Die Bundesnetzagentur (BNetzA) und das Bundeskartellamt haben ihren Monitoringbericht 2023 veröffentlicht. In dem 320 Seiten langen Dokument gehen die Behörden auf die zahlreichen Höhepunkte und Herausforderungen des Krisenjahres ein.
So hätten die zurückgekehrten Kohlekraftwerke einen wichtigen Beitrag zur Versorgungssicherheit geleistet. Die Erdgasverknappung wegen der Beendigung der russischen Importe hat zu einem Rückgang der Erdgasverstromung um 14 Prozent geführt.
Kohlestrom springt ein
So hätten die zurückgekehrten Kohlekraftwerke einen wichtigen Beitrag zur Versorgungssicherheit geleistet. Die Erdgasverknappung wegen der Beendigung der russischen Importe hat zu einem Rückgang der Erdgasverstromung um 14 Prozent geführt.
Die entstandene Lücke füllten zum Teil die Strommengen aus Braun- und Steinkohlekraftwerken aus, die entsprechend um fünf und 14 Prozent größere Mengen erzeugt haben, als im Vorjahr. Insgesamt nahm die deutschlandweite Nettostromerzeugung 2022 aufgrund des gesunkenen Stromverbrauchs leicht ab. Ebenfalls als wirkungsvoll erwies sich die Laufzeitverlängerung der Atomkraftwerke.
Russische Gasimporte weitgehend kompensiert
Den Ausfall der Gasimporte aus Russland kompensierte Deutschland auch durch die Diversifizierung der Gasquellen. Die Lieferungen aus Norwegen, Belgien und den Niederlanden betrugen insgesamt 983 TWh und machten 68 Prozent aller deutschen Gasimporte.
Zusätzlich ging im Dezember 2022 das erste deutsche schwimmende LNG-Terminal in Wilhelmshaven seinen Betrieb auf. Im Januar beziehungsweise März 2023 wurde dieses durch zwei weitere schwimmende LNG-Terminals in Lubmin und Brunsbüttel ergänzt, berichtet die Regulierungsbehörde.
"Klimaziele nicht aus den Augen verlieren"
Diese Maßnahmen hätten sich in der Krisenzeit als wirksam erwiesen, "dennoch dürfen wir die Klimaziele nicht aus den Augen verlieren", warnte Präsident der BNetzA, Klaus Müller.
Eine wichtige Komponente auf dem Weg zur Dekarbonisierung der Energieversorgung seien die Erneuerbaren. 2022 sei ihr Anteil am Bruttostromverbrauch auf 45 Prozent gewachsen (2021: 40 Prozent). Die gesetzlichen Ausbaupfade seien erreicht worden, allerdings sei für die Ziele von 2030 ein höheres Ausbautempo "unausweichlich", sagte Müller.
Endkundepreise steigen auch 2023
Die gestiegenen Großhandelspreise für Gas und Strom spiegelten sich 2022 auch bei den Endkundenpreisen wider. Auch im laufenden Jahr 2023 hat es laut Bundeskartellamt bereits Preiserhöhungen gegeben. "Zum Stichtag 1. April 2023 waren die Strom- und Gaspreise für Haushaltskunden im Vergleich zum Vorjahr noch einmal deutlich gestiegen", heißt es dazu im Monitoringbericht.
Wechselverhalten ändert sich
Die Preisschwankungen haben offenbar das Wechselverhalten der Verbraucher stark beeinflusst. 2022 sei die Zahl der Strom-Lieferantenwechsel bei Haushaltskunden um rund 16 Prozent auf gut 4 Mio. Wechsel deutlich gesunken. Die Anzahl der Gas-Lieferantenwechsel bei Haushaltskunden sank im Jahr 2022 um rund ein Drittel von 1,64 Mio. auf 1,15 Mio. Wechsel. "Wettbewerb lebt davon, dass möglichst viele Kundinnen und Kunden bei entsprechenden Preisvorteilen den Anbieter auch tatsächlich wechseln", sagte Andreas Mundt, Präsident des Bundeskartellamtes. (am)
