Die Projektpartner preschen voran, pochen aber auf gute politische Weichenstellungen beim "grünen Wasserstoff".

Die Projektpartner preschen voran, pochen aber auf gute politische Weichenstellungen beim "grünen Wasserstoff".

Bild: © Peterschreiber.media/AdobeStock

Die EU-Kommission setzt verstärkt auf grünen Wasserstoff, um das Ziel eines klimaneutralen Europas bis zum Jahr 2050 zu erreichen. Die am heutigen Mittwoch vorgelegte Wasserstoffstrategie sieht einen Mehrstufenplan vor. Bis zum Jahr 2024 will die EU-Kommission die Elektrolyseleistung massiv hochfahren. Konkret spricht die Strategie von der Produktion von bis zu 1 Mio. Tonnen grünem Wasserstoff, bis zum Jahr 2030 sollen es dann sogar bis zu 10 Mio. Tonnen sein. Zu diesem Zeitpunkt soll Wasserstoff bereits ein integraler Bestandteil des europäischen Energiesystems sein.

Bis zum Jahr 2050 soll der Einsatz von grünem Wasserstoff dann im großen Stil üblich sein. Die EU-Kommission nimmt dabei schwerpunktmäßig Sektoren in den Blick, die bei der Dekarbonisierung auf Wasserstoff angewiesen sind, also etwa die Stahlindustrie.

Keine Energie verschwenden

Die Wasserstoffstrategie ist eingebettet in eine zeitgleich präsentierte EU-Strategie zur Integration des Energiesystems. Diese sieht unter anderem vor, das Energiesystem stärker kreislauforientiert auszurichten, um möglichst keine Energie zu verschwenden. Beispielsweise schwebt der Kommission vor, die Wiederverwendung von Abwärme aus Industrieanlagen und Rechenzentren zu erleichtern. Darüber hinaus soll die Nutzung von grünem Strom ausgeweitet werden.

Vorgesehen ist auch eine gezielte Förderung erneuerbarer und CO2-armer Brennstoffe, einschließlich Wasserstoff. Dies soll beispielsweise erreicht werden durch die Erschließung des Potenzials von nachhaltiger Biomasse und Biobrennstoffen, von erneuerbarem Wasserstoff und von synthetischen Brennstoffen, aber auch durch die Schaffung von Voraussetzungen für die CO2-Abscheidung, -Speicherung und -Nutzung.

Dicker Maßnahmenkatalog

In der Strategie werden 38 Maßnahmen aufgeführt. Dazu gehören die Überarbeitung der bestehenden Rechtsvorschriften, eine Reform der Marktsteuerung und Infrastrukturplanung, finanzielle Unterstützung, aber auch das Auslaufen von Subventionen für fossile Brennstoffe.

Auf der Pressekonferenz machte Kommissions-Vize Frans Timmermans klar, dass beide Strategien nicht nur den europäischen Green Deal voranbringen, sondern auch der coronageplagten Wirtschaft wieder auf die Beine helfen sollen. "Die neue Wasserstoffwirtschaft kann ein Wachstumsmotor sein, der zur Überwindung der durch COVID-19 verursachten wirtschaftlichen Schäden beträgt. Bei der Entwicklung und der Einführung einer Wertschöpfungskette für sauberen Wasserstoff wird Europa weltweit eine Vorreiterrolle übernehmen und seine führende Stellung auf dem Gebiet sauberer Technologien behaupten", sagte er.

Wasserstoff mit Schlüsselrolle

Die für Energie zuständige Kommissarin Kadri Simson betonte, dass das Energiesystem der EU besser integriert und flexibler werden müsse, um die saubersten und kosteneffizientesten Lösungen nutzen zu können. "Wasserstoff wird dabei eine Schlüsselrolle spielen, da sinkende Preise für erneuerbare Energien und kontinuierliche Innovationen ihn zu einer tragfähigen Lösung für eine klimaneutrale Wirtschaft machen", zeigte sie sich überzeugt.

Um die Umsetzung der Wasserstoffstrategie soll sich unter anderem eine von der Kommission berufene "Europäische Allianz für sauberen Wasserstoff" kümmern. Ihr gehören nach ZfK-Informationen Vertreter von Shell, der Verbund AG, Daimler, Bosch und Salzgitter, aber auch Vertreter der Zivilgesellschaft an sowie einzelner Ministerien an. Aufgabe der Kommission ist es, Investitionen in die Wasserstofferzeugung zu lenken, führte der für den Binnenmarkt zuständige Kommissar Thierry Breton aus. Sie werde eine „Investitionspipeline“ für konkrete Projekte entwickeln, um die Anstrengungen zur Dekarbonisierung der energieintensiven Industrien zu unterstützen.

Wie grün ist die Strategie?

Im Mittelpunkt der europäischen Wasserstoffstrategie steht grüner Wasserstoff. Übergangsweise sollen jedoch auch die anderen Farben des Wasserstoffs zum Einsatz kommen. Das sei nötig, um einen Markt für den aktuell noch sehr kostspieligen grünen Wasserstoff zu schaffen und der Industrie Zeit zu geben, sich an die neuen Rahmenbedingungen anzupassen, sagte Timmermans.

Erdgas sei auch deshalb vorerst nicht verzichtbar, da es etwa mit Polen Länder gebe, in denen so gut wie alle Haushalte derzeit mit Kohle beheizt würden. Hier wäre bereits der Umstieg auf Erdgas ein entscheidender Fortschritt für das Klima. (amo)

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