Die Bayerische Energieversorgung (BEV) hat beim Insolvenzgericht des Amtsgerichts München die Eröffnung des Insolvenzverfahrens über das eigene Vermögen beantragt. Das Gericht hat am vergangenen Dienstag die vorläufige Insolvenzverwaltung angeordnet. Zum vorläufigen Insolvenzverwalter wurde der in München ansässige Rechtsanwalt Axel W. Bierbach bestellt. Dass der Energiediscounter in ernsthaften Problemen steckt und sein Geschäftsmodell nicht funktioniert, hatte sich in den vergangenen Wochen angedeutet. Trotz bestehender Preisgarantien hatte das Unternehmen massive Preiserhöhungen angekündigt. Die Folge: Die Kunden schlugen Alarm, die Bundesnetzagentur leitete ein Aufsichtsverfahren ein und die Verbraucherzentrale NRW mahnte den Versorger ab.
Kunden fordern Boni und Guthaben zurück
Das Geschäftsmodell der BEV beruhte auf sehr preisgünstigen Lockangeboten. Zahlreiche Kunden haben diese Boni, zum Beispiel nach zwölf Monaten Laufzeit, aber laut der Verbraucherzentrale NRW nicht erhalten. Auch über nicht erfolgte Auszahlungen von Guthaben hatten sich Verbraucher beschwert. Diese Ansprüche müssen im Rahmen des Insolvenzverfahrens gestellt werden. Die betroffenen Kunden steckten beim Thema Preiserhöhungen laut einem Artikel der Wirtschaftswoche in einem Dilemma. Einerseits versuchten sie in den vergangenen Wochen dagegen vorzugehen, gleichzeitig wollten sie aber eine Sonderkündigung vermeiden, um ihren Anspruch auf die hohen Boni nicht zu gefährden.
BP bis Ende 2018 strategischer Partner von BEV
Laut dem Magazin ist die BEV wegen zu hoher Kündigungsquoten in die Schieflage geraten, das Magazin beruft sich dabei auf einen Insider. Das Blatt hatte außerdem publik gemacht, dass der Ölkonzern BP bis Ende 2018 strategischer Partner von BEV war und unter anderem Strom und Gas an den Energiediscounter geliefert hatte. Mit dem Insolvenzantrag der BEV scheitert binnen weniger Wochen ein zweiter Energiediscounter in Deutschland, erst kurz vor Weihnachten hatten die Übertragungsnetzbetreiber der Deutschen Energieversorgung die Bilanzkreise gekündigt – mittlerweile steht das Unternehmen unter vorläufiger Insolvenzverwaltung. (hoe)



