an drei Projekten beteiligt, die nun Chancen auf Förderung haben: ein gemeinsames Projekt mit Partnern der GET-H2-Initiative sowie die Projekte AquaPrimus 2 und HyTechHafen-Rostock.

Steag mit mehreren Teilprojekten erfolgreich

Die Steag hat bei drei von vier Teilprojekten des Projektverbundes, dem die Partner Creos, Siemens Energy, SHS – Stahl-Holding-Saar, und Saarbahn angehören, die erste Hürde auf dem Weg zu einer Förderung genommen. Für das im ersten Schritt nicht bezuschlagte Projekt der Saarbahn stellte Minister Altmaier in der Pressekonferenz Bemühungen in Aussicht, eine alternative Förderlösung zu finden, wie die Steag mitteilt.

EWE wiederum freut sich, dass das norddeutsche Wasserstoffprojekt „Clean Hydrogen Coastline“ für die zweite Stufe des IPCEI-Verfahrens qualifiziert ist. Auch das verbundene Projekt HyPerLink sei für diesen nächsten Schritt qualifiziert, teilt der Versorger mit.

Scheuer: Tafelwasser statt Champagner

Im Mobilitätsbereich hat das Bundesverkehrsministerium 12 Vorhaben ausgewählt. Diese betreffen die Entwicklung und Herstellung von Brennstoffzellen-Systemen und Fahrzeugen - vom Pkw über den LKW bis hin zu Kommunalfahrzeugen. Zudem soll der Aufbau einer Betankungsinfrastruktur für Wasserstoff gefördert werden. Man wolle Deutschland zum Wasserstoff-Land machen, sagte Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) in einer Video-Botschaft. Grüner Wasserstoff müsse vom Champagner zum Tafelwasser werden.

Und auch Peter Altmaier verfolgt ehrgeizige Ziele. „Wir wollen bei Wasserstofftechnologien die Nummer 1 in der Welt werden. Dafür bündeln wir unsere Kräfte in Europa und stoßen durch das erste gemeinsame europäische Wasserstoffprojekt massive Investitionen in die Zukunftstechnologie Wasserstoff an. Das sichert Wettbewerbsfähigkeit und Arbeitsplätze – in Deutschland wie auch in Europa“, so der Minister.  

Beihilferechtliche Genehmigung steht noch aus

Die Förderung der deutschen Vorhaben erfolgt im Rahmen eines europäischen Projekts (IPCEI Wasserstoff) gemeinsam mit bis zu 22 europäischen Partnerländern. Die verschiedenen nationalen Projekte sollen nun miteinander vernetzt werden. Ziel sei es, dass noch in diesem Jahr die Projekte von der Europäischen Kommission beihilferechtlich genehmigt werden können, sagte Altmaier.

Eine Übersicht der Projekte gibt es hier. (amo)

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