Berlin finanziert den Netzausbau. Mit den gesicherten Mittel kann sich das Berliner Stromnetz auch angesichts der aktuellen Schlagzeilen aus Oranienburg positiv hervortun. Bei der Bilanzpressekonferenz versicherten Unternehmen und Politik die Netzstabilität auch für die Zukunft.
„Wir haben die richtige und zukunftsweisende Entscheidung getroffen, das Eigenkapital der Muttergesellschaft Berlin Energie und Netzholding (BEN) in diesem und im nächsten Jahr um insgesamt 300 Millionen Euro durch einen Nachtragshaushalt zu erhöhen“, erklärte Wirtschaftssenatorin Franziska Giffey (SPD). „Wir bekennen uns damit zu den nötigen Investitionen in eine sichere und nachhaltige Stromversorgung.“
Das vom Berliner Senat und Abgeordnetenhaus zugesagte Eigenkapital bringe der BEN die notwendige Stabilität und Nachhaltigkeit in der finanziellen Ausstattung, um weiterhin erfolgreich marktgerechte Finanzierungen bei Banken abschließen zu können, erklärte Geschäftsführer der BEN Stephan Boy: „Das Eigenkapital gewährleistet die zukunftsfähige Weiterentwicklung der Energieinfrastruktur Strom.“
Stromnetz Berlin will Netzkapazität verdoppeln
Mehr als zwei Milliarden Euro will Stromnetz Berlin in den kommenden fünf Jahren investieren. Das Geld fließt demnach in die nötige Erweiterung oder den Umbau des Berliner Stromnetzes im Zeichen von Energie-, Wärme- und Mobilitätswende sowie zunehmender Digitalisierung.
Allein im Jahr 2024 will das Unternehmen 337 Millionen Euro (nach 278 Mio. im Vorjahr) für Investitionen ausgeben.
Angesichts bestehender Last-Prognosen geht Stromnetz Berlin bisher von einer notwendigen Verdoppelung der Netzkapazität innerhalb von zehn Jahren aus. Die aktuellen Lastentwicklungen der Kunden insbesondere von Großkunden in der Hochspannung seien aber weiterhin sehr dynamisch und könnten sogar noch weiter steigen.
"Wir werden bauen, bauen, bauen." - Erik Landeck , Stromnetz Berlin
Stromnetz Berlin-Geschäftsführer Erik Landeck verdeutlicht die Mammutaufgabe für das Unternehmen in den nächsten Jahren: „Wir werden bauen, bauen, bauen. Nach jetziger Planung bedeutet das die Errichtung und Erneuerung von 13 Netzknoten und 29 Umspannwerken, den Neubau von etwa 2.000 Netz- und Kundenstationen sowie die Verlegung von rund 6.000 Kilometern.“
Berlin ist nicht Oranienburg
Nach den jüngsten Berichten über den Engpass im Stromnetz der nahegelegenen Stadt Oranienburg schließt Landeck eine solche Situation für die Hauptstadt aus. Das Unternehmen analysiere seit Jahren einmal jährlich detailliert den Netzausbaubedarf.
„Wir machen dabei verschiedene Simulationen, wie sich die Kunden verhalten könnten. Diese führen dazu, dass wir für jedes einzelne Betriebsmittel wissen, wie stark deren Belastung wäre“, Landeck. „Dass wir da überrascht werden von den Entwicklungen, halte ich nicht für realistisch.“
Schwarze Zahlen in der Bilanz
In seinem dritten Geschäftsjahr nach der Rekommunalisierung habe Stromnetz Berlin mit 98 Mio. € (Vorjahr: 83 Mio. €) ein sehr gutes Ergebnis nach Steuern erreicht.
Durch Energiekrise und bewusstes Energiesparen in allen Kundengruppen habe sich der Stromtransport durch das Berliner Netz temporär verringert auf 12.210 Gigawattstunden (GWh / Vorjahr: 12.523 GWh).
Die Konzessionsabgabe an das Land Berlin belief sich laut dem Unternehmen auf 140 Mio. € (2022: 138 Mio. €) und die Zahl der Beschäftigten wuchs bis zum Jahresende 2023 auf 1.808 (Vorjahr: 1.668). (pfa/mit dpa)
