Egal ob Anlagenbauer, Zulieferer oder Projektentwickler, die Stimmung in der Windkraftindustrie ist gut – zumindest im VDMA-Presse-Club der Windenergy Hamburg, die in diesem Jahr Corona-bedingt online stattfindet. Allein die Kurzumfrage des VMDA zeigt: Außer in Mittel- und Südamerika werden die Entwicklungen für Wind an Land und auf See in Europa, Deutschland Asien und Nordamerika 2020 als besser oder teilweise sogar deutlich besser bewertet als im Vorjahr.
Die Corona-Krise habe die Branche laut Matthias Zelinger, Geschäftsführer VDMA Power Systems weniger beeinflusst als befürchtet und so sehe es prinzipiell ganz gut aus. Entscheidend für diesen Optimismus seien auch die jüngsten politischen Entscheidungen, wie das Windenergie-auf-See-Gesetz oder die ambitionierteren Klimaschutz-Pläne der EU. „Wir sehen mittlerweile wieder ein ‚pro Wind‘ in der Politik“, resümiert Zelinger.
Pläne für Ausbau von Cuxhavener Siemens-Werk
Pierre Bauer, CEO Offshore bei Siemens Gamesa sieht das ähnlich: Die Planungssicherheit sei dank der Entscheidungen in Deutschland und auf EU-Ebene gestiegen. Zudem begrüßt der Siemens-Manager die erhöhten Offshore-Ausbauziele von 40 GW bis 2040 in Deutschland und in Höhe von 60 GW bis 2030 in der EU. Doch es braucht mehr, um tatsächliche Klimaneutralität bis 2050 zu schaffen. Bauer rechnet damit, dass die aktuelle installierte Leistung in Europa auf das 25-fache ausgebaut werden muss.
Das sei eine Herausforderung für die gesamte Wertschöpfungskette, biete aber hierzulande auch die Chance von zahlreichen neuen Arbeitsplätzen mit Zukunft. Um auf die Nachfrage der kommenden Jahre vorbereitet zu sein, plant Siemens Gamesa ihr Werk in Cuxhaven zu erweitern. 200.000 Quadratmeter will das Unternehmen hier kaufen. Aktuell läuft die Erweiterung des Standorts Bremerhaven. 2022 sollen dort die Produktion starten. Als Zukunftsthemen sieht Bauer ganz klar Floating-Offshore und Power-to-X-Wendungen im Trend. Auch hier wolle Siemens Gamesa zum aktiven Player und Treiber werden.
Mittelstand als Innovationstreiber
Auch der österreichische Zulieferer Bachmann Electronic blickt positiv in die Zukunft, denn 2020 war für ihn ein sehr gutes Jahr, wie Geschäftsführer Bernhard Zangerl erklärt: „Dieses Jahr war getrieben vom chinesischen Markt. Etwa die Hälfte der Neubauten entfielen auf China.“ Zudem sieht der Österreicher den Mittelstand als Innovationstreiber, was zu einer weiteren Kostendegression und damit zu niedrigeren Stromkosten für den Endverbraucher führt.
Etwas mehr Druck macht Alex Robertson, Vice President Sales Germany, Austria and Switzerland bei Vestas: „Die erneuerbaren Energien decken erst ein Sechstel des Stromverbrauchs in Deutschland ab.“ Dementsprechend brauche es auch vier Mal so viel Windenergiezubau im Vergleich zur heute installierten Leistung. Hierfür seien mehr Standorte und einfachere Genehmigungsverfahren notwendig.
Zwar begrüße Robertson den Bund-Länder-Koordinierungsmechanismus zur Flächenbereitstellung, allerdings fehle es an konkreten Maßnahmen für weitere Standorte und auch an einer Repoweringstrategie. Hier schlägt Robertson eine einfache Anschlussregelung ohne restriktive Abstandsregeln und Höhenbegrenzungen vor. (lm)

