Eine E-Auto-Ladebox, die ein Stadtwerk mitentwickelt? "Warum nicht?", sagt Dennis Schenk, Geschäftsführer der evb. Schließlich kennen Versorger sowohl das bestehende Angebot an Ladeboxen auf dem Markt sehr gut, als auch die Bedürfnisse und Infrastruktur potenzieller Kunden.
Denn auch moderne, kleinere Stadtwerke können und sollten ihre Rolle neu definieren – hin zum Entwicklungspartner der Wirtschaft für energienahe Lösungen, so Schenk. "In unserer heutigen Rolle entwickeln und innovieren wir Kommunen mit, sei es als Player oder als Enabler für die lokale und regionale Wirtschaft", konkretisiert der Geschäftsführer der Energieversorgung Beckum. Denn gerade Unternehmen, die aufgrund ihrer technologischen Fachexpertise das notwendige Know-how in die neuen Geschäftsfelder bringen, biete sich hier ein künftig sehr interessanter Wachstumsmarkt.
Stadtwerke bisher noch zögerlich
Allerdings: Leider fehlt es diesen Unternehmen in der Regel an der notwendigen Branchenexpertise. "Da sehen wir uns als passgenaues Pendant und vereinen die Kenntnisse und Fertigkeiten aus zwei oder auch mehr Welten", sagt Schenk.
Noch scheuen sich die Stadtwerke ihm zufolge, eine neue Rolle in der Wertschöpfung einzunehmen. Sei es aus der Sorge heraus, übermäßige Risiken einzugehen oder auch schlichtweg, weil Abweichungen vom Tagesgeschäft nicht vorgesehen sind. Dabei könne ein Stadtwerk in vielen Fällen die gut kalkulierbare Rolle des Impulsgebers und Vertriebspartners einnehmen und so innerhalb von Projektpartnerschaften an der Entwicklung sowie Umsetzung von Produkten und Dienstleistungen partizipieren, verdeutlicht Schenk.
Stromat profitiert vom Knowhow des Energieversorgers
Sein Unternehmen zeigt, wie es funktionieren kann: Aus der eingangs erwähnten E-Auto-Ladebox entstand der "Stromat" – ein Kooperationsprodukt von evb und Alcona Automation. Entwickelt und gebaut zu 100 Prozent in Beckum.
Die Alcona Automation GmbH entwickelt und produziert in Beckum hochwertige elektrische, elektronische und elektromechanische Komponenten und Geräte. Für die Ladebox-Idee der evb war sie daher der ideale Projektpartner. Angelehnt an die Erfahrungen des Energieversorgers mit herkömmlichen Ladestationen, hat das Unternehmen mit dem Stromat eine optimierte Ladebox auf den Markt gebracht, die außer den Forderungen der Kunden – wie ein fest verbundenes Ladekabel mit Aufrollfunktion – auch die Wünsche von Energieversorgern berücksichtigt.
Energiebilanz lässt sich direkt am Hausanschluss managen
Die Wallbox hat eine Schnittstelle zum Energie-Lastmanagement, das Lastschwankungen dynamisch anpasst, wenn sich eine Vielzahl von Ladestationen einen Anschlusspunkt mit begrenzter Leistung teilen müssen, wie etwa bei Parkplätzen.
"Das jüngste Modell unserer Reihe wird über die besagte Schnittstelle die Möglichkeit bieten – bei vorhandener PV-Anlage – das E-Fahrzeug in Abhängigkeit von selbst erzeugtem Strom zu laden. Die Energiebilanz kann direkt am Hausanschluss gemanagt werden, so kann der Kunde sicherstellen, dass nur der selbst erzeugte Strom in den Ladevorgang fließt", verrät Alcona-Geschäftsführer Andreas Kulke.
Gut ein Dutzend Stadtwerke haben die Lösung bereits bestellt
Laut Schenk hat sich der Stromat schon vielfach bewährt – nicht nur bei Privat- und Gewerbekunden der evb in Beckum, sondern auch als White-Label-Produkt für Stadtwerke und Energieversorger. Gut ein Dutzend Stadtwerke würden mittlerweile den Stromat bestellen, der optisch an ihr jeweiliges Design angepasst ist.
Zusätzlich dazu biete man interessierten Stadtwerken kostenlose Schulungen und Trainings zum Stromat, sodass der First-Level-Support für die Geräte jederzeit von Stadtwerke-Mitarbeitern direkt durchgeführt werden könne. Ein weiterer Vorteil der Wallbox, die aus der Perspektive eines Energieversorgers heraus entstand, ist dass die Branchenkollegen im White-Label-Paket zudem konfigurierbare Werbematerialien und auf Wunsch die Geschäftsmodellplanung für den Stromat erhalten.
Flatrate-Lösung E-Mobilität
Und wie läuft es mit der E-Mobilität in Beckum selbst? Schenk sieht hier eine ähnliche Entwicklung wie in anderen Städten. Die Skepsis zur Alltagstauglichkeit und die Vorurteile im Hinblick auf E-Mobilität sind breit vertreten. "Und doch nehmen wir eine sukzessive Zunahme an Anfragen aus Industrie, Gewerbe und auch dem Privatkundensektor wahr", sagt der Geschäftsführer.
Erste Pilotprojekte mit der Industrie habe man bereits gestartet, etwa eine Flatrate-Lösung für Mobilität: Darin enthalten sind das Fahrzeug, die Ladetechnologie und alle weiteren Dienste. Mit dem ortsansässigen Automobilhandel habe man eine vielversprechende Vertriebskooperation auf den Weg gebracht, von der beide Partner profitieren sollen.
Aufmerksamkeit bei Privat- und Gewerbekunden
Ebenso gewinne das PuG-Ladeprodukt, also der Stromat, zunehmend an Aufmerksamkeit bei Privat- und Gewerbekunden. "Und gerade das, so glauben wir, haben wir der lokalen Kooperation mit einem ortsansässigen Unternehmen zu verdanken. Lokale Zusammenarbeit schafft bei Partnern
und Kunden eben ein starkes Wir-Gefühl", bilanziert Schenk. (sg)



