Die Stadtwerke Neumünster schreiben vorerst weiter rote Zahlen. Im ersten Halbjahr musste der Kommunalversorger aus Schleswig-Holstein einen Verlust von 1,25 Mio. Euro ausweisen. Für das Gesamtjahr erwartet der seit Mai amtierende, neue SWN-Geschäftsführer Michael Böddeker ein Defizit zwischen zwei und 2,5 Mio. Euro. Neben Einbußen im Wärmegeschäft aufgrund des warmen ersten Quartals belasteten in den Folgemonaten längere Stillstände bei der Thermischen-Ersatzbrennstoff-Verwertungsanlage (TEV) und die Folgen der mittlerweile korrigierten, riskanten Energieeinkaufstrategie das Ergebnis signifikant. Böddekers Vorgänger, das ehemalige Geschäftsführerduo Thomas Junker und Timo Schmelzle hatte im November vergangenen Jahres nach zwei Jahren mit hohen Milliondendefiziten ein Plus von rund 800.000 Euro in Aussicht gestellt. Böddeker selbst hatte im Juli gegenüber der ZfK im schlechtesten Fall eine schwarze Null für das Gesamtjahr 2019 prognostiziert.
"Handlungsbedarf im Geschäftsfeld Wärme"
"Die Verschlechterung der Bilanz ist ein relativ herber Schlag, jedoch keiner, der die Stadtwerke Neumünster tiefergehend gefährden wird. Ich bin mir sicher, dass wir den Turnaround in 2020 schaffen", teilt Böddeker auf ZfK-Anfrage mit. Insbesondere die Ausfälle der TEV hätten "richtig weh" getan, die Anlage stand über einen Monat still, unter anderem aufgrund von Instandhaltungsarbeiten. "Grundsätzlichen Handlungsbedarf" ortet der SWN-Geschäftsführer zudem im Geschäftsfeld Wärme. "Das werden wir neu aufstellen. Nicht nur aus Gründen der Wirtschaftlichkeit und Versorgungssicherheit, sondern auch wegen seiner Relevanz für die Energiewende und den Klimaschutz im städtischen Raum." Eine mögliche Maßnahme wäre hier ein Wärmespeicher in Form eines Erdbeckens. "Wir sind gerade dabei, ausgewählte Optionen ganzheitlich zu analysieren und zu prüfen."
"Verträge mit defizitären Kunden gekündigt"
Im Vertrieb hingegen hätten sich die Folgen der früheren Energieeinkaufspolitik noch stärker negativ ausgewirkt als im vergangenen Jahr angenommen. Die im vergangenen Jahr gebildeten Drohverlustrückstellungen in Höhe von 2,4 Mio. Euro hätten nicht das gesamte Defizit aus diesen Geschäftsbeziehungen im laufenden Jahr auffangen können. Die SWN hatten mit einer risikobereiten Beschaffungsstrategie über lange Zeit sehr gute Ergebnisse erzielt. Als die Preise an den Handelsplätzen vor gut zwei Jahren wieder anzogen, musste man den Großteil des Strombedarfs der Kunden zu entsprechend höheren Preisen einkaufen. "Die Lieferverträge mit den defizitären Kunden sind bereits gekündigt, so dass dieser Effekt im kommenden Jahr nicht wieder eintreten kann", versichert Böddeker. Ansonsten würden die neuen Strategien im Energieeinkauf greifen, die Risiken seien dadurch entsprechend herausgenommen worden.
Harmonisierung der IT-Systeme im vollen Gange
In der Sparte Telekommunikation erwarten die SWN planmäßig im Jahr 2022 die ersten schwarzen Zahlen. "Auch hier sind die Schwierigkeiten aus den vergangenen Jahren, welche hauptsächlich im Tiefbau anfielen, durch langfristige und verbindliche Partnerschaften beseitigt worden", heißt es. Weitere Schritte zur Neuaufstellung des SWN-Konzerns, wie die Harmonisierung der IT-Systeme und die Implementierung eines übergeordneten Produktmanagements, seien im vollen Gange, so Böddeker. "Die Überarbeitung der IT-Landschaft führt nicht nur zu niedrigeren Kosten, sondern auch zu deutlich strukturierteren und kürzeren Prozessen." Das Produktmanagement werde in den ersten Schritten hauptsächlich den Vertrieb mit neuen Produkten unterstützen und so die Ertragskraft des Konzerns zu neuer Stärke führen.
Gespräche mit Banken über Konsortialfinanzierung
Die SWN seien von der Basis her ein solides Unternehmen. Dieses erfahre sowohl durch ihre Gesellschafterin, die Stadt Neumünster, als auch aus der Politik viel Unterstützung. Bekannt geworden waren die Halbjahreszahlen durch eine neuerliche Indiskretion, Sitzungsunterlagen aus einer nicht-öffentlichen Ratssitzung waren an die Lokalpresse weitergegeben worden, die dann darüber berichtet hatte. Die SWN befinden sich aktuell noch in Gesprächen mit den Banken zur Konsortialfinanzierung. Es geht dabei um Darlehen in Höhe von 52 Mio. Euro. Böddeker geht davon aus, dass diese Finanzierung bis Ende des Jahres stehen sollte. (hoe)



