"Wir sehen uns als Enabler und Vorreiter der Energiewende", unterstrich Stefan Kapferer, Vorsitzender der 50Hertz-Geschäftsführung, am Mittwochabend bei einem Pressegespräch in Berlin. Deshalb wolle man nun die gesamte Unternehmensstrategie an dem Ziel einer 100-prozentigen regenerativen Stromversorgung ausrichten und im Rahmen der Anforderungen an einen sicheren und zuverlässigen Netzbetrieb das gesamte Know-how hierfür einsetzen. Derzeit liegt der Anteil des erneuerbaren Stroms im Netzgebiet von 50Hertz bei 60 Prozent.
Der Übertragungsnetzbetreiber verspricht sich von der neuen Strategie, die unter dem Motto „Von 60 auf 100 bis 2032 – für eine Wirtschaft mit Zukunft“ steht, diverse Wettbewerbsvorteile. „Wer ein zu 100-prozent erneuerbares System steuern kann“, habe künftig die Nase in Europa vorne, unterstrich Kapferer. Deshalb werde man nun neue Ansätze in der Systemführung, eine konsequente Digitalisierung der Integration eines zunehmend volatilen Stromangebotes sowie die Beteiligung an innovativen Modellen der Sektorkopplung zur Erzeugung von Wärme und Wasserstoff aus regenerativem Strom aktiv vorantreiben.
"Regelzone zu einem Industriestandort der Zukunft entwickeln"
Zudem sieht sich 50Hertz als Partner von Unternehmen, Kommunen, Ländern und dem Bund für eine grüne Wirtschaft und neue Jobs. "Wir tragen durch einen hohen Anteil von erneuerbarem Strom in unserem Netz dazu bei, dass sich die Bundesländer Berlin, Brandenburg, Hamburg, Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen als attraktive Industriestandorte behaupten können", betonte Kapferer. Denn Unternehmen machten ihre Standortentscheidungen zunehmend von einem erneuerbaren Stromangebot abhängig und fragten zunehmend grünen Strom nach.
"Wir wollen unsere Regelzone zu einem Industriestandort der Zukunft entwickeln und sehen uns als Partner der Industrie bei der Dekarbonisierung", sagte Kapferer. Entsprechend wolle man auch Bund und Länder dabei unterstützen, geeignete Flächen und Potenziale für die Nutzung von Wind- und Solarenergie zu erschließen. Eine hohe Bedeutung misst Kapferer hierbei weiteren Offshore-Windparkflächen vor dem Darß und nordöstlich von Rügen bei.
Enge Zusammenarbeit mit Verteilnetzbetreibern entscheidend
Für entscheidend hält der 50Hertz-Chef auch eine enge Zusammenarbeit mit Verteilnetzbetreibern, denn schließlich würden ja die allermeisten erneuerbaren Anlagen in das Verteilnetz einspeisen. "Die Energiewende ist nur gemeinsam zu stemmen", unterstrich Kapferer. Er verwies hierbei auch auf die erfolgreiche Zusammenarbeit mit Stadtwerken, so in Rostock oder Stralsund, im Bereich von Power-to-Heat-Anlagen. Auch beim grünen Wasserstoff sieht Kapferer interessante Möglichkeiten der Kooperationen sowohl mit der Industrie als auch Stadtwerken.
"Wir streben allerdings nicht an, selbst Elektrolyseure zu betreiben“, stellte der 50Hertz-Chef klar. Auch misst er einer direkten Zusammenarbeit mit Gasnetzbetreibern keine hohe Priorität zu. Vielmehr wolle man eruieren, wo ein hoher Wasserstoffbedarf bestehe, um künftig ausreichend Strom an diese Standorte transportieren zu können.
63 GW erneuerbare Stromerzeugungsleistung bis 2032
Kapferer rechnet damit, dass der Stromverbrauch in der 50Hertz-Regelzone bis 2032 auf rund 112 Terrawattstunden klettert und dort erneuerbare Stromerzeugungsanlagen mit einer Leistung von 60 bis 63 Gigawatt (GW) installiert sind. Derzeit liegt die erneuerbare Stromerzeugungskapazität im Netzgebiet von 50Hertz bei etwas über 34 GW, die von Nichterneuerbaren-Anlagen bei rund 23 GW. (hcn)



