Der Übertragungsnetzbetreiber Amprion legt bei der Umsetzung und Finanzierung seiner Projekte einen Gang zu. Im abgelaufenen Jahr hat das Dortmunder Unternehmen seine Investitionen im Vorjahrsvergleich erneut verdoppelt.
Sie beliefen sich 2023 auf 3,1 Mio. Euro, teilte das Dortmunder Unternehmen mit. Im Vergleich zum Jahr 2021 sei das sogar eine Verdreifachung, sagte CEO Hans-Jürgen Brick bei der Vorstellung des Geschäftsberichts 2023.
Hohe Energiepreise verzerren Reingewinn
Seinen Reingewinn steigerte Amprion um 1.600 Prozent. Dieser resultiere allerdings aus der Tatsache, dass die Netzentgelte im Oktober 2022 für das Jahr 2023 festgelegt werden und darin Planannahmen zugrunde liegen, die deutlich höhere Gas- und Strompreise unterstellen, erläuterte eine Unternehmenssprecherin auf ZfK-Anfrage.
Im Jahresverlauf 2023 waren die Gas- und Strompreise aber rückläufig, sodass auch die Kosten für Systemdienstleistungen niedriger waren als im Vorjahr und somit niedrigere Aufwendungen für diese Systemdienstleistungen bei Amprion angefallen seien. "Dies verzerrt das Jahresergebnis überproportional, weshalb wir es adjustieren". Beim adjustierten Konzernergebnis ergibt sich dann eine Steigerung von rund 49 Prozent. Diese spiegele im Wesentlichen das höhere Investmentvolumen von Amprion wider, hieß es weiter aus Dortmund.
Schnelle Baufortschritte
Auch bezüglich der Umsetzung der Projekte liefert Amprion aktuell positive Schlagzeilen. 100 Leitungskilometer hat Amprion 2023 gebaut, weitere 150 Kilometer wurden genehmigt. Dank des neuen gesetzlichen Rahmens mit einer deutlich gestrafften Genehmigungsplanung rechnet Amprion mit einer Inbetriebnahme zentraler Projekte um durchschnittlich ein bis drei Jahre früher als geplant. Im Falle von A-Nord von Emden (Niedersachsen) nach Meerbusch-Osterath (Nordrhein-Westfalen) ging der Bau fast ein Jahr früher los als ursprünglich vorgesehen.
Gemeinsam mit dem Projekt Ultranet werde A-Nord den ersten Windstrom-Korridor von der Nordsee in den Westen Deutschlands und weiter nach Baden-Württemberg bilden. Allein dieses Vorhaben dürfte die bundesweiten Kosten für Netzengpassmanagement um rund 700 Mio. Euro jährlich senken, so Brick. Bis zur Realisierung der Großprojekte sieht Brick die Redispatchkosten auf einem weitehin hohen Niveau. Erst ab 2027 rechne er "mit einer merklichen Trendumkehr".
Energiekosten als "enorme Belastungsprobe"
Diese hohen Energiekosten stellen die Industrie und Haushalte vor eine "enorme Belastungsprobe"und lassen sogar Zweifel an der Bezahlbarkeit der Energiewende aufkommen, so Brick weiter. Laut Amprion verbrauchte die Industrie im Versorgungsgebiet des Übertragungsnetzbetreibers um weitere 17 Prozent weniger Strom als im Vorjahr. Zu den Gründen zählt er nicht nur die Effizienz- und Sparmaßnahmen, sondern auch Produktionsstopp und Abwanderung der Industrieunternehmen.
Ein großes Problem bleibt aus Sicht des Amprion-Chefs derzeit die Bezahlbarkeit der Energiewende. "Die Balance zwischen Klimaschutz, Versorgungssicherheit und Bezahlbarkeit ist verloren gegangen“, sagte er. Die Kosten für das Engpassmanagement seien keine originären Transformationskosten der Energiewende, denn sie würden durch das politische Ziel der Klimaneutralität verursacht, so Brick vor Journalisten. Die finanziellen Lasten sollten daher nicht ausschließlich Strom- und Netzkunden tragen.
Halbierung der Netzentgelte durch Klimafonds
Sein Vorschlag: Eine einfache und unbürokratische Lösung wäre aus seiner Sicht die Herauslösung der bundesweiten Engpassmanagementkosten aus den Netzentgelten. Stattdessen sollen die Mittel dafür aus den Erlösen des Klima- und Transformationsfonds kommen. Dieser Schritt würde die Netzentgelte "auf einen Schlag halbieren" und die Industrie und Haushalte entlasten. (am)
