Sollte das aktuelle Niveau der Energiepreise noch über weitere Monate Bestand haben, wird es einen Systemwechsel bei der Abrechnung der leistungsgemessenen Kunden mit einem Stromverbrauch von über 100.000 kWh pro Jahr geben müssen. Davon ist Ronald Pfitzer, Geschäftsführer der Stadtwerke Schwäbisch-Hall, überzeugt und verweist auf die deutlich gestiegenen Ausfallrisiken. Der Kommunalversorger hat etwa 250 solcher Kunden.
„Kalkulation und Abrechnung können dann nicht so bleiben wie aktuell. Ich halte dann nur noch feste Fahrpläne für denkbar. Der Kunde muss die Abweichungen davon viertelstundenscharf zum Börsenpreis bezahlen beziehungsweise bekommt sie vergütet. Das kann ich mir nicht anders vorstellen“, sagt Pfitzer im Gespräch mit der ZfK.
Die Abweichungen des Verbrauchs von der Prognose seien mittlerweile ein Vielfaches von dem, was man bei dem eingeschwungenen Preisniveau bis Mitte Oktober letzten Jahres an Marge einkalkuliert habe. „Das, was man da an Jahresmarge hatte, kann man heute bei einem Kunden an einem Tag durch diese Abweichungen verlieren. Es wird sicher noch zu mehr unkalkulierbaren Situationen kommen.“ Man werde auch in diesem Bereich Abschläge erheben müssen und könne sich nicht mehr erlauben, erst zwei Wochen nach dem Monatsende die Rechnung zu begleichen. „Da muss dann bereits vorher der Kunde Liquidität erbringen. Ich rechne in diesem Bereich mit erheblichen Änderungen“.
"Im Winter rechnen wir mit hohen Liquiditätssprüngen zur Vorfinanzierung des Energieeinkaufs"
Eine von Pfitzers größten Sorgen in den nächsten Monaten ist die Bezahlbarkeit von Energie und mögliche Forderungsausfälle bei Kunden. „Im Winter rechnen wir zudem mit hohen Liquiditätssprünge zur Vorfinanzierung des Energieeinkaufs, insbesondere beim Gas“, so Pfitzer weiter. Eigene Kreditlinien bei den Banken habe man bereits erhöht, dennoch täten sich Kreditinstitute ander als etwa bei Projektfinanzierungen schwer mit Darlehensvergabe für die Liquidität von Energieversorgern.
„Wir sind hier in einer Sandwichposition. Die Liquiditätsamplitude im Sommer und Winter war immer schon da. Die wird jetzt ungleich höher durch die extrem hohen Preise. Hier erwarten wir, dass wir von der KfW entsprechende Bürgschaften bekommen für die Bankenkredite, sonst wird es im Winter schwierig“. (hoe)
