Umweltministerin Svenja Schulze hat die Kritik vernommen und sucht den Diskurs.

Umweltministerin Svenja Schulze hat die Kritik vernommen und sucht den Diskurs.

Bild: © Kay Nietfeld/dpa

Für Umweltministerin Svenja Schulze (SPD) ist die mit Spannung erwartete Nationale Wasserstoffstrategie auch ein Konjunkturprogramm. "Das Thema Wasserstoff ist nicht nur mit Blick auf den Klimaschutz relevant, sondern auch wirtschafts- und industriepolitisch wichtig", sagte sie bei einer vom SPD-Wirtschaftsforum veranstalteten Videokonferenz. Deutschland müsse bei diesem wichtigen Thema nun schnell stärker nach vorne kommen und mit aller Kraft einen Markthochlauf für Wasserstoff organisieren, sagte die Ministerin.

Dass die Wasserstoffstrategie der Bundesregierung noch immer nicht auf dem Tisch liege, habe auch damit zu tun, dass man zäh über die Frage habe ringen müssen, wie detailliert und konkret das Papier sein solle. Der SPD sei von Anfang an zentral wichtig gewesen, dass eine Industriestrategie entwickelt werde und nicht "ein lyrisches Gesamtwerk zum Wasserstoff". Die Wasserstoffstrategie werde nun auf Drängen der SPD ein Aktionsprogramm für eine nachhaltige Wasserstoffwirtschaft enthalten, kündigte Schulze an.

Erneuerbare weiter ausbauen

Im Zentrum werde perspektivisch grüner Wasserstoff stehen. "Wenn wir grünen Wasserstoff wollen, brauchen wir zusätzlichen grünen Strom. Beim Ausbau der Erneuerbaren Energien müssen wir noch viel konsequenter vorangehen, sonst wird das nichts mit der Wasserstoffwirtschaft", stellte Schulze klar. Eingesetzt werden soll der Wasserstoff in den Bereichen, in denen er aktuell am dringendsten benötigt werde, weil es keine Alternativen gebe, also etwa in der Stahlindustrie. "Ich möchte, dass die Stahlproduktion in Deutschland bleibt. Als Umweltministerin habe ich nichts davon, wenn die die Produktion ins Ausland abwandert und das CO2 dann woanders produziert wird."

Der Wasserstoffmarkt werde aufgrund der Notwendigkeit, H2 zu importieren, ein globaler Markt sein, sagte die Ministerin. "Ich werde an der Grenze nicht kontrollieren können, welche Farbe der Wasserstoff hat. Aber wer eine Strategie erarbeitet, hat die Zukunft im Blick – und die ist eindeutig grün", sagte Schulze mit Blick auf den koalitionsinternen Streit über die verschiedenen "Wasserstofftypen".

Auf den "guten Willen" kommt es an

Schulze zeigte sich zuversichtlich, dass die Wasserstoffstrategie am 3. Juni vom Bundeskabinett verabschiedet werde. "Ich bin sehr optimistisch, dass das klappt, wenn alle Beteiligten guten Willen zeigen." Die Nationale Wasserstoffstrategie könne ein wichtiger Meilenstein für die Energiewende sein und einen wichtigen Beitrag dazu leisten, dass Deutschland gut aus der Krise herauskommt.

Zugleich warnte die Ministerin davor, das Wasserstoffthema in seiner Bedeutung für den Klimaschutz zu überschätzen. „Wasserstoff ist kein Allheilmittel. Wir werden viel mehr Anstrengungen unternehmen müssen, um die Klimaziele zu erreichen und CO2-frei zu werden“, betonte sie. (amo)

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